Kabel
Kabelprogramme sollen verschlüsselt werden
28.04.2005
Wie die FTD in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, sollen nach Angaben
Beteiligter Verhandlungen des führenden deutschen TV-Kabelkonzerns "Kabel
Deutschland (KDG)" und der großen Fernsehanbieter "RTL" und "Pro Sieben Sat
1." frei empfangbare Sender im Kabelfernsehen künftig nur noch verschlüsselt
ausgestrahlt werden.
Wie Verhandlungsteilnehmer auf Seiten der Sender berichten, verlangt
KDG, dass Zuschauer in digitalen Empfangsgeräten auch frei empfangbare
Programme mit einer Codekarte freischalten müssen, schreibt das Blatt. Die
KDG sagt, man bestehe auf der Verschlüsselung, um Schwarzseher zu
ertappen.
Tatsächlich geht es um mehr. In den Verhandlungen entscheidet sich für
KDG und die Sender, nach welchen Geschäftsmodellen sie künftig arbeiten,
wenn die TV-Übertragung zunehmend digital geschieht. "Es ist jetzt ein
wichtiger Zeitpunkt, weil die Grundstrukturen für die digitale Welt gelegt
werden", sagt eine Sprecherin von Pro Sieben Sat 1. KDG strebt danach,
Pay-TV-Dienste zum Normalfall im Digital-TV zu machen, und bietet diese
auch selbst an. Deshalb ist es für KDG von Vorteil, wenn jeder Zuschauer
ein digitales Empfangsgerät mit Freischaltungskarte haben muss.
Sender beharren auf Free-TV
Die Sender beharren auf dem Free-TV. "Bei dem, was KDG im Augenblick
anbietet, erscheint es nicht so, als ginge es darum, dass Free-TV
dominiert", so die Pro-Sieben-Sat-1-Sprecherin. Allerdings sind die Sender
den Informationen aus den Verhandlungen zufolge unter Umständen zur
Verschlüsselung bereit. Im Gegenzug verlangen sie mehr Geld von KDG. Die
Kabelfirma hat bereits im Grundsatz eingewilligt, dass sie die Sender
künftig an den Einnahmen beteiligt, die sie bei den Zuschauern für
Kabelanschlüsse und Programmpakete eintreibt.
Überdies verlangen die Sender Zugriff auf die Kundendaten. Man spreche
über "geteilte Endkundenbeziehungen", heißt es aus den Verhandlungen. Diese
Beziehungen sind der eigentliche Wert für den Kabelnetzbetreiber. Wenn jeder
Zuschauer eine Karte hat, kennt der Netzbetreiber jeden Zuschauer genau und
kann versuchen, ihn für zusätzliche Angebote zu gewinnen: Für
Pay-TV-Kanäle, Filme für geringes Geld im Einzelabruf (Pay-per-View), für
Onlinezugänge und mehr.
KDG-Eigner wollen Investoren locken
Aus ähnlichen Gründen sind die Daten auch für die Sender wertvoll. Beide
Anbieter basteln an Pay-TV-Kanälen und Pay-Per-View-Angeboten. Zudem
könnten sie die Daten für Kooperationen mit Werbekunden nutzen.
Die Beteiligten halten eine Einigung für möglich. "Wir rechnen noch im
ersten Halbjahr mit einem Abschluss", sagt der KDG-Sprecher.
Sendervertreter sind vorsichtiger. Aber auch sie sagen, man komme sich
näher. KDG spürt die Ungeduld seiner Eigentümer, der US-Bank Goldman Sachs
sowie der Finanzfirmen Apax und Providence. Diese hatten schon einmal den
Börsengang verschoben. Bei einem zweiten Anlauf wollen sie mit der Hoffnung
auf digitale Pay-TV-Angebote Investoren locken. Daher machen sie Druck.
Quelle: Financial Times
Deutschland