Radio-Info
ARD-Hörfunktransponder: Kabelbetreiber wollen „erhebliche Rundfunkgebührenmittel für die Einspeisung“
17.01.2008
Zum Unmut vieler
Radio-Enthusiasten ist bei den großen NE3-Kabelnetzbetreibern Kabel
Deutschland und Unitymedia der ARD-Hörfunktransponder mit seinen 65
digitalen Radioprogrammen immer noch nicht zu empfangen. Frank Johannsen,
Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission, erklärt im exklusiven
Digitalmagazin-Interview die Gründe: Bei den Netzbetreibern bestehe
mitunter die Auffassung, dass über die Kabelanschlussgebühren hinaus, die
das Publikum zahle, erhebliche Rundfunkgebührenmittel für die Einspeisung
gezahlt werden sollen, sagt Johannsen.
Digitalmagazin: Herr Johannsen,
Staatsminister Neumann machte unlängst in Mainz den Vorschlag, eine
Umverteilung der GEZ-Gebühren zugunsten des ZDF vorzunehmen. Das Zweite
habe keine Radioprogramme und insofern keine Chance, programmliche
Synergien zu nutzen. Was sagen Sie dazu, dass das Kulturgut Radio zum
Sparschwein des Fernsehens degradiert wird?
Johannsen: Das mit dem
Sparschwein ist Ihre Interpretation. Im Übrigen sind wir Radiomacher, was
das Verhältnis zum Schwestermedium Fernsehen angeht, aus guten Gründen sehr
gelassen. Beispielsweise hat die letzte Medien-Analyse (MA) erneut gezeigt,
dass das Radio für die große Mehrheit der Bevölkerung selbstverständlicher
und unverzichtbar wichtiger Teil ihres Alltags ist. Bei dem von ihnen
angesprochenen Vorstoß scheint es eher um einen Versuch der Umverteilung
von Gebührenmitteln zwischen ARD und ZDF zu gehen. Fest steht jedenfalls,
dass für die Regionen und Sendegebiete die kulturwirtschaftlichen
Leistungen der ARD-Radioprogramme unverzichtbar sind. Viele Veranstaltungen
- beispielsweise im Musikleben - würden ohne die Zusammenarbeit mit den
öffentlich-rechtlichen „Heimatsendern“ niemals stattfinden.
Digitalmagazin: Viele
Radioprogramme sind immer noch nicht digital im Kabel vertreten. Woran
liegt dies, und wann wird der Missstand behoben?
Johannsen: Das liegt in
erster Linie an den Kabelnetzbetreibern. Seitens der ARD bieten wir ihnen
selbstverständlich all das zur digitalen Weiterleitung an, was den
Satellitennutzern bereits zur Verfügung steht, also alle unsere
vielfältigen Radioprogramme in exzellenter Tonqualität. Insoweit die
Kabelgesellschaften der Netzebene 3 - also die großen Kabelgesellschaften -
bereit sind, dieses Premium-Angebot weiterzuleiten, sind sie allerdings
überwiegend nicht zugleich auch Willens, dafür freie Netzkapazität
aufzubieten. Überdies besteht bei den Netzbetreibern mitunter die
Auffassung, dass über die Kabelanschlussgebühren hinaus, die das Publikum
zahlt, erhebliche Rundfunkgebührenmittel für die Einspeisung gezahlt werden
sollen. Unter anderem über diese Fragen wird derzeit verhandelt.
Digitalmagazin: Wie groß sind
gegenwärtig die Chancen, dass es ein landesweites ARD-Hörfunkprogramm geben
wird?
Johannsen: Sie meinen
sicherlich bundesweite digitale Zusatzangebote. Ausgangspunkt unserer
Überlegungen in der ARD war die Erkenntnis, dass der digitale terrestrische
Hörfunk zu seiner Marktdurchsetzung attraktive Angebote benötigt, die dem
Hörer neben dem technischen auch einen inhaltlichen Mehrwert gegenüber der
analogen Verbreitung bieten. Die ARD hat deshalb in ihrer Digitalstrategie
gemeinsame Zusatzangebote für die Themenfelder Kinder, Wissen und
Integration angekündigt. Themenfelder also, die ein klares
öffentlich-rechtliches Profil aufweisen. Diskutiert wird derzeit
grundsätzlich über die rechtlichen Rahmenbedingungen und darüber, wie die
Trägerschaft solcher Angebote ausgestaltet sein könnte.
Digitalmagazin: Herr Johannsen,
vielen Dank für das Gespräch.