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Kommunikation

Interview: „Der wichtigste Konkurrent der Verlage im Netz sind nicht die öffentlich-rechtlichen Sender, sondern das Netz selbst“

Digitalmagazin im Gespräch mit Wolfgang Blau, Chefredakteur Zeit online

14.07.2008

Trotz medienpolitisch bleihaltiger Luft ist Zeit online eine Kooperation mit dem ZDF eingegangen. Relevanz statt Nachrichtenlärm lautet die Devise von Zeit online-Chefredakteur Wolfgang Blau. Folgen weitere Projekte dieser Art in der Verlagslandschaft?

 

Digitalmagazin: Herr Blau, viele Verlagsvertreter wehren sich gegen die Online-Aktivitäten von ARD und ZDF. Zeit online startet indes eine Video-Kooperation mit dem ZDF. Teilen Sie nicht die Bedenken Ihrer Kollegen?

Blau: Die öffentliche Kritik der Verlagsvertreter richtete sich ja vor allem gegen die presseähnlichen, textlastigen Online-Angebote von ARD und ZDF. Wir übernehmen vom ZDF jedoch keine Texte und stellen dem ZDF unsererseits auch keine Textinhalte zur Verfügung. Wir übernehmen nur Videos des ZDF und werden dadurch als Verlag eher noch gestärkt. Ich gehe davon aus, dass es in der deutschen Verlagslandschaft bald noch einige andere Kooperationsprojekte dieser Art geben wird, denn im Hintergrund sprechen alle mit allen. Der wichtigste Konkurrent der Verlage im Netz sind auch nicht die öffentlich-rechtlichen Sender, sondern das Netz selbst.

 

Digitalmagazin: Wie schaut die Kooperation zwischen ZDF und Zeit online im Detail aus, und welche Erwartungen setzen Sie in das neue Angebot?

Blau: Wir präsentieren das Nachrichtenformat „ZDF Heute 100 Sekunden" auf Zeit online. Außerdem zeigen wir auch von uns ausgewählte Magazinbeiträge des ZDF, die thematisch zu unseren eigenen Texten passen. Unser Vertrag mit dem ZDF sieht vor, dass wir durchschnittlich einen Magazinbeitrag pro Tag anbieten können. Die „100 Sekunden" bleiben jeweils maximal 48 Stunden lang bei uns abrufbar, die Magazinbeiträge jeweils bis zu acht Wochen lang. Die „100 Sekunden" geben unseren Lesern einen schnellen, aber seriösen Überblick über die Nachrichtenlage. Die Leser von Zeit online wollen keinen Nachrichtenlärm, sondern Relevanz, also die wesentlichen Themen und Nachrichten des Tages. Die ZDF-Kooperation erlaubt uns, dieses Versprechen auch multimedial erfüllen zu können.

Digitalmagazin: Welchen Preis zahlen Sie für den ZDF-Content?

Blau: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu diesem Detail nicht äußern können.

Digitalmagazin: In der Mitteilung zur Zusammenarbeit ist zu lesen, dass es sich bei allen ZDF-Beiträgen auf Zeit Online um Inhalte handelt, die das ZDF bereits für seinen eigenen Redaktionsbetrieb produziert hat. Aus welchen Gründen wird dieser Punkt hervorgehoben?

Blau: Weil die medienpolitische Luft in den letzten Wochen bekanntlich sehr bleihaltig war. Wir wollten unmissverständlich klarmachen, dass hier ein ganz normales Lizenzgeschäft stattfindet und beim ZDF kein redaktioneller Sonderaufwand für Zeit online betrieben wird. So unpoetisch dies klingen mag: Wir sind lediglich Zweitnutzer von ZDF-Inhalten.

Digitalmagazin: Wird es auch Kooperationen mit Mediatheken anderer Sender wie Arte, ARD oder gar einem privaten Anbieter geben?

Blau: Wir sind für viele Ideen offen, privater wie öffentlich-rechtlicher Art. Man sollte aber nicht unterschätzen, wie unendlich kompliziert die Urheberrechtssituation bei der Online-Nutzung von Fernsehinhalten werden kann. Ich warte und hoffe auf den Tag, an dem öffentlich-rechtliche Sender ihre eigenen Inhalte unter einer Creative-Commons-Lizenz ins Netz stellen werden.

Digitalmagazin: Sie bieten - falls vorhanden - die Crossverlinkung zwischen Video und Artikel auf Ihren Webseiten an. Wie hoch ist der Anteil an Video- bzw. Text-Nutzern, und welcher Anteil nutzt beide Angebote zu einem Thema?

Blau: Wir sind bei der Messung dieser Zahlen selbst noch in der Testphase. Der reine Videonutzer ist aber die große Ausnahme. Die Mehrheit unserer Nutzer liest zuerst einen Artikel und klickt erst dann auf ein Video.

Digitalmagazin: Ein Ausblick - werden Text- und Bewegtbildinhalte in Zukunft nur noch gemeinsam beim Kunden - vormals Leser bzw. Zuschauer - ankommen?

Blau: In der Theorie wird die Integration von Text und Multimedia der Standard. In Wirklichkeit gibt es aber gar nicht so viele Nachrichten-Sites, die bei einer konstant hohen Zahl von Nachrichtenthemen zuverlässig Text und Video anbieten können. CNN.com ist da eine Ausnahmeerscheinung und präsentiert eine erstaunliche hohe Zahl von Texten in einer Reiternavigation, die dann zu thematisch verwandten Videos, Photos und Landkarten führt. Es fällt auch auf, dass bei der Präsentation von Videoinhalten im Netz oft noch die alte TV-Erfahrung das Design prägt. Es gibt beispielsweise keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb Webvideos noch in großen Rahmen präsentiert werden müssen. Auch bei den Werbeformaten für Webvideos dominieren im Moment noch die alten, invasiven Fernsehwerbeformate wie Pre-Roll, Mid-Roll und Post-Roll, obwohl es eigentlich schon interessante Konzepte für kontextsensitive Werbung in Videos gibt. Das Internet ist eben noch jung.

Digitalmagazin: Vielen Dank für das Gespräch.

www.zeit.de

Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst „Digitalmagazin“.

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