Programm
„Lottofee“ nicht in Gefahr - TV-Werbeverbot gilt nicht für Ziehung
18.07.2008
Die „Lottofee“ im Fernsehen ist nicht in Gefahr. Mit dieser Klarstellung
reagierten der Deutsche Lottoblock und der Hessische Rundfunk (HR), der die
Ziehung der Lottozahlen für die ARD überträgt, am Donnerstag auf
entsprechende Spekulationen der privaten Lottovermittler. Deren
Zusammenschluss, der Deutsche Lottoverband, hatte das vorläufige Ende der
„5 Millionen SKL Show“ bei RTL zum Anlass genommen, auch anderen
TV-Sendungen wie der Ziehung der Lottozahlen das Aus vorherzusagen. Die
„Lottofee“ werde sich „einen neuen Job suchen müssen“, hieß in einer
Erklärung des Verbandes. Der seit Jahresbeginn geltende
Glücksspielstaatsvertrag verbietet Werbung im Fernsehen für öffentliche
Glücksspiele.
Lottoblock-Sprecher Klaus Sattler erklärte in Stuttgart: „Die Ziehung
der Lottozahlen in der ARD und im ZDF hat keinen werblichen Charakter,
sondern ist eine Information der Sender. Sie trägt in erheblichem Maße zur
Transparenz und Seriosität des Zahlenlottos bei.“ Die Staatliche Toto-Lotto
GmbH Baden-Württemberg hat derzeit die Federführung im Lotto- und Totoblock.
Zwar verbiete der Glücksspielstaatsvertrag Werbung, doch sei die Ziehung der
Lottozahlen von dieser Regelung ausgenommen, sagte Sattler. Er zitierte aus
den Erläuterungen zum Staatsvertrag: „Vom Verbot nicht umfasst sind andere
Programmteile, die von der Werbung gemäß § 7 Abs. 3 Satz 2 RStV optisch zu
trennen sind, wie die Ziehung der Lottozahlen und Sendungen, die
zugelassene Lotterien zum Gegenstand haben.“
Auch der Hessische Rundfunk wies die Darstellung des Lottoverbandes
zurück. Die Ziehung der Lottozahlen sei keine Unterhaltungsshow, sondern
eine Informationssendung, erklärte HR-Sprecher Tobias Häuser. „Es handelt
sich auch keineswegs um eine Werbesendung für die staatlichen
Lotto-Gesellschaften.“ Der Lottoverband hatte unter Berufung auf den
Staatsvertrag erklärt, nun drohe neben der Ziehung der Lottozahlen auch
Sendungen wie „Aktion Mensch“ (ZDF), der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an
der Sonne“ und der NDR-Umweltlotterie „Bingo“ das Aus.
Die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL) führt derzeit Gespräche über eine
mögliche Fortsetzung der „5 Millionen SKL Show“. Dabei gehe es um
Modifizierungen, die das TV-Format mit dem neuen Staatsvertrag in
Übereinstimmung bringen sollen, erklärte die SKL am Donnerstag. Zuvor habe
die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) dem Sender RTL
mitgeteilt, dass die „rundfunkrechtliche Unbedenklichkeit“ angesichts des
Glücksspielstaatsvertrags derzeit nicht bescheinigt werden könne.
RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt sagte der dpa am Donnerstag, dass
die für den 30. August geplante nächste Ausgabe aus dem Programm genommen
worden sei. Sie bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen
Zeitung“.
Nach Ansicht des Lottoverbandes geht es nicht nur um Sendeplätze im
Fernsehen, sondern um das Überleben von Lotto und Lotterien, die auf
Werbung angewiesen seien „und die einen maßgeblichen Beitrag zur
Finanzierung von Sozial-, Breitensport- und Kulturprojekten leisten“. Die
im Staatsvertrag festgelegte Reduzierung der Werbung entziehe 10.000
kleinen Läden und Kiosken ihre Existenzgrundlage. Der Deutsche Lottoverband
vertritt unter anderem Anbieter wie Faber, Tipp24.de und Jaxx.de.
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