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Internet-Fernsehen zwischen „Markt der Zukunft“ und Riesenflop

21.08.2008

Eine beeindruckende Erfolgsstory sieht anders aus: Vor zwei Jahren hatte der damalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke noch eine Million Abonnenten für das Internetfernsehen (IPTV) in Deutschland bis zum Jahresende 2007 vorausgesagt. Diese Frist ist längst verstrichen, ohne dass das ehrgeizige Ziel auch nur im Ansatz erreicht werden konnte. Zur Berliner Funkausstellung IFA 2008 haben der Marktführer Deutsche Telekom und alle seine Wettbewerber zusammen noch nicht einmal 300.000 Kunden für das IPTV gewinnen können. Dabei wären inzwischen fast 20 Millionen Haushalte in Deutschland in der Lage, internetbasiertes TV über eine Settopbox auf dem Fernseher zu empfangen.

Gründe für die Misere gibt es etliche. Vielen Interessenten waren das Internetfernsehen und der dafür notwendige Breitband-Internetanschluss im Vergleich zu einer Satellitenschüssel oder einem Kabel-Abo zu teuer. Außerdem hatte IPTV anfangs mit technischen Macken zu kämpfen und konnte nicht alle Versprechen der Telekom- Manager erfüllen. So funktionierte beispielsweise die Aufzeichnung von TV-Sendungen nicht korrekt, wenn der Ablaufplan der TV-Sender durch „Überziehungskönige“ wie Thomas Gottschalk wieder einmal durcheinandergeraten war. Genervt zeigten sich etliche Nutzer auch über lizenzrechtliche Einschränkungen, die beispielsweise die Aufzeichnung bestimmter TV-Sendungen in hoher Auflösung verbieten.

Achim Berg, Vizepräsident des Branchenverbandes BITKOM, beschwört zur IFA 2008 die Möglichkeiten der neuen TV-Welt: „IPTV ist dem traditionellen Fernsehen in vielen Bereichen überlegen. Aus reinen Zuschauern werden Akteure, die sich ihr Programm gestalten und durch zahlreiche Angebote des Webs ergänzen können.“ Berg spricht hier als Chef von Microsoft Deutschland auch für das eigene Unternehmen, denn der Konzern liefert mit „Microsoft TV“ die Software für „T-Home Entertainment“, das IPTV-Angebot der Telekom.

Die Telekom, die in Deutschland knapp 90 Prozent aller IPTV-Haushalte bedient, wird auf der IFA in Berlin eine Reihe von Verbesserungen und Erweiterungen für „«T-Home Entertainment“ ankündigen. So sollen beispielsweise Kinofilme wie Til Schweigers Erfolgskomödie „Keinohrhasen“ zeitgleich mit dem DVD-Start als Video-on-Demand online in HD-Qualität zur Verfügung stehen. „Damit kann man sich den Gang zur Videothek sehr häufig sparen“, sagt ein Telekom-Sprecher. Nach seinen Angaben leihen T-Home-Kunden schon heute durchschnittlich drei Videos im Monat online aus. Außerdem soll das TV- und Video-Angebot „durch andere Medien“ ergänzt werden. Details wird die Telekom auf der IFA in Berlin bekanntgeben.

Beim Optimismus über die Zukunft von IPTV steht die Telekom nicht alleine da: Auch das Marktforschungsinstitut GfK warnt davor, das Internet-TV vorzeitig als Superflop abzuschreiben. Mehr als die Hälfte der deutschen Internetanwender (52,6 Prozent) hätten ein hohes oder sehr hohes Interesse an zeitversetztem Fernsehen, wie es über das Internet beim IPTV möglich ist, ergab eine GfK-Studie, die im Auftrag der BITKOM erstellt wurde. In Deutschland sei Internet-TV ein „Markt der Zukunft“.

Nach dem schwachen Start von IPTV auf dem deutschen Markt macht der BITKOM nun ein steiles Wachstum für das Internet-Fernsehen aus. Die Steigerung von 180.000 IPTV-Kunden im Dezember 2007 auf 240.000 Ende März 2008 mache ein Plus von 33 Prozent aus, sagte BITKOM-Sprecher Christian Hallerberg. Einer Umfrage zufolge könnten sich rund 40 Prozent der deutschen Nutzer vorstellen, über das Internet fernzusehen.

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