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Blu-ray-Video auf dem Weg zum Massenmarkt - Zweifel bleiben
21.08.2008
Nach Jahren des Nischendaseins setzt die DVD-Nachfolgetechnik Blu-ray
zum Sprung in den Massenmarkt an. Günstigere Abspielgeräte und ein rasant
wachsendes Angebot an Filmen sollen dem Heimkino in hoher Auflösung am
besten noch in diesem Weihnachtsgeschäft den Durchbruch bringen. Den
Startschuss für die neue Offensive in Deutschland gibt die Berliner
Funkausstellung IFA (29.8. bis 3.9.). Die Branche frohlockt schon jetzt,
die Blu-ray Disc breite sich schneller aus als seinerzeit die heute
dominierende DVD.
Doch trotz des Sieges über das Konkurrenz-Format HD DVD Anfang des
Jahres sind die Zweifel an der Zukunft der Blu-ray nicht aus der Welt. Die
schwächelnde Konjunktur und steigende Alltagspreise lassen die Verbraucher
sparsamer werden, Video gibt es immer häufiger auch direkt zum Download
ohne irgendein Speichermedium - und zudem versprechen die Hersteller neuer
DVD-Player, dank technischer Kniffe auch aus den herkömmlichen
Videoscheiben nahezu HD-ähnliche Bilder herauszukitzeln. Ob die Verbraucher
in der Masse bereit sind, unter diesen Umständen auf die Blu-ray Disc
umzusteigen, ist die entscheidende Frage für die nächsten Monate.
Die Vermarktungsmaschine der Industrie läuft jedenfalls auf Hochtouren.
Praktisch jeden Tag werden neue Blu-ray-Titel angekündigt. Neben Neuheiten
werden immer mehr auch beliebte alte Streifen in der besseren Bildqualität
herausgebracht. Ob „Casablanca“, Disney's „Dornröschen“ oder alte
James-Bond-Filme - alles kommt in verbesserter Bildqualität auf die neuen
Scheiben. Die Rolle der «alten Schinken» ist nicht zu unterschätzen: Schon
bei der Einführung von CD und DVD hatten Plattenfirmen und Filmstudios ihre
Kataloge versilbern können.
Die technischen Vorzüge der neuen Technik sind unumstritten: Dank der
größeren Speicherkapazität kann ein Film auf Blu-ray mit viel höherer
Auflösung und dadurch besserer Bildqualität gespeichert werden. Endlich
bekommen damit auch die vielen HD-tauglichen Fernseher in den Wohnzimmern
angemessenes Material, mit dem sie ihre Vorzüge ausspielen können.
Regisseur Rob Cohen schwärmte schon, sein Film „Die Mumie: Das Grabmal des
Drachenkaisers“ werde auf Blu-ray sogar besser aussehen als auf der
Kino-Leinwand.
Das Problem des neuen Mediums ist aber der Erfolg der DVD: Jahr für Jahr
ergeben Befragungen, dass viele Verbraucher mit der Bildqualität der weit
verbreiteten Silberscheiben eigentlich schon zufrieden sind. Einen
Riesenunterschied wie zum Beispiel zwischen VHS-Kassetten und DVD sehen sie
nicht. Zudem geht es auch schlicht um Geld: Für Blu-ray Discs braucht man
auf jeden Fall einen neuen Player, praktisch jede DVD bekommt man heute mit
gut zehn Euro deutlich günstiger als die neuen Super-Scheiben und
schließlich hat nahezu jeder schon einen Stapel DVDs zuhause.
Gerade darauf setzt der japanische Hersteller Toshiba, der mit seinem
gescheiterten Blu-ray-Rivalen HD DVD Milliarden versenkte. Wenige Tage vor
der IFA stellte Toshiba in den USA einen Player vor, der mit einer
Bildbearbeitungs-Technologie namens XDE (eXtended Detail Enhancement) noch
besser als bisherige ähnliche Geräte herkömmliche DVDs auf HD-ähnliche
Qualität hochrechnen soll. Der Clou: Das Gerät soll in Amerika nur 149
Dollar kosten und damit viel weniger als der billigste Blu-ray-Player. Ob
auf der IFA ein solches Gerät auch für Europa vorgestellt wird, will das
Unternehmen nicht explizit sagen, verspricht aber in der Messe-Einladung
schon mal eine neue DVD-Technologie mit „atemberaubender Bildqualität“.
Rund drei Jahre nach dem Start ist der Marktanteil der Blu-ray
hierzulande noch redlich gering - auch wenn konkrete Daten meist aus
mehreren Quellen zusammengepuzzelt werden müssen. So wurden der Blu-
ray-Industriegruppe zufolge bis Mitte des Jahres 500 000 Filme des neuen
Formats in Deutschland verkauft. Die DVD schlug dagegen in den ersten sechs
Monaten 2008 mit 43,8 Millionen Scheiben knapp den drei Jahre alten
bisherigen Verkaufsrekord, wie der Bundesverband Audiovisuelle Medien
errechnete.
Im Riesenmarkt USA, wo die Format-Schlacht zwischen Blu-ray und HD DVD
letztlich entschieden wurde, hat das neue Medium bei Neuerscheinungen auf
dem Videomarkt laut Marktforschern inzwischen einen Anteil von etwa zehn
Prozent. Zugleich gab in einer Umfrage nicht einmal jeder zehnte Besitzer
HD-tauglicher Fernsehgeräte an, in den kommenden sechs Monaten ein
Blu-ray-Abspielgerät kaufen zu wollen.
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