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IFA 2008: Internet-Fernsehen bewegt sich aus der Nische in den Massenmarkt
29.08.2008
Das Zusammenwachsen von TV und Internet wurde schon oft verkündet - auch
auf dem Messegelände der IFA in Berlin. Doch bislang haben sich nur wenige
Fernsehzuschauer in Deutschland entschieden, einen herkömmlichen
TV-Anschluss über Antenne, Kabel oder Satellit gegen das TV-Menü aus dem
Internet einzutauschen. Auf der IFA 2008 zeigten sich aber etliche
Aussteller zuversichtlich, das Internet-Fernsehen aus der Nische auf den
Massenmarkt bewegen zu können.
Derzeit nutzen rund 300.000 Haushalte Internet-TV (IPTV), berichtete die
Deutsche TV-Plattform, in der die gesamte Industrie vertreten ist, am
Freitag auf der Funkausstellung IFA. Den Löwenanteil machen die 250.000
Kunden der Telekom mit dem Angebot „T-Home Entertain“ aus; weitere 20.000
sind bei Hansenet mit Alice. Die Tochter der Telecom Italia offeriert
seinen Neukunden derzeit sogar das Netzfernsehen als kostenloses
Zusatzmodul, während T-Home und Arcor/Vodafone dafür rund zehn Euro
verlangen.
Bei der Telekom soll ein umfangreiches Schnupperangebot die Akzeptanz
des Internet-Fernsehens vorantreiben. T-Home-Kunden können das
„Entertain“-Paket zwei Monate lang kostenlos testen. Dabei geht die Telekom
davon aus, dass die meisten Tester von dem Angebot so begeistert sind, dass
sie dann - je nach Netzgeschwindigkeit - 50 Euro oder mehr für das
komplette „Triple Play“ (Telefon, Internet und TV aus einer Steckdose)
ausgeben. „Internet wird ein Massenmarkt werden“, sagte
Telekom-Vorstandsmitglied Timotheus Höttges.
Die Besucher der IFA bekommen aber neben reinen IPTV-Lösungen wie
„T-Home Entertain“ auch etliche Internet-Anwendungen auf dem Fernseher zu
sehen, bei denen herkömmliche TV-Signale mit kleinen Anwendungen aus dem
Internet kombiniert werden. So kündigte der japanische Elektronikkonzern
Panasonic ein neues TV-Gerät seiner Viera-Reihe an, mit dem per Knopfdruck
Dienste des Internetgiganten Google wie die Video-Plattform YouTube, eine
Wettervorhersage oder Finanznachrichten aufgerufen werden können. Außerdem
können über den Panasonic-Fernseher Videos des Senders Eurosport in
HD-Auflösung aus dem Netz geladen werden.
An den guten, alten Videotext, der vor 28 Jahren in Deutschland
eingeführt wurde, erinnert Samsung mit der Funktion „InfoLife“: Auch hier
kann der Zuschauer über die Fernbedienung Nachrichten, Börsenkurse oder den
Wetterbericht aus dem Internet holen. Die Inhalte liefert hier der
Web-Konzern Yahoo. Zudem baut der koreanische Hersteller eine Bibliothek
mit Informationen zu Themen wie Kochen, Spielen oder Fitness ein.
Auch der Unterhaltungselektronik-Riese Sony hat die Netzwerk-Ära
ausgerufen. Sony-Chef Sir Howard Stringer bekräftigte auf der IFA das Ziel,
den größten Teil der Sony-Produkte aus dem „Consumer Electronic“-Segment
HD-netzwerktauglich machen. Damit könnten auch Daten in hoher Auflösung in
den eigenen vier Wänden drahtlos „durch die Luft“ geschickt oder aus dem
Internet abgerufen werden.
Die Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass die
unterschiedlichen Varianten von „WebTV“ mit Inhalten aus dem Netz den
etablierten TV-Anbietern unmittelbar Konkurrenz machen werden.
Voraussetzung sei, dass WebTV nicht mehr vorrangig auf dem PC konsumiert
werde, sondern sich auch auf dem herkömmlichen Fernsehbildschirm etabliere.
„WebTV lockt mit Interaktivität, Verfügbarkeit nach Bedarf und umfassenden
Kommunikations- und Personalisierungsmöglichkeiten“, heißt es in einer
Studie, die unmittelbar vor der IFA veröffentlicht wurde (DM berichtete).
Dieser Trend werde sich noch verstärken, weil der größte Teil des
WebTV-Angebots werbefinanziert sei und „damit auch künftig für die
Endverbraucher kostenlos bleiben dürfte“.
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