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Kommunikation

Rundfunkfrequenz wird erstmals für breitbandiges Internet genutzt - Pilotprojekt in Wittstock gestartet

02.12.2008

Mit dem Start des Pilotprojektes in Wittstock wird zum ersten Mal in Europa eine Rundfunkfrequenz für breitbandiges Internet zur Verfügung gestellt. „Das Pilotprojekt ist eine ausgezeichnete Gelegenheit die Vorteile des Einsatzes von Frequenzen aus der Digitalen Dividende, d.h. aus dem UHF-Bereich unterhalb 862 MHz, für die Versorgung des ländlichen Raumes zu studieren und erste Erfahrungen zu sammeln. Diese Frequenzen sind ideal geeignet, um in einem ersten Schritt die Breitbandlücken in Deutschland zu schließen“, sagt Günther Ottendorfer, Geschäftsführer Technik bei T-Mobile Deutschland GmbH.

„Berlin war weltweit die erste Region, in der das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet worden ist. Nun ist Brandenburg vorne bei der Nutzung des Rundfunkspektrums für das Internet“, sagte Dr. Hans Hege, der Direktor der MABB, die dieses Pilotprojekt seit drei Jahren vorbereitet hat. Die terrestrische Fernsehversorgung konzentriert sich auf Ballungsräume, für die ländlichen Räume hat das breitbandige Internet eine zentrale Rolle, für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ebenso wie für die Mediennutzung. Das Pilotprojekt dient dazu, die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen Regelbetrieb im Rundfunkspektrum zu klären. Es geht um die Ermittlung der praktisch erzielbaren Reichweiten, die Bandbreite in der Funkzelle unter den lokalen Ausbreitungsbedingungen und um die Analyse wechselseitiger Interferenzen zwischen DVB-T und dem Funkbetrieb für Breitband-Internet sowie Lösungen für die Beseitigung oder Reduzierung möglicher Störungen. Das Projekt wird von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur durchgeführt.

Mit der Fokussierung auf den ländlichen Raum im nördlichen Brandenburg bei Wittstock/Dosse wird ein Gebiet für dieses Pilotprojekt ausgewählt, in dem i. d. R. das Internet nur schmalbandig und mit niedrigen Datenraten empfangen werden kann. "Ein kupfer- oder glasfaserbasierter Breitbandausbau in dünn besiedelten Gebieten ist nicht wirtschaftlich. Dies kann durch moderne Funktechnologien erfolgen, aber nur in einem Frequenzbereich, der hohe Reichweiten gestattet. Hierfür ist der in Brandenburg genutzte Frequenzbereich ausgezeichnet geeignet", sagt Günther Ottendorfer von T-Mobile.

Die Basisstation für das Pilotprojekt ist auf dem Funkmast in der Nähe des Autobahndreiecks Wittstock angebracht worden. Rundfunkfrequenzen haben gegenüber den bislang für den Internetzugang genutzten Frequenzen den Vorteil, dass sie durch ihre physikalischen Eigenschaften eine größere Reichweite haben und damit auch eine bessere Empfangbarkeit in Gebäuden gewährleistet ist. Wegen dieser Vorteile könnte eine Infrastruktur für breitbandiges Internet auf Rundfunkfrequenzen deutlich kostengünstiger aufgebaut werden, als dies zurzeit über die Mobilfunk - oder Wimax-Frequenzen möglich ist.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die digitale terrestrische Versorgung gegenüber der analogen erheblich eingeschränkt, gerade in den Randregionen Brandenburgs. Damit bleibt ein erheblicher Teil des Frequenzspektrums ungenutzt, das von der Rundfunkfrequenzplanung für eine Flächendeckung vorgesehen war. Allerdings stehen im Rundfunkspektrum für den aktuellen Bedarf keine für neue Nutzungen reservierten Frequenzbänder zur Verfügung.

Ziel des Pilotprojektes in Brandenburg ist es, die technischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Nutzung von Rundfunkspektrum innerhalb des geltenden Rahmens der Rundfunkfrequenznutzung zu untersuchen. Ebenfalls soll untersucht werden, welche Anforderungen sich daraus an die künftige Frequenzplanung und die Wahrnehmung der jeweiligen Aufgaben einerseits im Bereich der Länder, andererseits im Bereich der Bundesnetzagentur ergeben.

Das Pilotprojekt beruht auf einer Kooperationsvereinbarung zwischen der MABB und dem Mobilfunkunternehmen T-Mobile, die von der MABB als Betreiber ausgewählt wurde. Für die Durchführung des Pilotprojekts in Wittstock/Dosse wurde ein auf den Frequenzbereich bei 750MHz adaptiertes kommerzielles 3G TD-CDMA-System ausgewählt, wie es auch schon in der Tschechischen Republik von T-Mobile im Einsatz ist. Das System wurde von dem britischen Unternehmen IPWireless, einem führenden Hersteller von mobilen Breitband- und Multimedia-Technologien in unterschiedlichen Frequenzbereichen, bereitgestellt.

Zielsetzung dabei aus Sicht von T-Mobile ist es, den Nachweis des störungsfreien Parallelbetriebs von unidirektionaler und bidirektionaler Kommunikation zu erbringen. Die Analyse der Interferenzen wird unter Federführung der Bundesnetzagentur in einem transparenten Verfahren durchgeführt, das zu Beginn des nächsten Jahres bekannt gegeben wird.

Nach der ersten technischen Erprobungsphase werden bis zu 100 Nutzer angeschlossen. Parallel zum Pilotbetrieb wird die MABB mit dem Land Brandenburg und der Bundesnetzagentur die noch offenen Fragen für einen Regelbetrieb im gesamten Land Brandenburg bearbeiten.

www.mabb.de

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