Radio-Info
Interview: Radiocamp 2009: Erstes Radiocamp in Hamburg – „Die Zukunft des Radios ist sogar sehr rosig.“
Digitalmagazin im Gespräch mit Stefan Sutor, Hörfunkreferent bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und (Mit-)Organisator der Lokalrundfunktage in Nürnberg
17.02.2009
Im ersten Radiocamp 2009, das am 30. Januar in Hamburg an der Hamburg
Media School stattgefunden hat, haben sich Branchenvertreter über die
Zukunft des Radios und das Radio der Zukunft ausgetauscht. Was das
Besondere am Radiocamp ist und zu welchen Erkenntnissen die Teilnehmer
gelangt sind, hat Digitalmagazin in einem Gespräch mit Stefan Sutor,
Hörfunkreferent bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien,
erörtert.
Digitalmagazin: Sie haben am Radiocamp 2009 in Hamburg teilgenommen.
Das Radiocamp wirbt mit einem speziellen Konzept. Was ist das Besondere an
dieser Art Branchenzusammenkunft?
Sutor: Das Besondere an diesem Radiocamp war, dass die
Organisatoren im Grunde nur den Termin, die Räumlichkeiten und eine grobe
Themenstruktur vorgegeben haben. Die genaue Ausgestaltung der Tagung, die
Schwerpunkte, neue und zusätzliche Themen wurden vorab online und vor Ort
von den Teilnehmern entwickelt. Das ist in dieser Form durchaus neu für
einen Radiokongress und funktionierte aber hervorragend. In Hamburg waren
ganz verschiedene Vertreter des Radios vom klassischen UKW-Hörfunk, von
kleinen Webradios bis hin zu den bundesweiten Radiovermarktern vertreten.
Auch die Medienforschung, Verbandsvertreter oder Vertreter der
Landesmedienanstalten waren vor Ort. Die Mischung war so durchaus neu.
Digitalmagazin: Sie haben sich mit ihren Fachkollegen über die
Zukunft des Radios ausgetauscht. Ist die Zukunft des Radios rosig?
Sutor: Die Zukunft des Radios ist sogar sehr rosig: Es herrschte
auf dem Radiocamp eine besondere Aufbruchstimmung wie zuletzt Mitte der
80er Jahre mit der Etablierung der Privatradios. Die Aufbruchstimmung heute
ist getragen von technischen Innovationen gekoppelt mit spürbaren Erfolgen
der neuen Internetradioprogramme. Das Besondere an der derzeitigen
Radioentwicklung ist, dass Radio überall da sehr präsent ist, wo das
Internet genutzt wird: Zuhause über das WLAN, im Büro am Computer, aber
auch immer mehr über mobile Geräte wie zum Beispiel das IPhone im Zug.
Eventuell kann über diese neue Attraktivität des Radios auch die
Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks positiv beeinflusst werden.
Digitalmagazin: Das Internet ermöglicht dem Hörfunk ganz neue Wege zu
gehen. Angebote, wie das von phonostar.de, integrieren Features wie
Timeshift und verschaffen dem Hörer damit einen zusätzlichen Nutzen. Gibt
es weitere neue Ansätze, das Radio noch attraktiver zu gestalten?
Sutor: Das Radio ist insbesondere durch diese neue Formatvielfalt
wieder attraktiver. Das enorm große Angebot für fast jeden Geschmack ist
schon für sich äußerst attraktiv. Ich persönlich bin jemand, der technische
Features wie Timeshift ganz nett findet, aber entscheidend für die Akzeptanz
neuer Angebote ist das nicht. Das Internet bietet ein enormes Audioangebot
als Podcast oder zum Download, da kommt es meines Erachtens nicht darauf
an, ob bestimmte Beiträge auch noch zeitversetzt gehört werden können. Wie
man auch auf dem Radiocamp sehen konnte, gibt es viele Ansätze, die das
lineare Radioprogramm noch attraktiver machen. Angefangen vom
User-generierten Programm über laut.fm oder der Möglichkeit, die Mikrofone
für Sportübertragungen oder andere Wortprogramme zu öffnen wie bei
1000Mikes. Ich bin davon überzeugt, dass das Radio auch interessante
visuelle Zusatzangebote entwickeln wird. Es wird nicht nur eine Diashow
sein, es wird auch kein Fernsehen sein, aber der auf vielen Empfangsgeräten
vorhandene Bildschirm wird bestimmt attraktiv genutzt werden können.
Digitalmagazin: Web-Radios sprießen wie Pilze aus dem Boden. Portale
im Netz bündeln bereits das Angebot, um dem Hörer die Suche nach dem
richtigen Sender zu erleichtern. Wie wird sich der Markt bei dieser
steigenden Masse an Radiosendern entwickeln?
Sutor: Der Markt wird von einem Nebeneinander der
unterschiedlichsten Angebote geprägt sein. Die großen massenattraktiven
Privatradioprogramme von Antenne Bayern bis zu den vielen Lokalradios, aber
auch die öffentlich-rechtlichen Programme spielen weiterhin eine gewichtige
Rolle. Voraussichtlich werden sich einige der Internetradios durch ihr
besonderes Programmangebot abheben. Ich denke da beispielsweise an
Programme wie 90elf oder etwa ByteFM. Aber dennoch wird es für die
Internetradios sehr schwer, sich trotz der langsam steigenden Hörerschaft
zu refinanzieren. Bisher gibt es nur das Geschäftsmodell der Werbung und
dafür sind die Reichweiten noch relativ gering. Viele Webradios wird es
auch weiterhin nur auf der Grundlage des enormen Enthusiasmus der Macher
geben, und aus der Masse hervorstechen werden nur die Programme, die ein
besonderes Programm auch mit geeigneten Marketingmaßnahmen bekannt machen
können.
Digitalmagazin: Internetradios schaffen Zugang zu den Web-Radios,
ohne dass man über einen PC verfügen muss. Welche Marktchancen räumen Sie
diesen Geräten langfristig ein?
Sutor: Ich glaube, dass langfristig in jedem Haushalt ein
PC-unabhängiges Internetradio oder mehrere stehen werden. Mit der guten
Verbreitung von breitbandigem Internet sind die Voraussetzungen geschaffen,
dass mit solchen Radiogeräten problemlos tausende von Radiostationen
empfangen werden können. Und warum soll jemand auf eine solche Vielfalt
verzichten, wenn bei einem Anschaffungspreis um die 100 Euro das Hören von
Internetradio so einfach ist wie Radio seit jeher: einschalten, Programm
auswählen, hören. Die Geräteindustrie wäre auch gut beraten,
Internetradioempfangsmodule in alle Homemediengeräte zu integrieren, weil
es wird einfach ganz normal sein, auf Internetradioprogramme
zuzugreifen.
Digitalmagazin: Herr Sutor, wir danken Ihnen für das
Gespräch.
www.radiocamp2009.de
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