Medien
DFL-Chef Rauball: „Bin felsenfest davon überzeugt, dass Premiere seine Verpflichtungen erfüllen kann“
27.02.2009
Der wichtigste Medien-Partner der Deutschen Fußball Liga (DFL) schreibt
Millionen-Verluste. Auf rund 270 Millionen Euro hat sich das Minus des Pay
TV-Senders Premiere im Jahr 2008 erhöht. „Das ist eine ganze Menge“,
kommentierte Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes, die Zahlen.
Diese waren den verärgerten Aktionären des angeschlagenen Bezahlsenders auf
einer turbulenten Hauptversammlung am 27. Februar in München präsentiert
worden. Eine Kapitalerhöhung über 412 Millionen Euro, für die sich der
Vorstandschef Mark Williams vehement eingesetzt hatte, soll den
Bundesliga-Sender in eine bessere Zukunft führen und die Zahlungen an die
DFL sichern.
„Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Premiere seine Verpflichtungen
erfüllen kann. Großaktionär Rupert Murdoch hat in Williams einen Experten
eingesetzt, der bereits den italienischen Sender Sky Italia saniert hat“,
erklärte Rauball am Abend des 27. Februar bei einer Diskussion in
Barsinghausen. Der neue Premiere-Chef Williams hatte nach seiner
Amtsübernahme im Vorjahr die Kundenzahl des Pay-TV-Kanals um fast eine
Million nach unten korrigiert. Zum Jahresende 2008 registrierte der Sender,
der seit mehreren Jahren alle 306 Bundesliga-Partien live überträgt, rund
2,4 Millionen Abonnenten. Um Gewinn zu machen, wären aber mindestens drei
Millionen nötig.
Kurz vor Weihnachten stand Premiere sogar vor der Pleite. Es wäre nach
der Kirch-Krise 2002, dem missglückten Arena-Experiment und der 2008 wegen
des Kartellamts-Einspruch gescheiterten Zusammenarbeit mit der
Kirch-Tochter Sirius bereits der vierte Schiffbruch gewesen, den die DFL
mit ihren Fernsehpartnern erlitten hätte. Die Gefahr ist noch nicht
gebannt. Auch nach 18 Jahren hat sich das Pay-TV in Deutschland trotz
attraktiver Fußball-Angebote wie die komplette Bundesliga und die Champions
League nicht durchgesetzt. Mehr als 30 Free TV-Sender, die über Antenne und
Kabel zu empfangen sind, bilden eine Konkurrenz, die es in anderen
europäischen Ländern nicht gibt.
Für die kommende Saison 2009/2010 erwartet die DFL aus der Vermarktung
der nationalen TV-Rechte 386 Millionen Euro. Den größten Anteil soll
Premiere mit rund 225 Millionen Euro beisteuern.
Premiere-Chef Williams will seinen Sanierungskurs mit neuen Kanälen,
einer übersichtlicheren Preisstruktur und einer Werbeoffensive fortsetzen.
Auch der neue Bundesliga-Spielplan mit dem Samstag-Spiel um 18.30 Uhr und
der viel diskutierten Sonntag-Partie um 15.30 Uhr soll mehr Kunden
anlocken. „Hätten wir dem Pay-TV nicht mehr Exklusivität gegeben, hätte es
ein Fiasko für Profis und Amateure gegeben“, verteidigte Rauball das vor
allem vom Amateur-Bereich kritisierte Sonntag-Spiel.
Einen Weg zurück sieht er nicht. Auch Ausgleichszahlungen für
Amateurclubs, die DFB-Präsident Theo Zwanziger nicht ausschloss, lehnte der
Präsident von Borussia Dortmund strikt ab. „Das kann die Liga nicht stemmen.
Wir haben 20 Millionen Euro weniger als bisher.
Ich empfehle den anderen 35 Proficlubs Benefizspiele. Wir treten gegen
eine Dortmunder Amateurauswahl an. Es darf aber nicht gestreikt werden“,
argumentierte Rauball. Nach seinen Angaben finden nur 36 Prozent aller
Amateurspiele sonntags Nachmittag statt. „Hurra hat keiner geschrien, aber
die Beeinträchtigung treibt die Amateure nicht in den Ruin“, sagte Karl
Rothmund, Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes.
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