Radio-Info
Aktuell: VPRT erteilt DABplus eine Absage
26.06.2009
Die Mitglieder des Privatsenderverbands VPRT haben sich auf einer
außerordentlichen Versammlung des Fachbereichs Radio und Audiodienste am
25. Juni einstimmig gegen einen Neustart des digital-terrestrischen
Hörfunks (DABplus) im Herbst 2009 ausgesprochen. In dem Beschluss des VPRT
heißt es, das System DABplus und die Systemeigenschaften seien „nicht
marktgetrieben“. Die erheblichen Einführungs- und Betriebskosten könnten
von den privaten Radiounternehmen nicht aufgebracht werden – vor allem vor
dem Hintergrund der Wirtschaftskrise bleibe „erst recht keine Luft für
derartige Risikoinvestitionen“, hieß es in der Mitteilung des VPRT. Die
Mitglieder des Verbandes sehen daher „zum gegenwärtigen Zeitpunkt in
DABplus keine wirtschaftlich tragfähige Zukunft“. Selbst bei maßgeblicher
Förderung des Systems durch öffentliche Gelder und unter regulatorischem
Druck bestünden mindestens für die nächsten fünf bis zehn Jahre nur geringe
Chancen auf eine Teil-Refinanzierung aus dem Markt, teilte der Verband
weiter mit. Die Verbandsmitglieder sehen es als notwendig an, „die
wertvollen Frequenzen des Bandes III für digitale Entwicklungsperspektiven“
zu sichern.
DLM-Hörfunkbeauftragter bedauert Entscheidung
Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und
Hörfunkbeauftragter der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten
(DLM), bedauerte die Absage des VPRT an den Neustart des Digitalradios.
„Ich anerkenne, dass sich im VPRT die Position, aktiv gegen eine Einführung
von DABplus-Angeboten zu kämpfen, nicht durchgesetzt hat. Ungeachtet dessen
bedauere ich die gestrige Beschlussfassung innerhalb des VPRT. Sie steht in
erkennbarem Widerspruch zu dem Bekenntnis sämtlicher Länder zu einer
Digitalisierung des Hörfunks über DABplus-Angebote sowie zu der gemeinsamen
Pressemitteilung von ADAC, ARD, APR, Deutschlandradio, Media Broadcast, VDA
und ZVEI zur digitalen Zukunft des Radios vom 22. Juni 2009. Die Positionen
jener Pressemitteilung mache ich mir ausdrücklich zu Eigen“, sagte Bauer am
26. Juni. Er werde die KEF bitten, alsbald über die Freigabe der seitens
der ARD und des Deutschlandradios für deren Projektanträge vorgesehenen
Mittel im Interesse der Einführung von Digitalradio in Deutschland zu
entscheiden. „In diesem Zusammenhang sollte seitens der KEF auf das
Erfordernis eines Einvernehmens mit den privaten Hörfunkanbietern vor der
Mittelfreigabe verzichtet werden. Ein solches Einvernehmen lässt sich
bereits mit Blick auf die unterschiedlichen Positionen von APR und VPRT zur
Einführung von DABplus erkennbar nicht erzielen“, so Bauer weiter.
Gemeinsame Erklärung: Keine Alternative zu DABplus
Am 22. Juni haben ADAC, ARD, die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk
(APR), Deutschlandradio, der Sendernetzbetreiber Media Broadcast sowie die
beiden Industrieverbände VDA und ZVEI in einer gemeinsamen Mitteilung
erklärt, dass sie weiter auf eine Digitalisierung des terrestrischen
Hörfunks „DABplus“ hinarbeiten. Die sieben Organisationen repräsentieren
die Netz-, Endgeräte- und Programmanbieter sowie 17 Millionen automobile
Radionutzer. Sie stellen damit klar, dass es aus ihrer Sicht im Radiomarkt
zur schrittweisen Umstellung des heutigen terrestrischen analogen Hörfunks
auf digitalen Hörfunk keine naheliegende zukunftsfähige Alternative gibt
(Digitalmagazin
berichtete).
Die Rundfunkkommission der Länder hat auf ihrer Sitzung am 25. März
dieses Jahres grünes Licht für einen bundesweiten Multiplex für DAB plus
gegeben. Der Multiplex sollte – so eine Verständigung zwischen den
Beteiligten - zu einem Drittel von Deutschlandradio und zu zwei Dritteln
von bundesweiten privaten Hörfunkveranstaltern benutzt werden.
www.vprt.de
www.lmsaar.de
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