Programm
Tele 5 setzt auf APS als Playout-Dienstleister – HDTV-Start in zwei bis drei Jahren – Gespräche mit HD Plus
Digitalmagazin im Gespräch mit Christof Wegenast, Stellvertretender Geschäftsführer Tele 5
06.10.2009
Der Münchner Privatsender Tele 5 hat sich für die SES Astra-Tochter
APS als Dienstleister für die komplette Sendeabwicklung entschieden.
Signalaufbereitung und Uplink des digitalen Satellitensignals von Tele 5
liegen bereits seit 2002 bei APS, nun kommen die digitale Archivierung
sowie das Playout sämtlicher Tele 5-Inhalte hinzu. Christof Wegenast,
Stellvertretender Geschäftsführer Tele 5, geht unterdessen davon aus, dass
der Sender in zwei bis drei Jahren einen HD-Ableger starten wird. „Wir
stehen aktuell im Gespräch mit der Astra-Tochter HD Plus hinsichtlich
möglicher Zukunftsszenarien“, sagt Wegenast im
Digitalmagazin-Interview.
Digitalmagazin: Warum haben Sie sich langfristig für APS als
Playout-Dienstleister entschieden?
Wegenast: Die Ausschreibung ist ursprünglich an sieben
Dienstleister verschickt worden. Die Entscheidung für APS lag letztendlich
an dem präsentierten technischen Konzept, der Flexibilität hinsichtlich
unserer Anforderungen, einem fairen Preis für die Gesamtlösung und der
Tatsache, dass bei APS die Sendeabwicklung eine wesentliche Kernkompetenz
ist. Auch hat uns die Professionalität des APS-Projektteams überzeugt. Wir
glauben, dass APS von seiner Struktur und seinen Kunden gut zu uns passt.
Großer Wert wurde auch auf die Sendesicherheit mit größtmöglichen
Redundanzen für mögliche technische Störfälle gelegt. So wird z. B. das
Backup-Archiv in räumlich getrennten Gebäuden untergebracht sein. Mit APS
sind wir in den nächsten fünf Jahren auf dem neuesten Stand der
Sendetechnik und APS verfügt darüber hinaus bereits über große Erfahrung
bei HD und Digitalisierungsprojekten. Durch die Einbindung in die SES
Astra-Gruppe haben wir mit APS einen starken und zukunftsorientierten
Dienstleistungspartner und es ergeben sich weitere Möglichkeiten der
Zusammenarbeit.
Digitalmagazin: Sämtliche internen Prozesse für Produktion und
Programmabläufe werden ab April 2010 filebasiert und bandlos erfolgen.
Welche Vorteile erhoffen Sie sich davon?
Wegenast: Wir gehen davon aus, dass wir für das neue digitale
Archiv nicht wesentlich mehr bezahlen, als im Vergleich zu unserem
bisherigen Bandarchiv. Und hier haben wir nur die direkten Kosten
eingerechnet. Unsere On-Air- und Produktionsdienstleister werden über
Datenleitungen zukünftig an das APS-Archiv angebunden und können direkt auf
das Material zugreifen. Des Weiteren haben auch alle Mitarbeiter bei Tele 5
Zugriff auf das Archiv in einer Low-Res-Auflösung, so dass z. B. die
Unterhaltungsredaktion und der Jugendschutz am Arbeitsplatz ihre Schnitte
markieren können. Anschließend wird der Materialtransfer vom Archiv zum
externen digitalen Schnittplatz angestoßen und der Editor erhält
gleichzeitig die automatisch generierte Schnittliste. Wir gehen von einer
deutlich höheren Schnelligkeit unserer Prozesse aus, da nach dem Ingest
(Einspielen von Bild- und Tonmaterial auf den Server, d.R.) alle
Beteiligten zeitgleich auf die Files zugreifen können. Bisher musste für
jeden einzelnen Bearbeiter ein Band gezogen werden. Wir haben auch
wesentlich weniger Aufwand bei der Bandkontrolle, da das File seine
Qualität erhält und langfristig in unserem Bestand für eine mögliche
Wiederverwendung bleibt. Des Weiteren erhöhen sich die redaktionellen
Nutzungsmöglichkeiten durch die elektronische Verschlagwortung von
Beiträgen und Szenen. Wir werden mittelfristig von unserem Gesellschafter
und Lizenzgeber Tele München neues Lizenzmaterial per Filetransfer
erhalten. Das gleiche gilt für die angelieferten Werbespots. Die
Entwicklung geht hier sehr schnell voran.
Digitalmagazin: Bis dahin werden Sie Schritt für Schritt das
bestehende Bandarchiv von mehreren tausend Stunden Sendematerial
digitalisieren. Welche Herausforderungen sind dabei zu meistern?
Wegenast: Die größte Herausforderung wird in der Gestaltung von
neuen Workflows liegen, denn die Digitalisierung erfordert und ermöglicht
eine ganz andere Ablauforganisation, die unsere Schnelligkeit und unsere
redaktionellen Möglichkeiten deutlich erhöhen soll. Wir werden einen hohen
Aufwand für die elektronische Verschlagwortung unseres Archivs betreiben,
um das Potenzial optimal auszunutzen. Des Weiteren müssen die beteiligten
Mitarbeiter natürlich bezüglich der neuen Systeme und Abläufe geschult
werden. In der Anfangszeit werden wir einen erhöhten Dispositionsaufwand
hinsichtlich der Bänder haben, aber durch den Multifeed-Ingest über die
APS-Taperoboter lässt sich das zeitlich gut bewerkstelligen. Wir haben mit
der Ausschreibung unseres Projekts sehr früh begonnen, so dass wir bis zum
Produktivstart am 1. April 2010 ausreichend Zeit für alle Aufgaben haben.
APS hat bei diesen Themen auch umfangreiche Managementerfahrung, so dass
wir den Herausforderungen ganz entspannt entgegensehen.
Digitalmagazin: Inwiefern erwägen Sie nun, die Bitrate von Tele 5
weiter zu erhöhen?
Wegenast: Wir arbeiten aktuell mit einer Bitrate von ca. 4,85 MB
mit der Qualitätsstufe 4 auf dem Satelliten, was bereits die höchstmögliche
Qualität für eine SD-Ausstrahlung darstellt. Da APS neben der
Sendeabwicklung aber nun auch den analogen Satellitenuplink übernimmt,
erreichen wir eine bessere Bildqualität für den Fernsehzuschauer, da
weniger Encodingprozesse auf den Sende- und Leitungswegen anfallen, die
bisher teilweise zu Qualitätsverlusten geführt haben. Des Weiteren werden
die Beiträge zukünftig in einer höheren Bitrate auf dem Senderserver
abgelegt, so dass das Ausgangssignal bereits eine höhere Qualität hat.
Digitalmagazin: Ein Ausblick: Welche Pläne verfolgen Sie beim
hochauflösenden Fernsehen (HDTV), wann dürfen die Zuschauer mit einem
Sender „Tele 5 HD“ rechnen?
Wegenast: Wir haben die Option, zu einem beliebigen Zeitpunkt auf
HD umzustellen. Des Weiteren haben wir mit der neuen Sendabwicklung die
Möglichkeit, parallel in SD und HD auszustrahlen. Wir sind also technisch
auf dem Stand, um sofort loszulegen. Allerdings gehen wir realistisch von
einem Start erst in zwei bis drei Jahren aus, da dann genug HD-Material zur
Verfügung stehen dürfte und sich bis dahin hoffentlich auch ein
einheitlicher HD-Standard durchgesetzt hat. Wir stehen aber aktuell im
Gespräch mit der Astra-Tochter HD Plus hinsichtlich möglicher
Zukunftsszenarien. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang jedoch,
dass für einen HD-Sender wieder teure Satellitenkapazitäten gekauft werden
müssen, ohne dass sich hierdurch zusätzliche Werbeerlöse generieren lassen.
Von seiner Programmstruktur ist Tele 5 eigentlich der ideale HD-Sender, denn
Spielfilme profitieren unseres Erachtens am meisten von der besseren
Bildqualität. Bei Talkshows, Gerichtssendungen, Telenovelas oder Kochshows
sehen wir dagegen keine echten Vorteile von HD für den Zuschauer.
Digitalmagazin: Herr Wegenast, vielen Dank für das Gespräch.
www.tele5.de
Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen
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