Satellit
Galileo versus Beidou: EU und China streiten über Frequenzen für Satellitennavigation
27.01.2010
Zwischen der EU und China ist ein Streit um Funkfrequenzen entbrannt. Am
17. Januar hat China den dritten Satelliten für das „Kompass“ (Beidou)
genannte Navigationssystem erfolgreich in den Orbit befördert. Damit gerät
das europäische „Galileo“-Projekt in einen empfindlichen Rückstand: Der
Vertrag für den Bau der ersten 14 Orbiter für das Galileo-Satellitensystem
ist erst am 26. Januar zwischen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und
der Bremer OHB-System AG unterzeichnet worden. Demnach sollen die ersten
beiden Satelliten 2012 vom Raketenbetreiber Arianespace ins All geschossen
werden. Europa und China wollen sich mit ihren jeweils eigenen
Satellitennavigationssystemen unabhängig vom GPS- (Global Positioning
System) System der Amerikaner machen. Für die beiden in Konkurrenz
stehenden Systeme wurde die gleiche Frequenz reserviert – wer sie zuerst
besetzt, dem gehört das Funkband.
Den Betrieb soll Galileo 2014 aufnehmen. Nach derzeitigem Stand soll das
europäische Satellitennavigationssystem rund 3,4 Milliarden Euro kosten. Wie
die Zeitung „Die Welt“ am 22. Januar berichtete, sollte Galileo ursprünglich
deutlich früher in Betrieb gehen. Zu diesem Zweck habe Europa bereits Anfang
des Jahrzehnts mit den Planungen für ein eigenes Satellitennavigationsnetz
begonnen. Zum Starttermin im Jahr 2008 sollte ein System aus 30 Trabanten
privaten Nutzern eine auf vier Meter genaue, kostenfreie Bestimmung der
Position ermöglichen, heißt es in dem Bericht.
Das europäische Galileo-Projekt verzögerte sich in den vergangenen
Jahren immer wieder. Im Juli 2008 musste die EU-Kommission das
milliardenschwere Satellitennavigationssystem neu ausschreiben, da sich die
Mitglieder des zunächst für den Galileo-Aufbau vorgesehenen Konsortiums ESN
Industries (früher Galileo Industries) zerstritten und sich mit der
EU-Kommission bzw. den EU-Verkehrsministern überworfen hatten (DM
berichtete). Darüber hinaus gab es immer wieder Streit um die
Finanzierung.
Mit dem GPS-System sei es zwischenzeitlich möglich, für Privatanwender
kostenfreie Positionsbestimmungen bis auf zehn Meter genau horizontal und
35 Meter vertikal durchzuführen, schreibt „Die Welt“ weiter. Mit der
Einführung von Galileo und Beidou ließe sich die jahrzehntelange
Quasi-Monopolstellung des US-Systems nun aufbrechen.
Der Streit um die Frequenzen fußt auf dem militärischen
Anwendungsbereich der Navigationssatelliten, in dem die Orbiter eine
bedeutende Rolle spielen. Im Erstfall können die Satelliten eines Gegners
ausgeschaltet werden. Würden nun die EU und China die Trabanten im selben
Funkband und mit derselben Modulation betreiben und in einem zu geringen
Abstand zueinander platzieren, könnten sich die Signale signifikant stören.
Ebenso wären bei einer Störung der Frequenzen durch Dritte sowohl Europa als
auch China betroffen.
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