Digital-TV
58 Prozent der Österreicher empfangen digitales Fernsehen – Digitalisierungsbericht 2009 vorgelegt
28.01.2010
58 Prozent der österreichischen TV-Haushalte waren Ende Oktober 2009
digitalisiert. Zu diesem Befund kommen die Kommunikationsbehörde
KommAustria und die Regulierungsbehörde RTR im Digitalisierungsbericht
2009. Das entspricht einer Zunahme von 11 Prozentpunkten gegenüber Juni
2008. Besonders beliebt bei den Österreichern ist dabei digitaler
Satellitenempfang, fast jeder zweite Haushalt verwendet diese
Übertragungstechnik am primär genutzten TV-Gerät. Das sind
rund doppelt so viele Haushalte wie noch vor drei Jahren. Digitales
Antennenfernsehen hat hingegen vor allem auf Zweit- und Drittgeräten
hohe Bedeutung, wie Michael Ogris, Leiter der KommAustria, und Alfred
Grinschgl, RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Rundfunk,
aus der Divergenz zwischen Teletest-Daten und der Anzahl der verkauften
Set-Top-Boxen schließen. Insgesamt werde, bei rückläufiger
Tendenz, nur noch in sechs Prozent der TV-Haushalte Fernsehen
ausschließlich über Antenne empfangen, und zwar in vier Prozent
digital und in zwei Prozent analog.
Beim Fernsehempfang über Antenne und über Satellit spiele die
analoge Übertragungstechnik kaum noch eine Rolle, berichten die
Experten. Sie rechnen mit einer Abschaltung der letzten analogen Signale im
terrestrischen Bereich in der ersten Jahreshälfte 2011, im Jahr 2012
könnte, was die wichtigsten deutschsprachigen Sender betrifft, der
Satellitenbereich folgen. Davon unabhängig schreitet der
Sendenetzausbau für digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) weiter
voran. 93 Prozent der TV-Haushalte konnten mit Stand Oktober 2009, rein
technisch gesehen, digitales Antennen-TV empfangen und hatten damit
zumindest Zugang zu ORF1, ORF2 und ATV. Im Endausbau Mitte 2011 sollte die
technische Reichweite des so genannten „Multiplex A“ 96 Prozent
der TV-Haushalte umfassen. Daneben werden die Österreicher in den
städtischen Ballungsräumen mit weiteren vier TV-Sendern (3 Sat,
ORF Sport Plus, Puls 4 und Servus TV) via Antenne versorgt, hier
beträgt die technische Reichweite 77 Prozent. In 16 Regionen wurden
mittlerweile außerdem lokal ausgerichtete Fernsehprogramme
zugelassen, die über DVB-T ausgestrahlt werden.
Digitalisierung im Kabelbereich hinkt nach
Dass mehr als 40 Prozent der TV-Haushalte noch über keinen
digitalen Fernsehempfang verfügen, liegt vor allem an der hohen Anzahl
von TV-Haushalten mit analogem Kabel-TV. Zwar befindet sich die
Digitaltechnik dank Endgeräteförderung und der spürbaren
Zunahme von IPTV-Anschlüssen auch beim Kabelfernsehen auf dem
Vormarsch, hat sich aber noch nicht wirklich durchsetzen können. Mit
Ende Oktober 2009 waren erst zwölf Prozent aller
„klassischen“ Kabelhaushalte digitalisiert, dazu kamen weitere
rund 80.000 Kunden der Telekom Austria, die IPTV (Fernsehen auf Basis des
Internet Protocol) empfingen. Um TV-Haushalte zu animieren, von analogem
Empfang auf digitales Kabelfernsehen umzusteigen, läuft derzeit eine
Förderaktion für HDTV-fähige Kabel-Receiver.
In Satelliten-Haushalten nimmt der Empfang hochauflösender
Fernsehbilder (HDTV) bereits merkbar zu. Zuletzt waren schon 23 Prozent
aller in Österreich verkauften Satelliten-Receiver HDTV-fähig. Zu
dieser Entwicklung trug nicht zuletzt das immer größer werdende
deutschsprachige Angebot an Satellitenprogrammen in HDTV-Qualität bei,
wobei ORF 1 HD und Arte HD eine Pionierrolle einnahmen.
Wie erfolgreich ist Handy-TV?
Keine offiziellen Daten liegen über den Markterfolg des im Juni
2008 in allen Landeshauptstädten eingeführten digitalen
Rundfunkangebots für mobile Kleinempfänger (Handy-TV) vor.
Inoffizielle Schätzungen gehen laut Digitalisierungsbericht allerdings
von lediglich 20.000 bis 30.000 Kunden aus. Zwar ist das verfügbare
Angebot überaus groß – zu empfangen sind elf
TV-Vollprogramme, vier speziell für die mobile Nutzung gestaltete
Fernsehprogramme und fünf Radioprogramme –, als schwer wiegendes
Hindernis wirkt aber offenbar die fehlende Vielfalt geeigneter
Empfangsgeräte. Eine Änderung der Situation werde sich wohl erst
erreichen lassen, wenn deutlich größere Märkte wie
Deutschland oder Frankreich Handy-TV via DVB-H-Standard anbieten,
heißt es im Bericht. Technisch gesehen könnten 53 Prozent der
österreichischen Bevölkerung mit Handy-TV versorgt werden.
Konsumenten müssen weiter auf digitales Hörfunkprogramm
warten
Wenig Fortschritte gab es auch in Bezug auf die Digitalisierung des
Hörfunks. Die Radiosender zeigen laut Bericht nach wie vor kein
Interesse daran, die hohen Kosten für eine Digitalisierung in diesem
Bereich zu übernehmen, die ihnen voraussichtlich deutlich mehr
Konkurrenz bescheren würde. Konkret in Planung sind lediglich die
Einrichtung einer „Interessengemeinschaft Digitaler
Hörfunk“ und die vorsorgliche Aufnahme von gesetzlichen
Bestimmungen in das Privatradiogesetz. Digital verfügbar sind derzeit
nur jene fünf Radioprogramme, die via Handy empfangen werden
können. Sie werden allerdings, mit Ausnahme von Ö3, alle
verschlüsselt ausgestrahlt. Nur Ö3 ist zu bestimmten Tageszeiten
im Fernseh-Multiplex B im Wechsel mit dem TV-Angebot ORF Sport plus digital
frei empfangbar.
Als Vorteile von digitalem Hörfunk führt der Bericht
insbesondere mehr Programm- und Meinungsvielfalt durch eine effizientere
Nutzung des Frequenzspektrums an. So könnten etwa Spartenprogramme und
Zusatzdienste, auch optische, angeboten werden. Gleichzeitig wird allerdings
auf den nicht abschätzbaren Finanzaufwand und die bisher erfolglos
verlaufenden, kostenintensiven Bemühungen in Deutschland verwiesen.
Kaum kalkulierbare Faktoren sind dem Bericht zufolge etwa die Bereitschaft
der Konsumenten, neue Empfangsgeräte zu erwerben, und die davon
abhängige Dauer der notwendigen parallelen Ausstrahlung von analogem
und digitalem Hörfunk. Für den Aufbau eines eigenständigen
digitalen Hörfunksendernetzes mit großflächiger
Programmverbreitung kommt dem Bericht zufolge der Übertragungsstandard
DAB+ in Frage, für Programmanbieter mit lokaler Ausrichtung könnte
sich hingegen der Standard DRM+ als besonders geeignet erweisen.
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