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Bewegte Web-Inhalte werden immer attraktiver – Bis Jahresende rund 1,2 Millionen hybride Endgeräte in deutschen TV-Haushalten

Digitalmagazin im Gespräch mit Jürgen Sewczyk, Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Hybride Endgeräte“ bei der Deutschen TV-Plattform

02.02.2010

Bewegte Bilder aus dem Web werden immer attraktiver: „Von 2008 auf 2009 gab es eine Verdoppelung der Video-Abrufe aus dem Internet“, erläutert Jürgen Sewczyk, Leiter der Arbeitsgruppe „Hybride Endgeräte“ bei der Deutschen TV-Plattform. Diesem Trend trägt die Industrie mit der Entwicklung neuer hybrider – also DVB- und IP-fähiger – Fernseher und Set-Top-Boxen Rechnung. 2009 waren bereits rund 600.000 dieser Modelle im Markt, 2010 könnte sich diese Zahl verdoppeln, prognostiziert Sewczyk im Digitalmagazin-Interview.

Digitalmagazin: Herr Sewczyk, 2010 könnte das Jahr der hybriden Endgeräte werden – also der Kombination von DVB- und IP-Welt. Warum scheint die Zeit reif dafür?

Sewczyk: Das Besondere bei der jetzigen Entwicklung ist, dass es nicht mehr um PC kontra TV-Gerät und umgekehrt geht, sondern dass die Web- und die Fernsehwelt auf einem Bildschirm stattfinden, der im Wohnzimmer steht. Die Technologie zur Darstellung von Internet-Inhalten über den Fernsehbildschirm ist in vielen modernen TV-Geräten durch die verwendeten Chip-Sets mit eingebaut – es entstehen also kaum Mehrkosten. So können die TV-Sender, aber auch alle anderen Inhalteanbieter, ihre Internet-Auftritte mit einfachen Mitteln für den Fernsehbildschirm aufbereiten und über dessen Breitbandanbindung online zur Verfügung stellen.

Digitalmagazin: Welche Vorteile bringen die hybriden Endgeräte dem Zuschauer?

Sewczyk: Einerseits verlangt der Zuschauer immer mehr, Internet-Inhalte nicht nur am PC, sondern auch mit Familie und Freunden im Wohnzimmer am Fernseher anzuschauen. Andererseits sind Bewegtbildinhalte im Web immer attraktiver: Von 2008 auf 2009 gab es eine Verdoppelung der Video-Abrufe aus dem Internet. Mit den hybriden Endgeräten – entweder Flachbildschirmen oder Zusatzboxen – ist das nun problemlos möglich.

Aber auch die klassischen Fernsehzuschauer, die nicht web-affin sind, haben einen konkreten Mehrwert mit hybriden Endgeräten: Der 30 Jahre alte Teletext kann in ganz neuer Form mit neuen Möglichkeiten angeboten werden. Denn: Wer will noch länger Texttafeln mit Klötzchengrafik ohne Bilder und Video? Und nebenbei wird mit Hybrid das Endgerät auch noch interaktiv, denn der Rückkanal ist durch die Breitbandanbindung gleich mit drin.

Digitalmagazin: In Hinblick auf die Nutzung hybrider Geräte existieren durchaus unterschiedliche Interessenslagen. Die Sender wollen keine Veränderungen an ihren Signalen und einen strengen Kopierschutz, die Hersteller befürworten dagegen größere Freiheitsgrade. Wie ist dieser Konflikt zu lösen?

Sewczyk: Was Sie beschreiben ist Teil einer neuen Realität bei dieser hybriden Medientechnik, wo zwei unterschiedliche Marktsegmente – also Fernsehen und Internet – mit verschiedenen Angeboten und Geschäftsmodellen in einem Endgerät aufeinandertreffen. Die Frage kann nicht mehr lauten „Wem gehört der Bildschirm?“, sondern „Was wird auf welche Weise auf einem Bildschirm dargestellt?“ – und zwar unter Schutz der Rechte der jeweiligen Inhalteanbieter und der Interessen der Endgerätehersteller. Das Ganze muss auch auf einfache Art und Weise erfolgen, die Kunden sollten das Recht zur Auswahl haben und zugleich darf für Gerätehersteller kein unvertretbar hoher Aufwand entstehen.

Die Debatte darüber findet seit Monaten intensiv bei der Deutschen TV-Plattform statt. In konstruktiven Gesprächen werden dabei nicht nur Argumente ausgetauscht, sondern es gibt eine Annäherung der jeweiligen Standpunkte. Diesen Diskussionsprozess werden wir in den nächsten Wochen noch vertiefen, um auch zu allseits akzeptablen Ergebnissen zu kommen.

Digitalmagazin: In welchen weiteren Bereichen sehen Sie Lösungsbedarf?

Sewczyk: Es gibt eine Reihe von Aufgaben, um die Hybrid-Nutzung im Medienalltag fest zu etablieren. Das fängt an mit einer einheitlichen Taste an der Fernbedienung zum Einstieg in die Web-Welt, reicht über ein einheitliches Konzept für den Aufruf von Applikationen vergleichbar den Teletext-Tasten und endet bei der Reduktion auf wenige Basis-Technologien für Hybrid sowie eine möglichst breiten Basis für Standard-Technologien, die in allen Geräten funktionieren.

Bei aller Vereinheitlichung ist aber auch klar: Jeder Hersteller kann seine Ein- und Ausstiegstaste für die Web-Welt anders nennen, nur die aufgerufene Funktion sollte gleich sein. Ähnliches gilt zum Beispiel für die gewohnten Farbtasten oder andere grundlegende Umschaltelemente an der Fernbedienung.

Digitalmagazin: Welche Rolle nimmt die TV-Plattform mit ihrer Arbeitsgruppe „Hybride Endgeräte“ in dieser Diskussion ein?

Sewczyk: Die AG wurde letztes Jahr genau mit dem Ziel gegründet, das junge Marktsegment Hybrid zu befördern – zum Nutzen für Konsumenten, Hersteller und Inhalteanbieter gleichermaßen. Wir diskutieren ausführlich die erwähnten Fragen unter aktiver Teilnahme aller interessierten Seiten und werden versuchen, ein Papier mit den entsprechenden Ergebnissen bis zu IFA 2010 vorzulegen.

Digitalmagazin: Ein Ausblick: Welchen Marktanteil prognostizieren Sie für die hybriden Endgeräte bis Jahresende?

Sewczyk: Wir hatten in 2009 ca. 600.000 hybride Endgeräte im Markt. Ich rechne in 2010 mit mindestens einer Verdopplung in Deutschland. Auch die GfK Retail and Technology GmbH rechnet aufgrund ihrer kontinuierlichen Handelsbeobachtung bis Ende des Jahres mit 1,2 bis 1,4 Millionen hybriden Endgeräte in deutschen Haushalten, was etwa 15 Prozent Marktanteil entspricht.

Digitalmagazin: Herr Sewczyk, vielen Dank für das Gespräch.

www.tv-plattform.de

Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst „Digitalmagazin“.

Alle Informationen zu Abonnements und Preisen finden Sie unter www.digitalmagazin.info. 

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