Digital-TV
94 Prozent aller Sat-Haushalte in Österreich digitalisiert – Kabelquote bei nur zwölf Prozent
Digitalmagazin im Gespräch mit Alfred Grinschgl, Geschäftsführer für den Fachbereich Rundfunk bei der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH)
03.02.2010
Die Digitalisierung der österreichischen Fernseh-Haushalte geht
voran: „94 Prozent aller Sat-Haushalte in Österreich (entspricht
47 Prozent aller TV-Haushalte) waren Ende Oktober 2009 digitalisiert“,
sagt Alfred Grinschgl, Geschäftsführer für den Fachbereich
Rundfunk bei der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH). Er geht
zudem davon aus, dass die Terrestrik in der ersten Hälfte des Jahres
2011 zu 100 Prozent digitalisiert ist. Allein das Kabel hinkt hinterher:
Nur zwölf Prozent der klassischen Kabelhaushalte empfangen digitales
Fernsehen. Digitalmagazin sprach mit Alfred Grinschgl über die
Gründe.
Digitalmagazin: Herr Dr. Grinschgl, 58 Prozent der
österreichischen Haushalte empfangen digitales Fernsehen. Ist das
zufriedenstellend?
Grinschgl: 58 Prozent an digitalen Haushalten hatten wir bereits
Ende Oktober 2009. Inzwischen werden es wohl 60 Prozent sein. Diese Ziffer
ist für uns außerordentlich zufriedenstellend: Die Terrestrik
ist in einem Jahr komplett digitalisiert, auch im Satelliten-Empfang sind
wir demnächst bei einer 100-prozentigen Digitalisierung angelangt.
Dies obwohl wir vier Jahre nach der Bundesrepublik Deutschland mit der
terrestrischen Digitalisierung begonnen haben. Ein Vorteil für die
Digitalisierung des Satelliten war wohl auch, dass in früheren Jahren
viele hunderttausend Haushalte in Österreich die österreichischen
Programme, wie ORF und ATV, terrestrisch und analog empfangen haben,
zusätzlich gab es den Satelliten für deutsche und fremdsprachige
Programme. Mit der Abschaltung des analogen Fernsehens in der Terrestrik
ist die weitaus überwiegende Anzahl der Konsumenten gleich auf den
digitalen Satelliten-Empfang umgestiegen.
Digitalmagazin: Wie viele Sat-Zuschauer nutzen derzeit digitalen
Empfang, welche Bedeutung hat die Analogabschaltung spätestens im
April 2012 in Hinblick auf eine forcierte Digitalisierung?
Grinschgl: 94 Prozent aller Sat-Haushalte in Österreich
(entspricht 47 Prozent aller TV-Haushalte) waren Ende Oktober 2009
digitalisiert. Die Analogabschaltung von TV-Programmen (vor allem deutsche
Programme) am Satelliten hat praktisch keine Auswirkungen mehr auf
Österreich. Österreichische TV-Programme sind ohnehin nur digital
über Satellit empfangbar. Vielleicht verbleibt bis 2012 ein Prozent der
österreichischen TV-Haushalte, die dann noch den analogen
Satelliten-Empfang nutzen. Für diese verbleibenden Haushalte ist das
dann natürlich eine Forcierung zum Umstieg, wie gesagt in extrem
geringem Umfang.
Digitalmagazin: Weit fortgeschritten ist die Digitalisierung der
Terrestrik. Wann rechnen Sie mit dem Abschluss des Umstiegs?
Grinschgl: Die Digitalisierung des Antennenfernsehens treibt
maßgeblich der Lizenzinhaber für den Betrieb der landesweiten
Multiplexe A und B voran. Lizenzinhaber ist die Österreichische
Rundfunksender GesmbH & Co KG (ORS GmbH). Deren Plan sieht eine
Abschaltung des letzten analogen Signals für das Frühjahr 2011,
also in einem Jahr, vor. Es sieht alles danach aus, dass dieser Zeitplan
eingehalten wird und Österreich in der ersten Hälfte des Jahres
2011 in der Terrestrik 100-prozentig digitalisiert sein wird.
Digitalmagazin: Ähnlich wie in Deutschland hinkt auch in
Österreich das Kabel bei der Digitalisierung hinterher, nur zwölf
Prozent aller „klassischen“ Kabelhaushalte sind digitalisiert.
Woran liegt das?
Grinschgl: Anders als am Satelliten, hat der Kabelkunde immer
noch die Wahl, ob er österreichische Programme analog oder digital
empfangen will. Für den analogen Empfang sprechen aus Sicht vieler
Konsumenten vor allem zwei Faktoren. Erstens: Man muss kein
zusätzliches Empfangsgerät, also eine Set-Top-Box bzw. einen
digitalen Kabel-Receiver im Wohnzimmer aufstellen und zweitens hat man mit
dem analogen Programmbouquet bei den meisten Kabelanbietern schon eine
relativ hohe Vielfalt von rund 30 deutschsprachigen und ein paar
fremdsprachlichen Sendern. Das betrachten viele Haushalte als ausreichend
und ohne zusätzlichen Kabel-Receiver als komfortabel. Ich glaube aber,
dass im Laufe der nächsten Monate viele Konsumenten auch die Vorteile
eines digitalen Kabelempfangs klar erkennen werden: Zum einen gibt es auch
für die Konsumenten in unserem Land ein deutliches Mehr an digitalen
Programmen, sowohl aus Österreich wie aus dem gesamten deutschen
Sprachraum. Weiters bringt eine analoge TV-Übertragung auf einem
großen Flachbildschirm ein eher schlechtes Bild. Gerade HDTV bringt
eine wesentlich schärfere Optik und ist eben digital. Auch digitale
Video on Demand-Dienste (Film auf Abruf, d. Red.) werden einen Anreiz zum
Umstieg auf digitalen Kabelempfang darstellen.
Digitalmagazin: Wie ist eine schnelle Digitalisierung im Kabel zu
erreichen?
Grinschgl: Das ist eine schwierige Frage. Übrigens zeigen
dies auch Erfahrungen in allen anderen europäischen Ländern.
Zwangsumstellungen wären eine Möglichkeit, die will aber kein
Kabelanbieter seinen Kunden zumuten. Wir bemühen uns, seitens der
RTR-GmbH, mit Hilfe von staatlichen Förderungen
(Digitalisierungsfonds) seit einiger Zeit darum, den Umstiegsprozess in den
Kabelhaushalten zu unterstützen. Auf Antrag einer Reihe von
Kabelanbietern fördern wir die Anschaffung eines digitalen
Kabel-Receivers, wenn der Kunde von analog auf den digitalen Empfang
umsteigt. Hier ist für uns HDTV ein Treiber für die
Digitalisierung der Kabelnetze. Der ORF bietet seine beiden Programme in HD
an, immer mehr deutsche Sender tun dies auch und im Handel sind nur noch
HD-fähige Fernseh-Displays zu bekommen. Wer einen solchen
Flachbildschirm zuhause hat und HD-Fernsehen genießen möchte,
kommt um einen digitalen Anschluss nicht herum. Diese Entwicklung wird im
Kabel zunehmend ihre Wirkung zeigen.
Digitalmagazin: Wenig Forschritte gibt es auch in Bezug auf
die Digitalisierung des Hörfunks. Welchen Lösungsansatz schlagen
Sie vor?
Grinschgl: Natürlich sehe ich hier wenig Fortschritte
für die Digitalisierung, letztlich aber Vorteile für die
österreichischen Radiobetreiber, die allesamt jetzt kein digitales
Radio wollen, und vor allem in der Hinsicht, dass wir uns die Ausgabe von
vielen Millionen Euro für die Errichtung des digitalen Hörfunks
erspart haben. In Deutschland gibt es seit mehr oder minder zehn Jahren die
Verbreitung von digitalem Radio in der Technik DAB, lediglich ein paar
Promille der deutschen Radiohörer hören täglich ein
digitales Radio. Ich habe nur Ahnungen, wie viel Geld hier investiert
wurde. Wir sehen uns natürlich ganz genau die Entwicklung in anderen
Ländern in Europa an, insbesondere jene in Deutschland. Unser Vorteil
wird dann der sein, zum richtigen Zeitpunkt auch in unserem Land digitales
Radio einzuführen, aller Voraussicht nach in Form vom DAB+.
Digitalmagazin: Herr Dr. Grinschgl, vielen Dank für das
Gespräch.
www.rtr.at
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