Radio-Info
MDR sieht gute Aussichten für Digitalradio
Digitallmagazin im Gespräch mit Johann Michael Möller, Hörfunkdirektor des MDR
10.03.2010
Seit Anfang dieses Jahres sind die Sender MDR Info und MDR Sputnik in
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen digital-terrestrisch zu empfangen.
„Mit diesem Schritt wollen MDR, die Landesmedienanstalten und die
Medienpolitik in Mitteldeutschland gemeinsam den Übergangszeitraum bis zum
für 2011 geplanten Neustart von Digitalradio für die Hörer attraktiver
gestalten“, sagt MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller im Gespräch mit
Digitalmagazin.
Digitalmagazin: Herr Möller, der MDR hat zwei seiner Hörfunkprogramme
über DAB aufgeschaltet. Wann kommen die restlichen MDR-Sender?
Möller: Die Aufschaltung von MDR Info und MDR Sputnik in Sachsen,
Thüringen und Sachsen-Anhalt konnte auch deshalb Anfang 2010 geschehen, weil
der MDR im Einvernehmen mit allen drei Landesmedienanstalten für einen
Übergangszeitraum Frequenz-Kapazitäten nutzt, die später
Digitalradio-Programmen unserer privaten Mitbewerber vorbehalten sein
werden. Mit diesem Schritt wollen MDR, die Landesmedienanstalten und die
Medienpolitik in Mitteldeutschland gemeinsam den Übergangszeitraum bis zum
für 2011 geplanten Neustart von Digitalradio für die Hörer attraktiver
gestalten. Attraktiver einerseits durch zwei weitere Programme des MDR, die
bisher nicht digital-terrestrisch zu empfangen waren und vielfältiger
andererseits, weil jetzt zusammen mit dem MDR zum Beispiel in
Sachsen-Anhalt insgesamt elf DAB-Programme „in der Luft“ sind. In Sachsen
und Thüringen sind derzeit sieben bzw. sechs Digitalradio-Programme,
hauptsächlich des MDR und des Deutschlandradios, zu hören.
Die Aufschaltung der „restlichen“ Sender oder Programme des MDR hängt
natürlich auch davon ab, was die KEF in den nächsten Tagen und Wochen
erneut zur Finanzierung des Digitalradios in Deutschland sagen wird.
Bislang blieben dem öffentlich-rechtlichen Radio die Mittel für die weitere
Entwicklung und den Ausbau von Digitalradio versagt. Wir sind allerdings
guter Hoffnung, dass die ARD mit einem neuen und veränderten Projektantrag
gute Chancen hat, Digitalradio endlich mit dem unserer Meinung nach nötigen
Schub zu versehen.
Digitalmagazin: Überraschenderweise ist Ihr eigens für Digitalradio
gegründetes Programm „MDR Klassik“ über DAB+ nicht zu hören. Wäre ein
solches Programm, das über UKW gar nicht zu hören ist, nicht ein Mehrwert,
den das digitale Radio so dringend braucht?
Möller: MDR Klassik hat sich in Mitteldeutschland unter der
digitalen Hörerschaft, so möchte ich die Anhänger von MDR Klassik einmal
nennen, in den letzten Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet. Die Hörer
von MDR Klassik haben sich seinerzeit extra digitale Empfangsgeräte
gekauft, die zwar DAB empfangen können, technisch aber nicht in der Lage
sind, Programme in dem neuen, heutigen Digitalradio-Standard DAB+ hörbar zu
machen. Auf diese treuen Hörer – sozusagen der ersten Stunde – müssen und
wollen wir als MDR Rücksicht nehmen. Würden wir nun bei MDR Klassik auch
das neue Digitalradio-Verfahren DAB+ wie bei den beiden anderen
MDR-Programmen anwenden, wäre es für „alte“ MDR-Klassik-Hörer mit einem
Schlag still im Radio. Deshalb werden wir für einige Zeit MDR Klassik
weiter, wie gewohnt, in DAB senden.
Digitalmagazin: Was macht Sie so sicher, dass Digitalradio diesmal
zum Laufen kommt? Auch andere öffentlich-rechtliche Sender sind da etwas
zurückhaltender...
Möller: Alle bisherigen Versuche, der digital-terrestrischen
Rundfunkverbreitung zum Durchbruch zu verhelfen, konzentrierten sich nahezu
ausschließlich auf den Standard DAB oder DAB+. Digitalradio bedeutet heute
aber sehr viel mehr, weshalb sich die ARD auf eine Hybrid- oder
Komplementärstrategie verständigt hat, bei der DAB+ nur eine von
verschiedenen Empfangsmöglichkeiten darstellt. Da für den stationären
Empfang immer häufiger W-LAN-Verbindungen zur Verfügung stehen, muss das
DAB-Sendernetz vor allem den mobilen digitalen Empfang in der Fläche
gewährleisten. Denn dort reicht die Kapazität des Internets noch auf
längere Sicht nicht aus. Ein solches Hybridkonzept hat gute Aussichten, von
der KEF akzeptiert und gefördert zu werden, könnte aber auch die Nutzer
überzeugen, die in Zukunft auf Multinormgeräte statt auf eigene
DAB-Empfänger zurückgreifen könnten. Radioanstalten, die über eine
ausreichende UKW-Frequenzausstattung verfügen, sind in der Frage DAB/DAB+
verständlicherweise zurückhaltender als andere, die nur mit Hilfe der
größeren Kapazitäten der Digitalterrestrik bestehende Empfangslücken
schließen können.
Digitalmagazin: Der Bayerische Rundfunk ist bisher DAB-Vorreiter und
pusht seine Digitalradio-Angebote seit einigen Monaten auch ganz offensiv
auf seinen UKW-Programmen. Kann man vom MDR ähnliche Aktionen erwarten, um
das DAB+-Netz massiv zu bewerben?
Möller: Der MDR hat das bereits getan. Über den Start der
DAB+-Ausstrahlung in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen haben wir Anfang
Februar besonders ausführlich in den Programmen MDR Sputnik und MDR Info
berichtet. Wir haben auch detailliert über das digitale Radio insgesamt
informiert, über seine Vorteile, aber auch über die nicht ganz einfache
Situation von Digitalradio in Deutschland. Und im Internet, auf den Seiten
von MDR Klassik, finden unsere Hörer viele weitere interessante Fakten zum
Digitalradio.
Sollte die KEF dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk diesmal tatsächlich
grünes Licht für den weiteren Ausbau von Digitalradio geben, werden wir
selbstverständlich in unseren UKW-Hörfunkprogrammen weiter und auch breiter
über digitales Radio informieren. Und natürlich werden wir unsere eigenen
Angebote im Digitalradio, also MDR Klassik, MDR Info und MDR Sputnik,
gehörig bewerben, in den UKW-Programmen und im Netz – mit viel
Enthusiasmus, Professionalität und dem nötigen Augenmaß angesichts der
differenzierten Lage.
Digitalmagazin: Was passiert, wenn die privaten Veranstalter in
Mitteldeutschland auch dem neuen Anlauf für Digitalradio eine Absage
erteilen? Geben Sie Digitalradio dann endgültig auf oder können Sie sich
Digitalradio auch ganz ohne Privatsender vorstellen?
Möller: Gerade in Mitteldeutschland haben wir immer einen
gemeinsamen Willen zum Digitalradio bekundet. Ich verstehe andererseits die
Sorgen dort, die vor allem ökonomischer Natur sind. Aber ich halte diese
Probleme nicht für unüberwindlich.
Digitalmagazin: Herr Möller, vielen Dank für das Gespräch.
www.mdr.de
Hinweis: Lesen Sie mehr zum Thema Digitalradio in der April-Ausgabe
von INFOSAT. Das Heft 4/2010 erscheint am 26. März im Handel.
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