Medien
Debatte um Nachrichtensendungen – „Information ist mehr als Human Touch, Absurdes und Abnormes“
Digitalmagazin im Gespräch mit Thomas Langheinrich, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM)
12.03.2010
Die Debatte um das Nachrichten- und Informationsangebot der privaten
Sender spitzt sich zu. Während Pro Sieben Sat 1-Chef Thomas Ebeling auf dem
jüngsten DLM-Symposium von einer „Diktatur der intellektuellen Elite bei der
Qualitätsdebatte“ spricht, sehen die Landesmedienanstalten akuten
Handlungsbedarf. Die Medienwächter kritisieren nicht nur einen stark
rückläufigen Nachrichtenanteil im Programm einiger Sender, sondern auch die
Qualität der Informationssendungen. „Dass Information mehr ist als Human
Touch, Absurdes und Abnormes, das sagt übrigens schon der
Rundfunkstaatsvertrag“, sagt Thomas Langheinrich, Vorsitzender der
Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), im
Digitalmagazin-Interview.
Digitalmagazin: Herr Langheinrich, die Landesmedienanstalten sehen
akuten Handlungsbedarf beim Informationsangebot der privaten Sender.
Warum?
Langheinrich: Nach dem Programmbericht der Landesmedienanstalten
ist der Anteil der Nachrichten in manchen Vollprogrammen zum Teil
dramatisch zurückgegangen oder Nachrichtensendungen wurden auf
nicht-relevante Sendeplätze verschoben. Darum ist es wichtig, die Sender
und ihre Controller dafür zu sensibilisieren, dass Informationssendungen
nicht einfach aus Renditegründen dem Rotstift zum Opfer fallen dürfen.
Digitalmagazin: Die Landesmedienanstalten bieten den
Rundfunkveranstaltern nun die Möglichkeit an, über eine Selbstverpflichtung
den Umfang und die Platzierung von Nachrichtensendungen zu regeln. Wie
könnte dies konkret aussehen?
Langheinrich: In dem Positionspapier der Landesmedienanstalten
„Nachrichtensendungen im privaten Rundfunk“ schlagen wir den
Medienunternehmen eine Selbstverpflichtung vor. Umfang und Platzierung
müssen hier eine zentrale Rolle spielen. Benchmark soll das
Informationsangebot im Programmjahr 2007 sein, da war es um Informations-
und Nachrichtenangebote nicht besonders gut bestellt, aber danach wurden
diese vielfach – nicht mehr schleichend, sondern abrupt – weniger und
weniger relevant.
Zweitens: Nicht jedes Vollprogramm muss eine eigene
Nachrichtenproduktion haben. Aber es macht einen Unterschied, ob ein Sender
eine eigene redaktionelle Infrastruktur vorhält oder seine Nachrichten
einkauft. Und bei den zugelieferten Nachrichten wird ein Mindestaufwand zu
definieren sein, der über Geld (Minutenpreis, Anteil am Gesamtaufwand des
Programms o. ä.) zu operationalisieren ist.
Drittens: Dass Information mehr ist als Human Touch, Absurdes und
Abnormes, das sagt übrigens schon der Rundfunkstaatsvertrag. Und zählt auf:
Politische Information, Zeitgeschehen, Wirtschaft, Auslandsberichte,
Religiöses, Sport, Regionales, Gesellschaftliches, Service und
Zeitgeschichtliches. All das gehört unter die Kategorie Nachrichten. Es
geht also um relevante Informationen, um Orientierungs- und Handlungswissen
für die Bürger, deren politische Meinungsbildung im Demokratiegefüge Ziel
aller Rundfunkregulierung ist.
Digitalmagazin: Welche weiteren Maßnahmen planen Sie, sollte eine
Selbstverpflichtung der Sender nicht zum Ergebnis führen?
Langheinrich: Sollte eine Selbstverpflichtung nicht zum Ergebnis
führen, werden die Landesmedienanstalten in einer eigenen Richtlinie die
gesetzlichen Anforderungen an ein Vollprogramm und an Spartenprogramme mit
Schwerpunkt Information verdeutlichen. Für weiterreichende Maßnahmen müsste
die Informationspflicht für reichweitenstarke Sender gesetzlich
konkretisiert werden.
Digitalmagazin: VPRT-Präsident Jürgen Doetz kritisierte, das
Positionspapier der Landesmedienanstalten wolle mit „seiner Festlegung auf
eine Normierung u. a. von Umfang, Platzierung und Minutenpreisen für
Nachrichtensendungen mit planwirtschaftlichen Vorgaben in unsere
Programmhoheit eingreifen“. Wie kommentieren Sie dies?
Langheinrich: Die Landesmedienanstalten beabsichtigen nicht
Programmdirektoren zu werden. Man könnte die harsche Kritik des VPRT aber
auch als Bestätigung werten, dass wir mit unserem Positionspapier ins
Schwarze getroffen haben. Positiv gesagt: Das Thema verdient die
Aufmerksamkeit, die es hat, durchaus. Und es verdient eine sachliche,
konstruktive Diskussion.
Digitalmagazin: Herr Langheinrich, vielen Dank für das
Gespräch.
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