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Private HDTV-Ableger für Österreich „im besten Fall noch in diesem Jahr“ – ORS verhandelt mit RTL und Pro Sieben Sat 1
15.03.2010
Die neuen HDTV-Sender von Pro Sieben Sat 1 und RTL könnten zukünftig
auch in Österreich zu empfangen sein. Aktuell verhandelt die
Österreichische Rundfunksender GmbH (ORS) mit den Programmanbietern über
eine Vermarktung in der Alpenrepublik. „In naher Zukunft wollen wir mit dem
Angebot starten, das heißt im besten Fall noch in diesem Jahr, optimal wäre
ein Start im kommenden Jahr – im ersten oder zweiten Quartal 2011“, sagt
Michael Weber, Leiter Sales, Marketing & Corporate Communications bei der
ORS. Welche Pläne die ORS zudem hinsichtlich DVB-T/DVB-T2 verfolgt,
erläutert er im exklusiven Digitalmagazin-Interview.
Digitalmagazin: Herr Weber, die ORS will mit RTL und Pro Sieben Sat 1
über eine Vermarktung der HD-Kanäle in Österreich verhandeln. Welche Details
sind noch zu klären?
Weber: Es ist sehr wahrscheinlich, dass von den 2,3 Millionen
ORF-Digital-SAT-Karten-Besitzern, jeder fünfte HD-Content von RTL oder Pro
Sieben sehen möchte. Das heißt, eine halbe Million Österreicher werden über
die bestehende Plattform diese TV-Programme empfangen. In den folgenden
Gesprächen werden wir noch mit RTL und Pro Sieben Sat 1 über die Details zu
Rechtsfragen, Set-Top-Box-Spezifikation, Verschlüsselung und Vermarktung in
Österreich reden müssen.
Digitalmagazin: Wann könnte das Angebot starten?
Weber: In naher Zukunft wollen wir mit dem Angebot starten, heißt
im besten Fall noch in diesem Jahr, optimal wäre ein Start im kommenden Jahr
– im ersten oder zweiten Quartal 2011.
Digitalmagazin: Wie wollen Sie dies technisch umsetzen, inwiefern
erwägen Sie eine Simulcrypt-Strategie?
Weber: Die Technik muss funktionieren, das steht aber für den
TV-Kunden nicht im Vordergrund. Die Broadcaster RTL und Pro Sieben Sat 1
setzen eine optimale Technik voraus. Ein gemeinsames Geschäftsmodell
garantiert den Erfolg einer Österreich-HD-Plattform – die es gemeinsam zu
entwickeln gilt. In 18 bis 24 Monaten werden wir über gemeinsame
Hardware-Aktivitäten übereinkommen. Das ist die Aufgabe, der wir uns
gemeinsam stellen und diese werden wir auch erfolgreich umsetzen. Wir
verfolgen eine Simulcrypt-Strategie, da hier die ORF-Digital-Sat-Karte zum
Einsatz kommen würde. Das Verschlüsselungssystem wäre Irdeto.
Digitalmagazin: Über welche zusätzliche technische Reichweite würden
die Sender damit in Österreich verfügen?
Weber: Österreich ist das (Astra-)Satelliten-Land schlechthin!
Die bestehende Plattform hat großes Potenzial – jährlich gibt es 300.000
bis 400.000 Neukunden und diesen muss man Aufmerksamkeit schenken. Die
bestehende Grundgesamtheit von Sat-HD-Boxen wächst analog zur
Satelliten-Nutzung der Österreich-Plattform. Zugegeben wäre es reizvoll,
dieses Projekt mit großen Partner auszubauen – denn der Trend Richtung HDTV
ist stark steigend.
Digitalmagazin: Auch für eine terrestrische Verbreitung wollen Sie
die deutschen Privatsender gewinnen. Wie ist hier der Stand der
Dinge?
Weber: Die ORS als TV-Serviceunternehmen ist in Österreich auch
für den Ausbau von digitalem Antennenfernsehen verantwortlich gewesen
(bereits 95 Prozent sind mit DVB-T versorgt). Es liegt nichts näher, als
auch diese Plattform für ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu nutzen: mehr
Programm und mehr Service! Das heißt 20 Programme als attraktive
Alternative zu Kabelfernsehen.
Digitalmagazin: Im Frühjahr startet die ORS einen Test mit dem
Nachfolgestandard DVB-T2. Welches Potenzial sehen Sie für diese neue
DVB-T-Generation?
Weber: TV-Weiterentwicklung heißt für uns: HD-Content, 3D-TV und
HbbTV. Die ORS zeigt in einem mobilen digitalen Wohnzimmer der Zukunft, wie
das Fernsehen in den nächsten Jahren von den Menschen wahrgenommen wird –
dabei spielen HD, 3D und HbbTV eine tragende Rolle. Diese werden auch im
technischen Piloten von DVB-T2 getestet. Vor zwei bis drei Jahren stand HD
als Vision im Raum – heute ist HD untrennbar mit dem TV-Screen in
Verbindung. Die Vision der kommenden Jahren sind Hybrid-Dienste sowie
3D-Aktivitäten für Events.
Digitalmagazin: Wie wird das Testszenario konkret aussehen?
Weber: Die Testphase beginnt mit Frühling 2010 und läuft 18
Monaten in Wien. Während der Fußball-WM im Juni und Juli 2010 wird ein
konstantes Programmbouquet gesendet und danach wird der Test weiter
ausgebaut.
Digitalmagazin: Ein Ausblick: Wann rechnen Sie mit einem
schrittweisen Übergang zu DVB-T2 in Österreich?
Weber: Der Trial ist ein geförderter technischer Versuch, der wie
bei DVB-T im Anschluss mit einer, zwei, drei, vier Parallelphasen in den
österreichischen Haushalten realisiert wird. Bis dahin werden die Haushalte
das HD-Service plus den Zusatzdiensten mit einer attraktiven
Programmvielfalt schätzten gelernt haben. Möge die Übung gelingen!
Digitalmagazin: Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch.
www.ors.at
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