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Kabel

FRK-Sprecher kritisiert Börsengang von Kabel Deutschland – „Kundenabzocke statt Volksaktie“

16.03.2010

Der geplante Börsengang von Kabel Deutschland (KDG) steht heftig in der Kritik. Deutliche Preiserhöhungen für die Kabelkunden und einen fortschreitenden Kundenschwund prognostiziert Heinz-Peter Labonte, Geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK). Labonte sieht im KDG-Plan, die Kabelgebühren um über 62 Prozent zu erhöhen, dagegen einen starken Wachstumsimpuls für die unabhängigen mittelständischen Kabelnetzbetreiber.

Zuvor hatte eine Studie der Deutschen Bank nahegelegt, dass die KDG ihre monatlichen Kabelgebühren bis 2014 um über 62 Prozent erhöhen müsse. Dies geht aus einer von „Dow Jones Newswires“ bereits am 7. März zitierten Studie im Vorlauf des Börsenganges hervor und sei zum Erreichen ihrer mittelfristigen Wachstumsziele von neun Prozent nötig. Das EBITDA könne jährlich sogar um 13 Prozent zulegen und beim operativen Cashflow seien überdies 21 Prozent möglich. Damit müsste der Umsatz je Kunde von 12,30 Euro Ende 2009 bis 2014 auf monatlich 20 Euro gesteigert werden.“

Diese Analyse der Bank hält der Geschäftsführende stellvertretende Vorsitzende des FRK, Heinz-Peter Labonte, einerseits für glaubwürdig auf der Basis der zu diesem Zeitpunkt vermuteten Emissionskurse der KDG-Aktie. Andererseits halte er sie aber wegen der inzwischen genannten Preisspanne von 21,50 bis 25,50 Euro sogar noch für untertrieben. Offenbar auch wegen der im Jahr 2014 fälligen PIK- (Pay in Kind) Notes unterstelle die Prognose auch den Verzicht auf Zahlung jeglicher Dividenden an die Aktionäre.

Ob jedoch diese „geringe Preiserhöhung von über 60 Prozent“ der monatlichen Kabelgebühr für die KDG-Kunden tatsächlich so „gering“ zu halten sei, bezweifle er allerdings auch vor dem Hindergrund des fortbestehenden Schwundes an KDG-Kundenhaushalten. Immerhin habe die KDG 2003 rund 11 Millionen zahlende Kundenhaushalte von der Telekom, zusätzlich über eine Million von der Tele Columbus und sicherlich weitere 0,5 bis 0,8 Millionen ehemalige uKNB-Haushalte gekauft. Von diesen mindestens 12,5 Millionen seien heute jedoch nur noch 8,9 Millionen Haushalte Kunden bei der KDG. Damit seien innerhalb von nur sieben Jahren mindestens 28,8 Prozent der Kundenhaushalte an vorwiegend mittelständische Wettbewerber verloren worden. Dieser anhaltende Trend müsse natürlich über Preiserhöhungen bei den verbleibenden Kunden ausgeglichen werden.

Deshalb erwartet der FRK-Sprecher einen „wahrscheinlich sogar verstärkt“ fortschreitenden Verlust von Kunden der KDG, deren Umsätze auch durch Triple-Play-Angebote nicht substituiert werden könnten. Dies gelte vor allem für den EBITDA. „Dennoch freuen wir uns mit Herrn Tony Ball über die 50 Millionen Euro, die er bei dem Börsengang erhält ebenso wie über die eine Million Euro für den ehemaligen Bundesminister, Herrn Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Heinz Riesenhuber, und auch über die vielen Millionen Euro für den Finanzinvestor Providence und sein Management“, sagte Labonte.

Denn der damit verbundene Verzicht auf die Zuführung frischen Kapitals eröffne – gepaart mit den laut Analysen der Emittentenbank und offenbar für die Prognoseeinhaltung notwendigen Preiserhöhungen – riesige Chancen für die mittelständischen Wettbewerber der KDG. „Wir werden diese Chance nutzen, die Preise stabil halten und keine KDG-Aktien kaufen, sondern weiter unser Geld in unsere eigenen Kabelfirmen sowie den Service für unsere Kunden investieren“, erklärte Labonte abschließend.

www.kabelverband-frk.de

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