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Radio-Info

Geringes Interesse an DVB-T-Radio in Hamburg und Schleswig-Holstein – „Vor allem wirtschaftliche Gründe“

Digitalmagazin im Gespräch mit Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH)

17.03.2010

Im Dezember 2009 hatte die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) DVB-T-Frequenzen für Radioprogramme ausgeschrieben. Da die Hörfunkveranstalter jedoch wenig Interesse an DVB-T-Radio zeigten, steht die Übertragungskapazität wieder zur Disposition. „Das vergleichsweise geringe Interesse in Hamburg und Schleswig-Holstein dürfte vor allem wirtschaftliche Gründe haben“, erläutert Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, im Interview mit Digitalmagazin.

Digitalmagazin: Herr Fuchs, die MA HSH hat Anfang März eine DVB-T-Übertragungskapazität für ein Fernsehprogramm oder ein Telemedienangebot neu ausgeschrieben. Was war der Anlass hierfür?

Fuchs: Die MA HSH hatte diese Übertragungskapazität im Dezember 2009 zunächst für die Verbreitung eines Hörfunkangebots von bis zu 16 Programmen über DVB-T ausgeschrieben. Damit sollte Hörfunkveranstaltern die Möglichkeit einer digitalen Verbreitung in Hamburg und Schleswig-Holstein eröffnet werden. Allerdings ist das Interesse auf Seiten der Hörfunkveranstalter sehr gering ausgefallen, so dass der Medienrat aufgrund dieses Ausschreibungsergebnisses beschloss, keine Hörfunk-Zuweisung zu erteilen, sondern die Übertragungskapazität erneut und nun für die Verbreitung eines Fernsehprogramms auszuschreiben.

Digitalmagazin: In Berlin und Leipzig hat sich die Verbreitung von Hörfunkprogrammen über das digitale Antennenfernsehen DVB-T bereits etabliert. Woraus resultierten Ihrer Meinung nach die Gründe für das geringe Interesse in Hamburg und Schleswig-Holstein?

Fuchs: Dass sich diese Verbreitungstechnik dort wirklich etabliert hat, könnte man zumindest hinterfragen. Das vergleichsweise geringe Interesse in Hamburg und Schleswig-Holstein dürfte vor allem wirtschaftliche Gründe haben. Die von der MA HSH ausgeschriebene Übertragungskapazität versorgt Hamburg und große Teile Schleswig-Holsteins. Mit dieser Reichweite fallen entsprechende Kosten für die Verbreitung an. Zudem setzen Veranstalter von Web-Radios eher auf WLAN-Radios, also internetfähige Endgeräte, während Veranstalter mit einer UKW-Versorgung verständlicherweise nur begrenztes Interesse an einer DVB-T-Verbreitung haben.

Digitalmagazin: Welches Resümee ziehen Sie – auch im Hinblick auf zukünftige Ausschreibungen?

Fuchs: Unsere jüngsten Ausschreibungen haben gezeigt, dass das Interesse an DVB-T auf Seiten der Fernsehveranstalter und der Anbieter von Telemedien sehr groß ist. Dies belegt die überdurchschnittliche Akzeptanz von DVB-T in Hamburg und Schleswig-Holstein. Für den Hörfunk scheint der Mehrwert zumindest derzeit nicht ausreichend zu sein.

Digitalmagazin: Am 19. März endet die Antragsfrist für die Ausschreibung der neuen DVB-T-Frequenz. Was müssen Bewerber noch beachten?

Fuchs: Neben dem Üblichen ist die Besonderheit, dass die Ausschreibung das Verbreitungsgebiet Hamburg und Schleswig-Holstein umfasst.

Digitalmagazin: Die Nutzungsraten von digital-terrestrischem Fernsehen sind derzeit rückläufig, DVB-T2 wird gerade erst erprobt. Wie kann die Terrestrik für den Verbraucher weiter attraktiv bleiben?

Fuchs: Eine Rückläufigkeit kann ich nicht erkennen. Nach den Untersuchungen zum Digitalisierungsbericht der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten aus dem letzten Jahr ist der Anteil der DVB-T-Nutzung im Vergleich zu Kabel und Satellit in Hamburg und Schleswig-Holstein auf knapp 20 Prozent gestiegen. Die Attraktivität von DVB-T hängt vom Umfang und von der technischen Qualität des Programmangebots ab. Aus diesem Grunde ist die Entwicklung eines optimierten DVB-T-Systems (DVB-T2) erforderlich, damit zum Beispiel auch die Möglichkeit einer Verbreitung von HD-Angeboten über diesen Weg möglich wird. Diese Entwicklung treiben wir mit Nachdruck voran.

Digitalmagazin: Herr Fuchs, vielen Dank für das Gespräch.

www.ma-hsh.de

Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst „Digitalmagazin“.

Alle Informationen zu Abonnements und Preisen finden Sie unter www.digitalmagazin.info. 

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