Medien
SWR-Intendant erneuert Kooperations-Angebot an Printmedien
19.03.2010
SWR-Intendant Peter Boudgoust hat sein Angebot an die Printmedien
über eine strategische Partnerschaft des Qualitätsjournalismus
erneuert. Vor dem Rundfunkrat sagte Boudgoust am 19. März in Mainz:
„Ich sehe den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die
Qualitätspresse nicht als Konkurrenten, sondern als Partner. Wir sind,
wenn wir unsere Aufgabe ernst nehmen, gleichermaßen verantwortlich
für die Entwicklung dieser Gesellschaft. Medienunternehmen müssen
mit der Zeit gehen, sonst geht die Zeit über sie hinweg. Und die
Zuschauer, die uns verloren gehen, sind genau dieselben, die auch ihr
Abonnement für eine Zeitung kündigen. Wir als SWR haben immer die
Hand zu den Zeitungen ausgestreckt.“
Boudgoust sagte weiter, dass es den Medienunternehmen, egal ob SWR oder
Zeitung, gut anstehe, die gesellschaftliche Aufgabe, eine junge Generation
für Themen aus Politik und Gesellschaft zu interessieren, gemeinsam
anzugehen. Beide, Print- und elektronische Medien, stünden vor
gleichen Herausforderungen. Denn die Generation, die jetzt heranwachse,
werde in ihrem Leben nicht mehr die übliche Medienkarriere
durchlaufen. Boudgoust: „Eine nur einmal am Tag erscheinende Zeitung,
ein Programmschema mit festen Zeiten für Nachrichten – das
bedeutet, auf Medien zu warten, und allein schon diese Vorstellung ist
für die junge Generation ungefähr so weit weg wie der
Dreißigjährige Krieg.“
Es sei längst an der Zeit, auf diese Veränderungen zu
reagieren, sagte der SWR-Intendant. Der SWR tue dies mit einem
Strategieprozess, bei dem die Programmarbeit einem Realitäts-Check
unterzogen werde. Boudgoust: „Mit dem Strategieprozess wollen wir
erreichen, dass wir unseren Auftrag, zu bilden, zu unterhalten und zu
informieren, auch in Zukunft noch erfüllen können.“
Entscheidend dabei sei es, auf das veränderte Mediennutzungsverhalten
zu reagieren, und zwar unabhängig vom Alter der Zuschauer, Hörer
und Nutzer. Es gehe darum, behutsam, aber mit Weitblick dafür zu
sorgen, dass Inhalte des SWR auch die mittlere und jüngere Generation
erreichen. Boudgoust: „Wir schätzen unser Stammpublikum sehr.
Sie sind genauso Teil dieser Gesellschaft wie die Jüngeren. Aber
gerade deshalb muss es unser Ziel sein, für die einen wie die anderen
zu senden.“
Hierfür müssten alle Programme entstaubt werden, und deshalb
müsse der SWR mit seinen Angeboten nicht allein in den klassischen
Medien Radio und Fernsehen präsent sein, sondern auch auf neuen
Plattformen wie dem iPhone. Boudgoust: „Wir machen dies nicht, weil
wir das ‚cool’ finden, sondern weil die Nutzerinnen und Nutzer
uns dort suchen. Der Radiohörer von heute sitzt eben nicht mehr vor
dem Volksempfänger, er nimmt ‚seinen’ SWR dorthin mit, wo
er hingeht.“ Printmedien stünden vor ähnlichen
Herausforderungen, sagte Boudgoust:
„Der Zeitungskonsum geht nicht zurück, weil ARD und ZDF im
Internet aktiv sind, sondern weil für junge Leute Zeitungen
‚bedruckte tote Bäume' sind. Hier sind die Zeitungen
gefordert, geeignete Strategien für das Netz zu entwickeln. Den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk platt zu machen, wird den Verlegern
nicht helfen.“
www.swr.de
Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst
„Digitalmagazin“.
Alle Informationen zu Abonnements und Preisen finden Sie unter www.digitalmagazin.info.