Kabel
FRK-Vorstand Labonte zu Börsengang von Kabel Deutschland: „Abzockaktie im doppelten Wortsinn“
Digitalmagazin im Gespräch mit Heinz-Peter Labonte, Geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK)
19.03.2010
Heinz-Peter Labonte, Geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender
des Fachverbands für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK), geht mit
Blick auf den Börsengang von Kabel Deutschland (KDG) von deutlich
steigenden Kosten für die KDG-Kunden aus. „Konkret erwartet nämlich die
KDG-Kunden eine Preiserhöhung von zuletzt 12,30 Euro (2009)
durchschnittlicher monatlicher Kabelgebühr auf 20 Euro monatlich bis 2014“,
prognostiziert Labonte. Für ihn ist deshalb klar: Zunehmend wird der
satellitäre Direktempfang über die Einzelschüssel oder über die
Gemeinschaftsantennenanlagen der unabhängigen Kabelnetzbetreiber als
Alternative wirksamer. Warum er das KDG-Börsenpapier für „eine Abzockaktie
im doppelten Wortsinn“ hält, erläutert der FRK-Sprecher im
Digitalmagazin-Interview.
Digitalmagazin: Herr Labonte, Sie haben den Börsengang der KDG scharf
kritisiert und befürchten nun „Kundenabzocke“. Was konkret erwartet die
KDG-Kunden?
Labonte: Selbstverständlich habe ich nicht den Börsengang
kritisiert. Meine Pressemeldung war differenzierter. Ich habe lediglich auf
dessen Folgen für die Kunden der KDG hingewiesen und die von uns, den
mittelständischen unabhängigen Kabelnetzbetreibern (uKNB) nachhaltig
begrüßten Konsequenzen verdeutlicht. Konkret erwartet nämlich die
KDG-Kunden eine Preiserhöhung von zuletzt 12,30 Euro (2009)
durchschnittlicher monatlicher Kabelgebühr auf 20 Euro monatlich bis 2014 –
oder wie der von mir erwähnte Analyst der Emittendenbank ankündigt, über die
nächsten fünf Jahre. Das ist eine Preiserhöhung von 62,6 Prozent bzw.
durchschnittlich 12,52 Prozent pro Jahr. Es leuchtet doch ein, dass wir als
auf Preisstabilität und Service konzentrierte Wettbewerber der KDG eine
solche Ankündigung begrüßen. Erhöht es doch unsere Marktchancen. Denn
solche Preiserhöhungen empfinden nicht nur die Kunden, sondern auch die
Verbraucherverbände zu Recht als Abzocke.
Digitalmagazin: Ist den KDG-Kunden eine solche Preiserhöhung
überhaupt zuzumuten – angesichts der schwierigen gesamtwirtschaftlichen
Situation?
Labonte: Das werden die Kunden entscheiden. Sie haben mit den
uKNB und ihren Angeboten attraktive, weil preiswerte, an gutem Service und
lokaler Präsenz orientierte Alternativen, die nicht nur auf proprietäre
Verschlüsselung von TV-Programmen verzichten, sondern auch meist auch
ebenfalls Triple Play anbieten.
Digitalmagazin: Aktuell hat die KDG 8,9 Millionen Kunden, Sie
erwarten einen deutlichen Kundenschwund. In welchen Dimensionen wird sich
das bewegen?
Labonte: Vielleicht bleibt es beim statistischen Durchschnitt der
letzten sieben Jahre seit Übernahme der KDG von der Deutschen Telekom im
Jahr 2003. Dann entspräche dieser Schwund von ca. 3,6 Millionen
Kundenhaushalten einem jährlichen Verlust von immerhin ca. 510.000
Haushalten. Bisher sind ja die Zahlen für die Anleger interessant
„strukturiert“ veröffentlicht worden. So ist ja nicht mehr primär, wie
damals beim Kauf der rund elf Millionen Haushalte von „Kundenhaushalten“
die Rede sondern von RGU (Revenue Generating Units), also von „Umsatz
generierenden Einheiten“. Das sind rein zufällig auch immer noch rund elf
Millionen RGU. Wer von den „dummen und frechen Aktionären“ unterscheidet
schon die ehemals elf Millionen von der DTAG gekauften Kundenhauhalte plus
die zwischenzeitlich von Tele Columbus und am Markt zugekauften rund 1,5
bis 1,8 Millionen Kundenhaushalte (insgesamt ca. 12,6 Millionen) von RGU.
Schließlich ist ja meist in den Medien undifferenziert generell von
„Kunden“ die Rede.
Digitalmagazin: Welche Alternativen werden sich die KDG-Kunden
suchen?
Labonte: Zunehmend wird der satellitäre Direktempfang (DTH) über
die Einzelschüssel wie über die (Großen) Gemeinschaftsantennenanlagen (G)GA
der uKNB mit preiswerterem und unverschlüsseltem SD- und unkomplizierterem
HD- und HD+-Empfang als Alternative wirksamer. Auch die Triple
Play-Angebote der uKNB und ihre sich verstärkenden Kooperationen mit
Pay-TV-Anbietern wie auch ihre beginnenden Kooperationen mit
Telekommunikationsunternehmen (warum nicht auch mit der DTAG, wenn sich die
KDG solchen Kooperationen weiterhin mit ihren proprietären Businessmodellen
verweigert?) stehen zur Verfügung. HbbTV erhöht den Druck auf das KDG
Triple Play erheblich und die Telekomunternehmen tun ein Übriges. Der Kunde
hat also durch die Liberalisierungspolitik der letzten Jahre den Vorteil der
Wahl.
Digitalmagazin: Welche Chancen ergeben sich nun für die unabhängigen
Kabelnetzbetreiber?
Labonte: Wie steht auf manchen Autos? „Fahren Sie nur dicht auf,
wir kaufen Ihren Schrott dann auf“. Ähnlich ist es hier: „Der Krug geht
solange zum Brunnen, bis er bricht“. Das heißt, nicht nur die Einzelkunden,
sondern auch die Wohnungswirtschaft wird unsere Alternativen nicht nur
preislich stärker annehmen, sondern an uns auch aus Servicesicht nicht mehr
vorbeikommen. Weil wir durch die verstärkte Nutzung der genannten, von der
KDG seit Jahren verweigerten Kooperationsmöglichkeiten mit
Pay-TV-Anbietern, Satellitenbetreibern, Telekomunternehmen einfach die KDG
verstärkt in die Zange nehmen werden. Wir handeln nämlich nach dem
Geschäftsmodell „Lieber 20 Prozent vom Umsatz als 100 Prozent von gar
keinem Umsatz“.
Digitalmagazin: Herr Labonte, wird der KDG-Börsengang die nächste
Börsenblase?
Labonte: Weiß ich nicht. Jeder Aktienkäufer hatte ja die Chance,
sich zu informieren, nicht zuletzt über das Digitalmagazin. Soll sich also
hinterher keiner darauf berufen, er habe geglaubt, hier ginge eine
„Volksaktie“ an die Börse. Dies ist eine „Abzockaktie“ im doppelten
Wortsinn, langfristig zu teurer Emissionspreis zulasten der Aktionäre, wenn
die geplanten Preiserhöhungen dank des Wettbewerbs nicht durchsetzbar sind.
Oder zulasten der Kunden, wenn die Wohnungswirtsverbände und Unternehmen
zulasten ihrer Mieter diese Preiserhöhungen unterstützen. Auch die
involvierten Finanzinstitute haben ja teilweise ihre einschlägigen
Erfahrungen schon mit Primacom machen dürfen. In jedem Fall bleibt für die
Anleger gültig: Aktien kaufen bedeutet die Freiheit, Dummheiten auf eigene
Kosten zu machen!
Digitalmagazin: Herr Labonte, vielen Dank für das Gespräch.
www.kabelverband-frk.de
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