Radio-Info
„Bald könnte größeres DAB-Boot notwendig sein“
Digitalmagazin im Gespräch mit Florian Novak, Geschäftsführer Entspannungsradio GmbH (Lounge FM)
06.05.2010
Florian Novak, Geschäftsführer der österreichischen Entspannungsradio
GmbH (Lounge FM), hat keine Zweifel mehr an DAB und glaubt, dass bald mehr
Anbieter ins DAB-Boot wollen, als Platz zur Verfügung steht. Warum sich
sein Unternehmen in Deutschland für die landesweiten Frequenzen beworben
hat, erläutert Novak im Digitalmagazin-Interview.
Digitalmagazin: Herr Novak, Sie haben sich mit Ihrem Programm Lounge
FM um Übertragungskapazitäten für bundesweites Digitalradio in Deutschland
beworben. DAB interessiert bisher nur wenige Privatsender. Glauben Sie an
den Erfolg von terrestrischem Digitalradio?
Novak: Digitalradio ist super! Wo gibt es sonst so viele
unterschiedliche Programmangebote mit Top-Empfangsqualität auch für
unterwegs ab einer einmaligen Setup-Gebühr von 59 Euro und einer
Null-Euro-Flatrate-for-Lifetime? Im Ernst: Ja, wir sind davon überzeugt,
dass die Chancen für Digitalradio intakt sind und glauben an den Erfolg.
Natürlich werden für den Erfolg von terrestrischem Digitalradio in
Deutschland unterschiedliche Faktoren ausschlaggebend sein: Neben
leistbaren Empfangsgeräten, einer funktionierenden Versorgung insbesondere
auch eine entsprechende Vielfalt an Sendern, die – zumindest in einer
ersten Phase – gegenüber den bestehenden UKW-Sendern einen erkennbaren
Mehrwert bieten werden müssen. Mit unserem einzigartigen Programm Lounge FM
leisten wir dazu einen substanziellen Beitrag im bundesweiten
Programmbouquet.
Digitalmagazin: Ihr Unternehmen hat bisher auch auf dem Heimatmarkt
in Österreich noch keine Erfahrungen mit DAB/DAB+ sammeln können. Wieso
gleich bundesweit in Deutschland?
Novak: Die Sehnsucht nach dem entspannten, nicht nervenden
Radio-Programm Lounge FM, mit dem wir in Österreich großartige Erfolge
feiern, macht vor der Grenze nicht halt, der Expansionsschritt erfolgt
dabei auf durchaus vertrautem Terrain. Über unser Webangebot www.lounge.fm
hören uns bereits jetzt sehr, sehr viele aus Deutschland. Mit Lounge FM
sind wir übrigens seit bald zwei Jahren in ganz Österreich
digital-terrestrisch empfangbar und verfügen damit unter den genannten
Bewerbern wohl über die meiste Erfahrung mit Digitalradio. Wir werden
nämlich als eines von fünf Radioprogrammen digital-terrestrisch in ganz
Österreich über DVB-H verbreitet. Diese Kompetenz und die Erfahrungen
wollen wir nun auch in Deutschland einbringen. Wann genau in Österreich
auch DAB+ eingeführt wird, hängt sicherlich von den Erfahrungen und
Entwicklungen in Deutschland ab.
Digitalmagazin: Werden Sie auch Studios bzw. Produktionsstätten in
Deutschland errichten?
Novak: Ja, klar.
Digitalmagazin: Und werden Sie in Deutschland auch aufschalten, wenn
am Ende nur wenige Privatsender mit im DAB-Boot sitzen?
Novak: Wir stechen ja nicht in See, um permanent die Anzahl der
anderen Regattateilnehmer nachzuzählen. Allerdings stimmt: Das Rennen wird
sicher spektakulärer, je mehr dabei sind, das sorgt auch für mehr Publikum.
Unsere Einschätzung ist: Die Plätze im DAB-Boot werden durchaus sehr begehrt
sein, und wir alle werden uns bald Gedanken über ein größeres Schiff machen
müssen.
Digitalmagazin: Welche Erwartungen setzen Sie in Digitalradio in
Deutschland?
Novak: Lounge FM ist das erste Radio im deutschen Sprachraum, das
digital über UMTS gestartet ist und sich erst in Folge mit UKW eines
analogen Übertragungsmediums bedient hat. Mit dieser Erfahrung zähle ich
mich durchaus zu jenen, welche die Diskussionen rund um Digitalradio in
Deutschland viele Jahre lang und mit größer werdender Skepsis beobachtet
haben. Heute weiß ich: Die nun geschaffenen regulatorischen Voraussetzungen
für ein bundesweites Privatradio sind vorbildhaft gelöst und nach unserer
umfassenden Erfahrung mit Radio-over-IP, also Streaming, auch am Handy
glaube ich, dass terrestrisches Digitalradio ein weiterer, wichtiger,
leistbarer und vor allem im Vergleich zuverlässigerer Übertragungs- und
Empfangsweg insbesondere für unterwegs und im Auto sein wird. Diesen Weg
wollen und werden wir inhaltlich begleiten auch in der Erwartung, dass
Digitalradio eines Tages UKW nicht nur ergänzen, sondern ersetzen wird. Wir
haben die Erwartung, dass sich der Digitalisierungsprozess dynamisch
entwickeln wird, bis sich die Politik eines Tages zutraut, den Schalter zu
reinem Digitalradio umzulegen.
Digitalmagazin: Herr Novak, vielen Dank für das Gespräch.
www.lounge.fm
Hinweis: Lesen Sie mehr zum Thema DAB in der Mai-Ausgabe von INFOSAT.
Das Heft 5/2010 ist seit 30. April im Handel erhältlich.
Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst
„Digitalmagazin“.
Alle Informationen zu Abonnements und Preisen finden Sie unter www.digitalmagazin.info.