Digital-TV
Fernsehen trifft Internet: ARD präsentiert HbbTV auf der IFA
Digitalmagazin im Gespräch mit Michael Albrecht, ARD-Koordinator DVB
30.07.2010
Die Verbindung von traditionellem Fernsehen und Internet, das so
genannte Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV), ist Schwerpunkt des
ARD-Auftritts auf der IFA 2010. „Unsere HbbTV-Präsentation überschreiben
wir mit dem Slogan ‚Fernsehen trifft Internet’. Sie soll dem Messepublikum
den Weg beschreiben, den wir bei der Verbindung von zuerst einmal
traditionellem Fernsehen mit ergänzenden Inhalten aus dem Internet
eingeschlagen haben“, erläutert Michael Albrecht, ARD-Koordinator DVB, im
Digitalmagazin-Interview.
Digitalmagazin: Herr Albrecht, die ARD rückt bei der IFA die neuen
HbbTV-Anwendungen in den Mittelpunkt ihres Messeauftritts. Was zeigen Sie
konkret?
Albrecht: Unsere HbbTV-Präsentation überschreiben wir mit dem
Slogan „Fernsehen trifft Internet“. Sie soll dem Messepublikum den Weg
beschreiben, den wir bei der Verbindung von zuerst einmal traditionellem
Fernsehen mit ergänzenden Inhalten aus dem Internet eingeschlagen haben.
Über die ARD-Startleiste werden alle HbbTV-Anwendungen der ARD miteinander
vernetzt und für unsere Zuschauerinnen und Zuschauer übersichtlich
präsentiert. Dazu zählen Video-on-Demand-Angebote aus den ARD-Mediatheken.
Filme und Serien, Magazine und Talksendungen, Dokumentationen,
Ratgeber-Sendungen und – nicht zuletzt – die Tagesschau-Applikationen von
ARD-aktuell gehören zu den zeitsouverän verfügbaren Angeboten. Sie werden
ergänzt durch VoD-Anwendungen einzelner Landesrundfunkanstalten, die auch
Fernseh- und Radio-Widgets mit regionalem Schwerpunkt zeigen. Die
Videotexte, insbesondere der ARD Text, werden in modernen, digitalen
Versionen gezeigt. Eine personalisierbare Programmvorschau von bis zu 14
Tagen für das gesamte digitale TV- und Radio-Programmbouquet der ARD
ermöglicht einen umfassenden Überblick und zugleich detaillierte
Informationen nach individuellen Bedürfnissen – auch im
Sieben-Tage-Rückblick auf die vergangene Programmwoche. Wir sind überzeugt,
die Möglichkeiten der hybriden Technologie optimal umgesetzt zu haben:
einerseits durch die gelungene Vernetzung unserer vielfältigen Angebote und
andererseits durch die äußerst nutzerfreundlich ausgerichtete Navigation und
Gestaltung.
Digitalmagazin: Bereits im Vorjahr waren erste Beta-Versionen zu
sehen. Welche Erfahrungen konnten Sie seither hinsichtlich HbbTV sammeln,
welche Probleme sind noch zu lösen?
Albrecht: Der erfolgte Abschluss des
HbbTV-Standardisierungsprozesses bei der europäischen
Standardisierungsbehörde (ETSI) vor wenigen Wochen stellt nach unserer
Einschätzung einen bedeutenden Schritt für die Markteinführung von
HbbTV-fähigen Geräten dar, denn damit wurde ein europaweit gültiger offener
Standard festgelegt. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat übrigens
das Institut für Rundfunktechnik. Die Veröffentlichung der Spezifikation
geht einher mit der formellen Gründung des HbbTV-Konsortiums, dessen
Satzung ab sofort Unternehmen weltweit die Möglichkeit gibt, daran
teilzunehmen und so die Entwicklung voranzutreiben. Bereits jetzt
beteiligen sich 60 Firmen und Institutionen und neue werden hinzukommen.
Die ARD erhofft sich dadurch einen weiteren Schub für das hybride Fernsehen
und rechnet mit einem steigenden Angebot entsprechender HbbTV-fähiger
Fernsehgeräte (iTVs) oder Set-Top-Boxen.
Digitalmagazin: Hybride Lösungen wie HbbTV tragen einem veränderten
Nutzerverhalten Rechnung, vor allem in Hinblick auf zeitunabhängigen Abruf
von Sendungen. Erhofft sich die ARD, damit neue (jüngere) Zuschauergruppen
erreichen zu können?
Albrecht: HbbTV eröffnet auch der ARD wie gesagt die Möglichkeit,
Fernsehen und Internet und damit lineare und non-lineare Inhalte zu
verbinden. Gerade der zeitsouveräne Zugriff auf das Angebot der Mediatheken
der ARD bietet dem Fernsehpublikum neue Möglichkeiten, ihr Programm im
ARD-Bouquet zu verfolgen, was längerfristig auch Auswirkungen auf die
Fernseh-Nutzungsgewohnheiten des Publikums haben wird. Nehmen wir einmal
das Beispiel jüngerer Zuschauergruppen: Sie können nicht nur zeitsouverän
jederzeit aktuelle Folgen von Serien wie Marienhof sehen, sondern auch alle
Zusatzinformationen rund um die Serie und ihre Protagonisten abrufen,
ähnliche Formate vormerken und diese direkt im linearen Fernsehen oder
zeitversetzt in der Mediathek anschauen.
Digitalmagazin: Wann wird der HbbTV-Regelbetrieb bei der ARD
starten?
Albrecht: Wir werden die Reaktionen auf der IFA sowohl seitens
des allgemeinen Messepublikums als auch des Fachpublikums sehr genau
beobachten. Basierend auf den offenen Zugangsstrukturen und der bereits
bestehender Infrastrukturen gehen wir insgesamt davon aus, dass sowohl auf
der Seite der Content-Anbieter als auch der Industrie wichtige
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Markteinführung geschaffen sind.
Neben der ARD werden auch weitere Programmveranstalter HbbTV-Angebote
präsentieren, so dass im Zuge einer entsprechenden Marktentwicklung
non-lineare Angebote regulär verfügbar sein werden.
Digitalmagazin: Wie weit sind die Pläne, auch für die Dritten
Programme HbbTV-Anwendungen anzubieten?
Albrecht: Die ARD-Landesrundfunkanstalten präsentieren im
Zusammenhang mit ihren Dritten Programmen aber auch im Bereich Radio,
Videotext und VoD spezifische HbbTV-Anwendungen, die aber allesamt mit
einer einheitlichen Navigation und unter der Startleiste gebündelt sind.
Bei den Dritten Programmen wird die Startleiste jeweils angepasst, d. h.
die Aufschaltung und Anordnung bestimmter Widgets variiert je nach
regionalem Bezug. Auf der IFA zeigt unter anderem der Bayerische Rundfunk
den Bayerntext als HbbTV-Version sowie eine Applikation zur BR-Rundschau.
Der RBB präsentiert einen neu gestalteten RBB-Text und Inhalte aus der
RBB-Mediathek. HbbTV-Planungen gibt es aber auch in weiteren Häusern.
Digitalmagazin: Für die Radiosender der ARD erscheint HbbTV ebenfalls
interessant – ist dies der Durchbruch in Hinblick auf „Visual Radio“, was
wird in dieser Hinsicht auf der IFA zu sehen sein?
Albrecht: Bei der IFA 2010 gehen nach derzeitigem Stand der BR
(BR2, BR4), der SWR (SWR3) und der WDR (WDR 1Live) mit eigenen
Radio-Applikationen an den Start. Die Angebote können insofern als „Visual
Radio“ verstanden werden, als multimediale Zusatzinformationen wie
Verkehrs- und Wetternachrichten (Wetterkarte) oder Hintergrundinformationen
wie Songtitel oder Bilder der Moderatoren auf das Display multimedialer
Radios bzw. Handys parallel zum Radiogramm eingeblendet werden.
Digitalmagazin: Herr Albrecht, vielen Dank für das Gespräch.
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