DAUN, 17.10.2018 - 14:45 Uhr
Digital-TV - Programme

Am Donnerstag geht's weiter: zweite Halbzeit bei „Babylon Berlin“

(dpa) - Bei „Babylon Berlin“ startet die zweite Halbzeit. Von den 16 Folgen, die auf Volker Kutschers 2008 erschienenem Bestseller „Der nasse Fisch“ basieren, waren schon acht im Ersten zu sehen, am Donnerstag (18. Oktober) geht es um 20.15 Uhr mit einer Doppelfolge weiter. Zu Beginn werden in Berln 15 Leichen gefunden - Mitglieder der Gruppe Rote Festung, die Stalins Herrschaft stürzen will. Kommissar Gereon Rath wird bei den Mordermittlungen hinzugezogen. Gleichzeitig bleibt sein Privatleben kompliziert, auch weil die Frau seines Bruders nach Berlin kommt, mit der er seit Langem eine Beziehung hat. Es bleibt also spannend.

Aus ARD-Sicht ist „Babylon Berlin“ ausgesprochen erfolgreich angelaufen - obwohl die Serie streng genommen eine Wiederholung ist. Denn sie war 2017 bereits komplett beim Abo-Sender Sky zu sehen. Und mancher Skeptiker war sicher, das könne nicht gut gehen, wenn sie erst deutlich später ins öffentlich-rechtliche Fernsehen kommt. Dabei ist sie für die ARD „das TV-Ereignis des Jahres“.

Die Serie über Gereon Rath (Volker Bruch), der 1929 aus Köln nach Berlin zunächst ins Sittendezernat versetzt wird, hat schon Sky als großen Erfolg verbucht. Pro Folge hatte „Babylon Berlin“ bei dem Pay-TV-Sender um die 570 000 Zuschauer. Bessere Werte hatte Sky bis dahin nur bei der 7. Staffel von „Game of Thrones“. Doch wer befürchtet hatte, das Thema sei damit durch, wurde nun eines Besseren belehrt. Die Zuschauerzahlen stimmen - obwohl die facettenreiche Geschichte auf der Langstrecke erzählt wird, also nichts für Krimifans ist, die schnell den Mörder präsentiert bekommen wollen.

Zum Auftakt, als das Erste Ende September gleich drei Folgen am Stück auf dem „Tatort“-Sendeplatz am Sonntagabend zeigte, waren im Schnitt 7,83 Millionen Zuschauer dabei. Einen fulminanten Start nannte das ARD-Programmdirektor Volker Herres. Im Durchschnitt hatten die bisherigen acht Folgen 5,99 Millionen Zuschauer - und das nur im klassischen Fernsehen.

„Angesichts der für deutsche Zuschauer und Zuschauerinnen ungewohnten komplexen Erzählweise dieser Serie sind die Quoten durchaus beachtlich“, so die Medienwissenschaftlerin Prof. Joan Bleicher von der Universität Hamburg. „Schließlich richten sich in anderen Ländern wie den USA vergleichbare Serien an ein kleines, gebildetes und gut verdienendes Publikum. Angesichts des Einheitsbreis vergleichbarer Formate stechen Produktionen wie „Babylon Berlin“ allein schon durch ihre visuelle Opulenz und historische Ausrichtung hervor.“

Und mit Darstellern wie Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Fritzi Haberlandt, Hannah Herzsprung und Benno Fürmann ist „Babylon Berlin“ auch noch prominent besetzt. Allerdings verlangt die Serie den Zuschauern einiges ab: Nicht nur, weil sie über 16 Folgen lang dranbleiben müssen, auch weil sie nicht einfach eine Kriminalgeschichte ist: Immer wieder scheinen die politischen Auseinandersetzungen in der Spätphase der Weimarer Republik durch. Und Gereon Rath erkundet in Berlin ausgiebig auch die Subkulturszene der Hauptstadt mit ihren Kneipen und angesagten Clubs.

Komplex ist allerdings auch der Ausstrahlungsrhythmus. Gab es zunächst an einem Sonntag drei Folgen, dann weitere drei an einem Donnerstag, am nächsten Donnerstag dann zwei - danach kommt in der zweiten Hälfte donnerstags immer eine Doppelfolge. „Das Sendeschema ist natürlich eine Herausforderung an die Zeitplanung der Menschen“, erläutert Joan Bleicher. „Gerade an Werktagen werden Sendungen ab 22.00 Uhr von vielen nicht mehr gesehen.“ Das erklärt die Rekordzahl bei den Videoabrufen: Für die ersten acht Folgen waren es bis einschließlich Montag (15. Oktober) rund 4,72 Millionen.

Sicher ist schon jetzt, dass es nach Ende der zweiten Staffel noch weiter geht. Drehstart für die dritte Staffel soll im Spätherbst sein, voraussichtlich im November. Das Drehbuch für die neuen Folgen, um das sich wie gehabt die Regisseure und Autoren Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries kümmern, lehnt sich an Volker Kutschers zweiten Gereon-Rath-Roman „Der stumme Tod“ an.

Für Christine Strobl, Geschäftsführerin von ARD Degeto, muss auch das noch nicht das Ende sein. Zu verfilmen gäbe es noch genug: Der Kölner Bestsellerautor Volker Kutscher hat bereits sieben Gereon-Rath-Krimis geschrieben, der letzte davon erscheint im November. Und Kutscher hat angekündigt, er wolle noch mindestens drei weitere Bände schreiben. Daraus ließen sich noch viele „Babylon Berlin“-Staffeln machen. Joan Bleicher hält das nicht für aussichtslos: Eine vergleichbar aufwendige Inszenierung, interessante Themen, Erzählweisen und Figuren fänden nach ihrer Überzeugung auch künftig das Interesse der Zuschauer.

Von Andreas Heimann, dpa


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