DAUN, 27.10.2015 - 09:40 Uhr
Digital-TV - Entertainment

Digitalmagazin Interview: Christian Heinkele

Was wir heute über die Zukunft des Fernsehens wissen sollten – Fernsehen 4.0

Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus? Diese Frage bewegt die Branche. Auf den Medientagen München platzte der größte Saal beim M7-Panel zum Thema „Was wir heute über die Zukunft des Fernsehens wissen sollten – Fernsehen 4.0“ aus den Nähten. Christian Heinkele, Head of Portfolio Management der M7 Group, sieht signifikante Entwicklungen auf die Branche zukommen, die es bereits beim Auf- und Ausbau des Internets gegeben hat. Eine Überfülle an Inhalten, Individualisierung und Big Data halten immer stärker Einzug in die TV-Welt. Zugleich ändert sich das Verhalten der Zuschauer dramatisch. Im Gespräch mit Digitalmagazin zeigt er auf, wie Plattformbetreiber auf diesen Wandel reagieren können.

Wie entwickeln sich TV und Inhalte in den kommenden Jahren?

Heinkele: Fernsehen und Medienkonsum werden immer individueller. Zugespitzt formuliert erhält  jeder Zuschauer, jede noch so kleine Zielgruppe künftig ihr eigenes Programmangebot. Die Macht und Unabhängigkeit der Endkunden nimmt damit deutlich zu. Plattformbetreiber werden künftig hunderten wenn nicht zig-tausenden Zielgruppen gegenüberstehen. Vielfalt, Qualität und Verfügbarkeit von Inhalten bleiben weiterhin die wichtigsten Differenzierungsmerkmale. Dabei ist es dem Zuschauer letztlich völlig egal, über welche Infrastruktur er seine gewünschten Inhalte konsumiert. Wer auf diese Herausforderung als Plattformbetreiber keine passenden Antworten findet, ist recht schnell Geschichte.

Macht die bisherige Unterscheidung zwischen linearen und non-linearen Angeboten überhaupt noch Sinn?

Heinkele: Ich denke Nein. Der Zuschauer bestimmt, was er sehen will, wie er es sehen will, und wo er es sehen will. So gesehen sind lineare und non-lineare Angebote zwei Seiten derselben Medaille. Es geht letztlich um interessanten Content. Unsere Aufgabe als Plattformbetreiber sehe ich darin, diese Sehgewohnheiten zu unterstützen, die entsprechenden Angebote technisch zu realisieren und so smart wie möglich bereitzustellen.

Wie reagieren Sie darauf?

Heinkele: Für uns gibt es den Begriff der Zielgruppe im engeren Sinne nicht mehr. Wir kennen nur noch Zuschauer mit individuellen und zugleich universellen Sehgewohnheiten, die es zu bedienen gilt. Daher stellen wir unsere Portfolios zunehmend universell auf. Ich denke, wir können hier sehr gut vom Internet lernen. Nach der Phase der rasch wachsenden Anzahl von Webseiten kamen erste Aggregatoren wie AOL, die den Content bündelten. Das Portal als Internetzugang wurde dann von Suchmaschinen wie Google abgelöst. Diese Entwicklung werden TV-Plattformen ebenfalls nehmen. Wir haben eine Vision und sehen uns als das Google des Fernsehens. Hierzu aggregieren wir alle Inhalte unterschiedlichster Anbieter unter dem Dach einer Mega-Plattform für Bewegbild-Entertainment. Für die Verbreitung und den einfachen Zugang zu diesen Inhalten nutzen wir alle verfügbaren technischen Verbreitungswege, ob Satellit, Kabel, IP, OTT oder IPTV. Auf unserer Plattform finden Zuschauer ihre TV-Angebote unterschiedlichster Herkunft ob linear oder als S-VOD in einer extrem breiten Vielfalt. Er benötigt dank dieser Plattform keine unterschiedlichen Accounts mehr bei diversen Anbietern und verheddert sich mit M7 nicht mehr in Zugangsdaten, Übertragungswegen und Empfangsgeräten.

Eine gewagte Vision. Wie wollen Sie diese realisieren?

Heinkele: An Big Data führt in der zukünftigen TV-Welt kein Weg mehr vorbei. Dies gilt auch für unsere Plattformen und wird diese ganz entscheidend prägen. Wer den Zuschauer erreichen möchte, muss dafür sorgen, dass dieser den Content findet. Viel mehr noch müssen wir dem Kunden den gewünschten Content liefern, bevor dieser seinen Wunsch überhaupt äußert. Er erhält von uns aktive Vorschläge, die seine Sehgewohnheiten, seine individuellen Interessen bedienen. Egal ob lineares TV oder Abrufangebot, egal ob via Satellit oder IP. Im Fokus wird die passgenaue Bedienung des Nachfragers stehen. Wir schaffen so einen smarten Marktplatz der Inhalte.

Ändern sich damit nicht auch Bezahlmodelle und die Werbung?

Heinkele: Prinzipiell müssen wir über die Art und Weise, wie jeder einzelne Zuschauer zahlen kann, nachdenken. Die zunehmende Individualisierung führt weg von starren Gebührenmodellen in Richtung jeder kann so zahlen wie er es möchte. Der eine Zuschauer bleibt bei der Monatsgebühr, während der andere Kunde Micro-Payments vorzieht. Viel entscheidender ist aber die Individualisierung beim werbefinanzierten TV-Entertainment Wer seine Kunden kennt, kann diese individuell ansprechen. Gerade hier bieten Big Data gestützte Plattformen praktische Lösungen. Denn wenn alle wichtigen Informationen und Nutzungsdaten der Zuschauer vorliegen, sind völlig neue Formen der gezielten, individualisierten Werbeansprache möglich. Der Streuverlust für Werbetreibende reduziert sich so radikal, der Endkunde sieht nur Werbung mit Relevanz und genau diese Relevanz führt letztendlich auch zu steigenden Erlösen.

 

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