DAUN, 26.09.2014 - 10:17 Uhr
Digital-TV - Programme

Interview mit ZDF-Fernsehspielchef - Private sollen mehr Geld in die Hand nehmen

(dpa) - Netflix kann kommen - das ZDF-Fernsehspiel fühlt sich gewappnet angesichts neuer TV-Plattformen und ihres Angebots aus dem Ausland. Die privaten deutschen Mitbewerber könnten aber ruhig kräftiger aufs Gaspedal drücken, um das Fiction-Geschäft zu beleben, meinte ZDF-Fernsehspielchef Reinhold Elschot im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die Konkurrenz schläft nicht. Plattformen im Internet überziehen den Markt. Watchever läuft, Netflix ist gerade in Deutschland gestartet. Wie wappnet sich ein Sender wie das ZDF?Ganz einfach gesagt: mit mehr Relevanz und mehr Unterhaltsamkeit. Wir werden jetzt nicht den Totengesang des etablierten Fernsehens anstimmen. Unseren „Fernsehfilm der Woche“ zum Beispiel nehmen die Menschen gut an. Die Quoten steigen, die Demografie ist gut. Insgesamt gesehen hat Deutschland weltweit eines der besten TV-Angebote, was - in aller Bescheidenheit - gerade ein Verdienst von ARD und ZDF ist. Jeder andere, der in den Markt eintritt, ob Watchever oder Netflix, wird es schwer haben. Zugleich sind wir gewiss gut beraten, unsere eigene Mediathek besser zu nutzen als zusätzlichen Abspielweg, schon weil der Beitragszahler auch Anspruch darauf hat zu sehen, was er finanziert hat.

Zurück zu Relevanz und Unterhaltsamkeit. Lässt sich ja leicht sagen. Wie füllen wir diese Begriffe mit Inhalt?Wir müssen Themen, die aktuell diskutiert werden, bespielen. Dazu gehört auch der Umgang mit Krankheit, mit dem Krebs, wie beim bewegenden Drama „Wenn es am schönsten ist“ mit Heino Ferch, das wir gerade im Programm hatten. Oder die jüngere deutsche Geschichte, wie bei „Für immer ein Mörder - Der Fall Ritter“ mit Hinnerk Schönemann. Und mit Unterhaltsamkeit meine ich: spannendes TV, es darf nie langweilig werden.

Inwieweit werden Sie Ihren eigenen Ansprüchen in Zeiten knapper Budgets gerecht?Die Behauptung, Budgets würden zurückgefahren, stimmt so nicht. Ich bin seit fünf Jahren zurück im ZDF. Seitdem beobachte ich kontinuierlich steigende Etats bei unseren Fernsehfilmen. Aber auch die Gagen der Schauspieler sind höher, die Ausstattung, die Kameras sind besser geworden. Wir zeigen jährlich etwa 25 Erstausstrahlungen, ein Film kostet etwa 1,4 Millionen Euro. Investitionen, die lohnen.

Der ARD-„Tatort“ bringt es auf gute 40 Premieren im Jahr - wäre das nicht auch die anzustrebende Hausnummer für den Montagsfilm?Wir vergleichen den „Tatort“ ja eher mit unserem „Samstagskrimi“, und da kommen wir schon auf fast 30 Premieren im Jahr, sind also auf ganz gutem Weg. An die „Tatort“-Quoten werden wir allerdings erst einmal nicht herankommen - schon weil der Sonntag der Tag mit der höchsten TV-Nutzung ist und der „Tatort“ wirklich ein stand-alone-Erfolg ist, vor dem man nur den Hut ziehen kann. Aber wir haben ja im Frühjahr am Samstag neue Krimireihen gestartet und waren damit auf Anhieb sehr erfolgreich, etwa mit „Helen Dorn“ und Anna Loos oder „Kommissarin Heller“ mit Lisa Wagner.

Aber vielfach ist nur ein Stöhnen über die vielen Krimis zu hören.Ach ja, da ist ja schon die Frage, wer warum stöhnt. Die Zuschauer stöhnen ja eher nicht, sondern schauen unsere Kriminalfilme und Thriller - ich behaupte mal: weil sie einfach gut sind. Und bei uns ist Krimi ja nicht gleich Krimi - er kann ein Familiendrama sein oder ein Genrefilm, Krimi ist oft nur die Verpackung für einen interessanten Stoff.

Wenn „Wetten, dass..?“ am Samstag verschwindet, bieten sich doch jährlich sechs neue Sendeplätze für Krimis?Nein - die Show entwickelt bereits neue Formate für diese Sendeplätze. Aber wir bringen schon weitere neue Samstagskrimis. „Dengler“ mit Ronald Zehrfeld startet im nächsten Jahr, „Die Wallensteins“ in Dresden mit Anja Kling auch. Hannelore Hoger hört ja leider auf, ihre letzte „Bella Block“ zeigen wir wohl Anfang 2016. Ich bedaure das sehr, aber wir sprechen mit ihr über neue Projekte.

„Unsere Mütter, unsere Väter“ hatte Relevanz, war Gesprächsthema. Ist für den Winter ein Mehrteiler zu erwarten mit ähnlichem Kaliber?Wir zeigen den Dreiteiler „Tannbach“, ein Dorf im Deutschland von 1945, das von Sowjets und Amerikanern geteilt wurde - der Anfang der deutschen Teilung mit Nadja Uhl, Martina Gedeck, Heiner Lauterbach und Henriette Confurius. Darüber wird man reden. Auch „Das Zeugenhaus“ nach dem Buch von Christiane Kohl wird Thema sein - ein sehr besonderer Film von Matti Geschonneck zu den Nürnberger Prozessen, mit einer ersten Riege unserer Schauspielerinnen und Schauspieler, Iris Berben, Matthias Brandt, Tobias Moretti, Gisela Schneeberger, Edgar Selge und manche mehr sind dabei.

Kommt es Ihrer Arbeit zugute, dass sich die Privatsender bei der Produktion eigener Filme weitgehend zurückhalten?Für die Privatsender ist die Investition in Filme ein hohes Risiko, weil sich das ja amortisieren muss. Sie müssen Geld verdienen. Es wäre aber für uns alle, auch für die Produktion, Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure, gut, wenn RTL, Sat.1 und ProSieben wieder mehr Geld für Filme in die Hand nehmen würden. Konkurrenz belebt ja bekanntermaßen das Geschäft.


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