ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut - © Foto: ZDF, Ralph Orlowski -
DAUN, 02.07.2018 - 08:55 Uhr
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Marktlage „rasant verändert“ - ZDF will bei OTT-Plattform aufs Kartellamt zugehen

Das ZDF will das Gespräch mit dem Bundeskartellamt suchen, um auszuloten, ob sich die Rahmenbedingungen für eine gemeinsame OTT-Plattform der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder eine Plattform zusammen mit anderen Sendern geändert haben. Das kündigte ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut am 29. Juni 2018 auf der Pressekonferenz nach der Sitzung des ZDF-Fernsehrats in Mainz an.

Bellut erinnerte daran, dass das Kartellamt vor einigen Jahren gemeinsame Anläufe von ARD und ZDF (Projekt Germany's Gold) sowie von RTL und ProSiebenSat.1 (Projekt Amazonas) untersagt habe. Die Marktlage habe sich inzwischen jedoch „rasant verändert“, es seien noch stärkere Akteure mit hohem Konzentrationspotenzial auf dem Markt, betonte Bellut.

Der ZDF-Intendant bestätigte, dass ProSiebenSat.1 und Discovery den Mainzer Sender zur Beteiligung an ihrer geplanten OTT-Plattform eingeladen haben, hielt sich aber mit einer konkreten Beurteilung zurück, weil das Angebot noch im Aufbau sei. Grundsätzlich hält das ZDF eine gemeinsame Plattform verschiedener Sender für den besten Weg:

„Fest steht, dass das ZDF immer noch auf der Suche ist nach einer Plattform, wo deutsche Inhalte - Fiction, Dokus - angeboten werden können. Denn wir sind der Überzeugung, dass nur eine Zusammenarbeit mit vielen Sendern eine solche sinnvolle Anbietung von Inhalten möglich macht“, sagte Bellut. Große Bedeutung spielt dabei die

Auffindbarkeit: „Es ist ein wichtiger Punkt, dass deutsche Inhalte, kreative Leistungen aus diesem Lande auch so angeboten werden, dass die Nutzer sie auch finden können“, unterstrich Bellut.

Mit Blick auf die verschiedenen Vorschläge für Streaming-Plattformen stelle man zunächst immer die Frage: „Was kostet es, wie viel Personal benötigt man, hat die Plattform die Chance, dauerhaft auch wirklich erfolgreich zu sein?“, sagte Bellut. „Wenn wir etwas anpacken, machen wir es ja auch, um im Markt überhaupt bemerkt zu werden.“

Unterschieden werden müsse: Geht es um eine Zusammenarbeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten ohne Bezahlung für die Nutzer? Das sei relativ einfach. Wenn es um Video-on-Demand (VoD) gegen Bezahlung gehe, werde es schwieriger, erklärte Bellut. „Das Modell muss stimmen.“ Derzeit gelte die Priorität: „ZDFmediathek first“, dann folgen verschiedene andere Plattformen.

ProSiebenSat.1 und Discovery hatten am 25. Juni 2018 bekannt gegeben, dass sie die führende deutsche OTT-Plattform aufbauen wollen, indem sie ihr bestehendes gemeinsames Streaming-Angebot 7TV, den VoD-Dienst maxdome und den Eurosport Player zusammenlegen. ARD, ZDF und RTL wurden zur Beteiligung eingeladen. Die nach dem Modell der US-Plattform Hulu entworfene zentrale Anlaufstelle der größten TV-Sender soll in der ersten Jahreshälfte 2019 starten. Neben Livestreams der Sender soll es eine Mediathek sowie Hollywood-Filme und Sport geben. Geplant sind ein kostenfreies, werbefinanziertes Angebot, ein werbefreier Abo-Dienst und Premium-Pakete mit exklusivem Sport und Spielfilmen. In den ersten beiden Jahren soll die Plattform 10 Millionen Nutzer erreichen.

RTL reagiert eher verhalten auf die Einladung von ProSiebenSat.1 und Discovery, schließt eine Beteiligung aber nicht kategorisch aus.

„Grundsätzlich sind wir offen für Kooperationen und Allianzen, wenn sie zu unserem Geschäftsmodell passen und wenn sie rechtlich darstellbar sind“, sagte ein Sprecher der Mediengruppe RTL Deutschland gegenüber InfoDigital. „Wir konzentrieren uns konsequent auf unsere eigene Strategie, den Ausbau von TV NOW, und möchten dabei nicht an Geschwindigkeit verlieren. Das schließt aber nicht aus, dass wir auch Gespräche führen.“ Die ARD erklärte auf Nachfrage, dass man sich zu den Plänen von ProSiebenSat.1 und Discovery nicht äußern wolle.

 

Von Dr. Jörn Krieger


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