DAUN, 19.02.2014 - 15:35 Uhr
Programme - Digital-TV

ZDF hält weiter zu Lanz und plant Winter-„Wetten, dass..?“

Interview mit Oliver Fuchs, ZDF-Unterhaltungschef

(dpa) – Das ZDF glaubt trotz zuletzt massiver Kritik weiter an Markus Lanz als Moderator des Unterhaltungsklassikers „Wetten, dass..?“. Die Hallentermine sind für die erste Hälfte des Jahres 2015 gebucht, Unterhaltungschef Oliver Fuchs (46) plant sogar ein Winter-„Wetten, dass..?“, wie Fuchs in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte. „Wir halten für den geplanten Zeitraum fest zu Markus Lanz“, fügte Fuchs hinzu. „Ich habe erst vor ein paar Tagen mit ihm telefoniert. Er will weitermachen.“

Ihr einstiges Aushängeschild, „Wetten, dass..?“, leidet unter sinkenden Quoten. Wie lange hält der Sender noch zur Show?

Fuchs: Wir planen ganz normal weiter, die Hallentermine sind bis zu den ersten drei Veranstaltungen im Jahr 2015 gebucht. Wir beabsichtigen sogar erstmals ein Winter-„Wetten, dass..?“ zum nächsten Jahreswechsel.

Kommt bei sinkender Akzeptanz für „Wetten, dass..?“ auch ein Mittwochabend als Ausstrahlungsplatz in Frage?

Fuchs: Nein.

Moderator Markus Lanz steht stark unter Beschuss. Zuletzt forderten mehr als 230.000 Unterzeichner einer Online-Petition die Absetzung seiner Talkshow. Können Sie noch ernsthaft auf Lanz setzen?

Fuchs: Wir halten für den geplanten Zeitraum fest zu Markus Lanz. Ich habe erst vor ein paar Tagen mit ihm telefoniert. Er will weitermachen.

Aber ist er nicht angeschlagen, beschädigt?

Fuchs: Ich bin erstaunt und registriere mit hohem Respekt, wie er mit der geballten Kritik umgeht. Er ist eine Kämpfernatur. Er hat nicht umsonst Expeditionen zum Nordpol und zur Antarktis bestritten und macht erst recht weiter, wenn andere es nicht mehr tun würden.

Wie erklären Sie sich diese hohe Abneigung gegen Lanz?

Fuchs: Er ist einfach von der Kritik zu erfassen: Markus bietet eine regelmäßige Fläche an, weil er die größte Samstagabendshow präsentiert und drei Mal die Woche im ZDF talkt. Er ist getrieben von sich selbst im positiven Sinne, er will etwas sagen, er hat Ziele. Er polarisiert, er gehört nicht zur Riege der Gesichtsvermieter, die nichts mitzuteilen haben und nur von der Karte ablesen.

Halten Sie es für ausgeschlossen, dass eines Tages Thomas Gottschalk, wenn er möglicherweise ohne großen Erfolg 2015 von RTL verabschiedet wird, der Messias von „Wetten, dass..?“ sein wird?

Fuchs: Ist er ein Messias? Darüber ließe sich beim Rotwein philosophieren. Aber diese Frage stellt sich nicht in der Realität!

RTL hat Bohlen, die ARD hat Ihnen Pilawa genommen, Pro Sieben verlässt sich auf die Kreativität Raabs. Hat das ZDF nicht ein Köpfe-Problem im Showbereich?

Fuchs: Die große Frage ist jetzt: Wo gehen wir hin? Wo positionieren wir uns? Welche Art von Show wollen wir? Wir müssen unseren eigenen Weg zwischen „DSDS“ auf RTL und „Dalli Dalli“ in der ARD [ARD-Titel: „Das ist Spitze!“] finden.

Wo mag der denn sein?

Fuchs: Infotainment ist eine Möglichkeit. Zum Beispiel Christian Rach mit „Rach tischt auf", eine Hybridform zwischen Information und Unterhaltung. Wir testen im Sommer auf dem Sendeplatz der „heute-show“, die zwölf Mal am späten Freitagabend nicht gesendet wird, neue Formate im Infotainment. Zum Beispiel ein Verbraucher-Comedy-Panel mit dem Titel „Ohne Garantie“. Und eine Wissenschafts-Panel-Show.

Bedeuten diese Hybride aus Information und Unterhaltung langfristig das Aus für die klassische Show?

Fuchs: Wir zeigen die Klassiker natürlich weiter. Johannes B. Kerner macht zwar nicht mehr seine „große Zeitreise“ wie zu seiner Rückkehr im vergangenen Jahr, aber mit ihm senden wir zwei Mal im Frühjahr und zwei Mal im Herbst den „Quizchampion“. Zwei weitere Formate für den Juni und Juli haben wir mit ihm noch im Auge. Außerdem kommt eine Gala zu Udo Jürgens’ 80. Geburtstag und nicht zu vergessen im Frühjahr und Herbst Michelle Hunzikers „große Überraschungsshow“.

Wäre ein älter werdender, reiferer Stefan Raab nicht ein großer Coup fürs ZDF?

Fuchs: Wir haben darüber nicht geredet. Man darf nicht vergessen, dass Raab verhaftet ist in seiner Welt bei Pro Sieben. Gute Moderatoren verdienen so viel Geld – ich weiß nicht, ob wir uns die wirklich leisten können.

Und wo sind die jungen Talente?

Fuchs: Zum Beispiel sind Jan Böhmermann oder Philip Simon bei uns, für die ZDF Neo zurzeit viel Fläche bietet. Und auch Alexander Mazza, der Silvester am Brandenburger Tor moderierte oder Miriam Weichselbraun, die bei uns in verschiedenen Shows aufgetreten ist. By the way: Michelle hatte in Deutschland auch noch keine eigene Show.

Wenn ich an die ARD, RTL oder Pro Sieben denke, fallen mir sofort die Showtermine ein: donnerstags und samstags. Beim ZDF komme ich ins Grübeln. Der gelernte Showtag wie zum Beispiel der Montag für den Fernsehfilm im ZDF, den gibt es nicht.

Fuchs: Wir wollen Shows alternierend zu den Champions League-Übertragungen auch an Mittwochabenden etablieren.

www.zdf.de

Zur Person: Oliver Fuchs (46), gebürtiger Schweizer, war vor seinem Wechsel zum ZDF 2012 neun Jahre lang Geschäftsführer der Firma Eyeworks, einer der größten unabhängigen TV-Unterhaltungsproduzenten. Zuvor war er bei Fremantle, Pearson und Stormy Entertainment tätig. Fuchs lebt bei Bonn, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

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