DAUN, 03.01.2014 - 16:29 Uhr
Programme - Digital-TV

ZDF-Kindernachrichten „logo“ werden 25 – Hahne: Vorbild für alle News

Interview mit Peter Hahne, ZDF-Moderator

(dpa) – Moderator Peter Hahne (61) sieht die ZDF-Kindernachrichten „logo“ als Vorbild für alle Nachrichten im „Erwachsenenprogramm“ an. Zum 25. Jubiläum der Sendung sagt er im dpa-Interview: „‚Logo’ ist die einzig wahre Schule für Nachrichtenmacher. (...) Was heute teilweise noch über Sender läuft an klassischem Nachrichten-‚Kauderwelsch’, wäre mit einer ‚logo’-Schule undenkbar.“ Es gehe um kurze Sätze, einfache Worte und eindrucksvolle Bilder. Dabei gelte aber: „Kindgerecht darf nie kindisch wirken, Kinder wollen ernst genommen werden.“

Sie haben die Kindernachrichten „logo“ mit entwickelt. Wie kam es dazu, was hat Sie daran gereizt?

Hahne: Ich war Moderator im „heute-journal“, und bei der Gründung von „logo“ sollte einer dabei sein, der in der sehr jungen Redaktion die Erfahrungen eines „erwachsenen“ Nachrichtenmachers einbringt. Das hat mich von vornherein fasziniert, denn nichts ist schwieriger, als Kindern die Welt zu erklären. Eltern wissen das. Monatelang hatten wir Pilotsendungen, haben in Klausuren geübt, haben uns der Kritik von Kindern ausgesetzt – das war knallharte Knochenarbeit.

Was zeichnet das Format Ihrer Ansicht nach aus?

Hahne: „Logo“ ist die einzig wahre Schule für Nachrichtenmacher, das sage ich unseren Volontären und Jungredakteuren immer wieder. Was heute teilweise noch über Sender läuft an klassischem Nachrichten-„Kauderwelsch“, wäre mit einer „logo“-Schule undenkbar. Nachrichten müssen mit kurzen Sätzen, einfachen Worten und eindrucksvollen Bildern formuliert werden, dürfen keine Abkürzungen und Fachbegriffe voraussetzen, müssen bei jedem Satz um Verständlichkeit und Einfachheit ringen, ohne dabei Inhalt und Niveau zu verlieren. Deshalb ist es kein Wunder und für mich das größte Kompliment, wenn mir Erwachsene sagen: Ich schaue „logo“, weil ich da alles verstehe.

Wie sollten Nachrichten für Kinder denn geschaffen sein? Was ist das Besondere an ihnen?

Hahne: Sie müssen ohne Fremdworte und verschwurbelte Feuilleton-Sätze auskommen. Jede Abkürzung, jeder Fachbegriff muss erklärt werden mit kindgerechten Grafiken, Beispielen und Filmen. Kindgerecht darf nie kindisch wirken, Kinder wollen ernst genommen werden. Es darf nicht wie Schule wirken, auch nicht anbiedernd, onkelhaft und verniedlichend in einer Pseudo-Kindersprache. Kinder vertragen den Duktus von Nachrichtensprache und wissen den Unterschied zum „Pausenhof-Slang“, nur so führen wir sie zu den „großen“ Nachrichten und machen sie politikinteressiert.

Sollten alle Themen in Kindernachrichten eine Rolle spielen oder einige ausgespart werden?

Hahne: Kinder wollen ernst genommen werden, deshalb darf nichts ausgespart werden, was man in den anderen TV-Nachrichten ohnehin sehen kann. Besser, man packt auch heiße Eisen an und erklärt sie, indem man kindgemäße Mittel einsetzt, als dass man Kinder schrecklichen Bildern ohne behutsame Beschreibung aussetzt.

In den ersten zwei Jahren waren Sie auch Moderator der Sendung. Können Sie sich an ungewöhnliche Momente erinnern? Welche Nachricht fiel Ihnen am schwersten zu erklären?

Hahne: Bei einer Außenübertragung, bei der Kinder dabei waren, sagte ich zum Schluss: „Und das schreibt euch mal hinter die Ohren.“ Prompt sagte ein Mädchen neben mir: „Aber hinter Ohren kann man doch nicht schreiben!“ Will sagen: Bei Kindern muss man immer präzise formulieren und darf keine Floskeln und Phrasen verwenden. Bei einer Sendung aus einem Tierpark wollte ich die Anmoderation auf einem Esel reitend machen, doch der Esel wollte nicht so, wie ich will. Diese Szene verfolgt mich nun bei jedem Personality-Film. Alle Meldungen, die von Tod und Krankheit, von Terror und Krieg handeln, sind gerade für Kinder schwer zu erklären. Hier ist Einfühlungsvermögen gefragt, was ich mir auch bei den „Erwachsenen-Nachrichten“ verstärkt wünschen würde.

www.zdf.de

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