DAUN, 11.07.2018 - 14:24 Uhr
Digital-TV - Programme

Streit um Fernsehpiraterie: Sorgen bei FIFA und WM-Gastgeber Katar

(dpa) - Ein politisch aufgeladener Wirtschaftskrimi um Fernsehpiraterie sorgt für Unruhe beim nächsten WM-Gastgeber Katar und betrifft auch Sportevents von der Bundesliga über die Formel 1 bis Wimbledon. Der Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 appelliert kurz vor Ende des Turniers in Russland an internationale TV-Anstalten und Verbände für eine konzertierte Aktion gegen den in Saudi-Arabien aktiven Fernsehsender BeoutQ. „Jede Verletzung der Rechte von TV-Sendern, für die diese viel Geld bezahlt haben, ist absolut nicht fair“, sagte Nassir al-Chatir, Vize-Chef des WM-Organisationskomitees, der Deutschen Presse-Agentur in Moskau.

„Alle Sender, auch die nicht direkt betroffen sind, sollten Stellung beziehen. Alle Verbände sollten ebenfalls Farbe bekennen.“ Die FIFA erklärte wenig später, dass der Weltverband in Saudi-Arabien rechtliche Schritte wegen des „Piratenunternehmens“ eingeleitet habe. Zudem forderte der Weltverband das Königsreich und weitere arabische Staaten auf, „uns in dem Kampf gegen Piraterie zu unterstützen“.

Die Auseinandersetzung ist eines der deutlichsten Zeichen, dass die Krise am Golf mit den Hauptakteuren Katar und Saudi-Arabien längst auch den Weltsport erreicht hat. Für zahlreiche Events, darunter die WM in Russland und 2022 in Katar sowie die Fußball-Bundesliga, hat der katarische Sender beIN Sports die Rechte für die arabische Welt.

Dieser besitzt in Saudi-Arabien aber keine Sendelizenz mehr. Die Regierung in Riad wirft dem Sender vor, er habe unrechtmäßig ein Monopol auf die Übertragungsrechte erworben - und hindere nun Fans daran, ihren Lieblingssport frei im Fernsehen zu verfolgen.

Diese Lücke schließt der Sender BeoutQ, der unter anderem in Saudi-Arabien Sportereignisse zeigt, ohne dafür die Rechte zu besitzen. Auch Spiele der Bundesliga. Das „saudi-arabische Piratenangebot BeoutQ“ sei „von der DFL in keiner Weise autorisiert, Bundesliga-Inhalte zu verbreiten“, teilte die Deutsche Fußball Liga auf Anfrage mit. Es gelte aufzudecken, „wer für die Piraterie verantwortlich ist“, um an die Verantwortlichen heranzutreten. „Darüber hinaus behält sich die DFL weitere juristische Maßnahmen und Aktivitäten über politische Wege vor.“

Die Tennis-Dachorganisationen forderten während Wimbledon die „sofortige Schließung des illegalen, in Saudi-Arabien ansässigen Piratennetzwerks BeoutQ“. Das Königreich wies die Anschuldigungen in einer Stellungnahme allerdings deutlich zurück und bezeichnete Aussagen, dass der Sender aus Saudi-Arabien stamme, als „bösartige Lüge“.

Anfang Juni 2017 hatte Saudi-Arabien zusammen mit seinen Verbündeten Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten eine Blockade über Katar verhängt. Offiziell werfen die vier Staaten dem reichen Emirat vor, den Terror zu unterstützen. Sie stören sich nicht zuletzt daran, dass der kleine Nachbarstaat gute Beziehungen zum schiitischen Iran pflegt, dem Erzrivalen des sunnitischen Saudi-Arabiens.

Bei dem Konflikt geht es darüber hinaus um nicht weniger als eine mögliche zukünftige Vormachtstellung auf der politischen Bühne des Weltfußballs. Saudi-Arabien versucht seinen Einfluss zu vergrößern.

So rief das Königreich unter seiner Führung einen eigenen Fußballverband ins Leben, die Fußball-Föderation Südwestasien mit 13 Mitgliedern.

Die Gründung ist auch als Reaktion auf den starken Einfluss zu sehen, den Katar auf den internationalen Fußball besitzt. Zudem gilt Saudi-Arabien als einer der treibenden Kräfte hinter einem Angebot von 25 Milliarden Dollar von Investoren an die FIFA zur Übernahme von internationalen Wettbewerben. Weltverbandschef Gianni Infantino konnte das FIFA-Council bislang noch nicht von einer Annahme der Offerte überzeugen.

Im TV-Rechtestreit hatte die FIFA während der WM erklärt, dass „ein Piraten-Kanal namens BeoutQ illegal“ Spiele zeige. Der Weltverband versuche, „alle Optionen auszuloten, um die Verletzung von Rechten“ zu verhindern. Das Thema dürfte den Weltfußball auch nach Ende der WM in Russland noch weiter beschäftigen, beIN Sports besitzt die Übertragungsrechte bis 2030.

Je näher die Fußball-WM 2022 in dem Golfemirat nun rückt, desto schärfer dürften auch die Töne aus Riad werden. Für Saudi-Arabien wäre es eine nur schwer zu verschmerzende Demütigung, wenn sich sein Team für das Turnier qualifizieren sollte und dann beim ungeliebten Nachbarn antreten müsste. So ist nicht auszuschließen, dass das ölreiche Königreich in den kommenden Monaten erhebliche Ressourcen dafür aufwenden wird, um die Austragung der WM in Katar noch zu verhindern.

Von Florian Lütticke und Jan Kuhlmann, dpa


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