DAUN, 19.12.2018 - 15:21 Uhr
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Verklärte Strategin - Arte zeigt Zweiteiler über Maria Theresia

(dpa) - Anfang des 18. Jahrhunderts war an Feminismus noch nicht zu denken. Zeitgleich wurde in Österreich eine Frau zur ersten und letztlich einzigen Monarchin, weil ein männlicher Nachkomme fehlte.

Der Zweiteiler „Maria Theresia“ (28. Dezember, 20.15 Uhr, Arte) verknüpft die beiden Themen und erzählt die Geschichte einer selbstbewussten und kämpferischen jungen Frau, die sich gegen die Skeptiker durchsetzt und auf den Thron steigt - und macht dabei Maria Theresia (1717-1780) zur Heldin.

Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Sorge um die Thronfolge in der Habsburger-Monarchie, im zweiten Teil geht es um die ersten großen Herausforderungen ihrer Regentschaft, unter anderem den Verlust Schlesiens an Preußen. Maria Theresia, überzeugend und facettenreich dargestellt von Burgtheater-Schauspielerin Marie-Luise Stockinger (26), wird dabei Stück für Stück zur abgeklärten Strategin, die auch Emotionen zulassen kann, sich aber vor allem für den Erhalt ihres Reiches einsetzt.

Maria Theresia wurde 1740 Regentin Österreichs. In ihre 40 Jahre lange Regierungszeit fielen der Österreichische Erbfolgekrieg und der Siebenjährige Krieg und damit die Feindschaft zu Preußen. Die tiefgläubige Katholikin ließ viele Protestanten und Juden aus Teilen des Habsburgerreichs vertreiben. Zugleich modernisierte sie die Verwaltung und führte die Unterrichtspflicht ein. Maria Theresia bekam 16 Kinder und wurde nicht zuletzt als engagierte Mutter bekannt. Während sie selbst eine Hochzeit aus Liebe feierte, verfolgte sie für den eigenen Nachwuchs eine sehr strategische Heiratspolitik - und wurde zur „Schwiegermutter Europas“.

Im Film, der die ersten 25 Lebensjahre der Herrscherin beleuchtet, macht sie irgendwie alles anders - und fast alles besser - als die Generation vor ihr. Maria Theresia kümmert sich im Film selbst um ihr Studium der Politik und Geschichte, für ihre eigene Liebeshochzeit entwickelt sie selbst die machtpolitische Strategie. Mit der Eheschließung von Franz Stephan und Maria Theresia weht ein anderer Wind durch die Hofburg, Emotionen werden ausgelebt, der Nachwuchs wird mit Freude und nicht allein für die Thronfolge gezeugt. Um die Kinder würde sich das junge Paar auf dem Fernsehschirm am liebsten komplett selbst kümmern.

Vieles davon basiert auf einer stabilen historischen Grundlage - und wird vor allem im ersten Teil des Films doch anstrengend überzeichnet. Die junge Herrscherin wird zur Vorkämpferin für Gleichberechtigung hochstilisiert, ihre Schattenseiten werden fast vollständig ausgeblendet. Immerhin: Mit fortschreitender Zeit wird das Spannungsfeld aus Macht, Politik und dem Wunsch nach einem idyllischen Familienleben sehr viel deutlicher herausgearbeitet. Die Monarchin kommt dann immer öfter an ihre - auch emotionalen - Grenzen.

Im Gegensatz zum ersten Teil werden diese leidenschaftlichen Momente später nicht mehr innerhalb von Sekunden und damit viel zu früh durch aktuelle politische Ereignisse unterbrochen. Das ist gut für den Zuschauer, der die Emotionen so viel intensiver miterleben kann, und gut auch für die Schauspieler - vor allem Stockinger - die in diesen Situationen ihre Bandbreite viel besser ausspielen kann.

Die vor der Kamera noch recht unerfahrene Darstellerin der Maria Theresia trägt dabei den gesamten Film. Es gibt nur äußerst wenige Szenen, in denen sie nicht zu sehen ist. Die 26-Jährige spielt die Monarchin als selbstbewusste, aufmüpfige Frau, frech und bestimmend, als Betrogene auch verletzlich. Die ansprechende Leistung wurde mit dem beliebten österreichischen Film- und Fernsehpreis „Romy“ in der Kategorie Newcomer gewürdigt.

Insgesamt reiht sich der Film von Regisseur Robert Dornhelm (70, „La Bohéme“) und Drehbuchautorin Miroslava Zlatnikova mit prunkvollen Kostümen und ein paar Intrigen in die inzwischen lange Liste der Spielfilme über die Verhältnisse an den Höfen Europas ein - und lässt Spielraum für mehr.


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