DAUN, 11.04.2018 - 08:55 Uhr
Digitale Welt - Internet

ARD und ZDF verteidigen Facebook-Präsenz

ARD und ZDF sehen Facebook als wichtige Informations- und Kommunikationsplattform und lehnen die Forderung des Fachverbands Rundfunk- und BreitbandKommunikation (FRK) ab, das umstrittene Social-Media-Netzwerk angesichts des jüngsten Datenskandals und der ungeklärten Verwertung der Nutzerdaten zu verlassen.

„Auch innerhalb des ARD-Senderverbunds - in dem die Landesrundfunkanstalten weitgehend autonom agieren - werden die Fragen rund um Facebook kritisch diskutiert. Und dies nicht erst seit Beginn des jüngsten Datenskandals“, erklärte die ARD in einer Stellungnahme gegenüber InfoDigital.

„Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die ARD - wie andere 'klassische' Medien - Facebook keineswegs mit groß gemacht hat, sondern vielmehr erst nach einer Phase abwartender Prüfung auf Plattformen dieser Art aktiv geworden ist - nachdem sich Facebook zu einer relevanten Plattform mit Millionen von Nutzern entwickelt hatte. Die ARD ist dabei von dem Grundgedanken geleitet, dass wir Nutzer mit unseren Angeboten dort 'abholen' müssen, wo sie sich bewegen, eben auch auf Plattformen wie Facebook. Dazu kommt der Grundsatz, dass wir die Debatten in den sozialen Medien nicht jenen überlassen dürfen, die mit einseitigem Content oder gar Hetze versuchen, Meinungen zu manipulieren - diese Gefahr würde wachsen, würden wir uns dort ruckartig zurückziehen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, mit professionell recherchierten Informationen und Fakten-basierten Inhalten Debatten zu versachlichen."

„Gleichzeitig arbeitet der ARD-Senderverbund daran, eigene Plattformen attraktiver zu machen, um angesichts der Dominanz großer US-amerikanischer Player im Internet Alternativen anzubieten, die verantwortungsvoll mit den Daten der Nutzer umgehen. Ein Ziel ist dabei, Menschen wieder für Inhalte jenseits von Facebook zu begeistern: für Mediatheken, Websites, Apps“, heißt es in der ARD-Stellungnahme.

„Der amtierende ARD-Vorsitzende, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, hat zudem eine Debatte über eine mögliche gemeinsame Plattform öffentlich-rechtlicher Qualitätsanbieter mit den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen auf deutscher oder europäischer Ebene angestoßen. Ungeachtet dessen berichtet der ARD-Senderverbund an vielen Stellen ausführlich über den Facebook-Datenschutzskandal und klärt auf, wie man - selbst wenn man Facebook nutzt - das eigene Profil besser vor dem Zugriff von Apps und anderen Anwendungen schützen kann. Genau diese Inhalte erreichen auch auf Facebook & Co. das passende Publikum.“

Auch das ZDF verteidigt sein Engagement bei Facebook und lehnt einen Ausstieg ab. „Die Facebook-Seiten des ZDF und seiner Redaktionen sind wichtige Plattformen für den Austausch mit dem Publikum. Ein Rückzug davon ist nicht geplant“, sagte ein ZDF-Sprecher gegenüber InfoDigital. „Unabhängig davon setzt sich das ZDF mit Facebook und dem aktuellen Datenskandal in seiner Berichterstattung journalistisch kritisch auseinander.“

Der FRK hatte zuvor ARD und ZDF zum sofortigen Rückzug aus Facebook aufgefordert.

„Mit Rundfunkgebühren finanzieren ARD und ZDF seit Jahren den gezielten Ausbau ihrer Reichweite auf Facebook. In dieser Zeit haben sie dem Unternehmen viele Millionen Nutzerdaten ihrer Zuschauer zugeführt, von denen niemand weiß, wie diese verwertet und von wem diese letztlich genutzt werden. Es kann doch nicht sein, dass Facebook noch länger gebührenfinanziert unterstützt wird und damit die Zuschauer den Missbrauch ihrer eigenen Daten mitfinanzieren“, kritisierte der FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte. Er wundert sich besonders über die Inkonsequenz der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: „Auf der einen Seite berichten alle ARD-Sender und das ZDF quasi rund um die Uhr über den Skandal, um auf der anderen Seite ihre Zuschauer weiterhin gebührenfinanziert zur Nutzung von Facebook zu verleiten. Dabei geht inzwischen selbst das Bundeskartellamt davon aus, dass Facebook seine Marktmacht gegenüber den Kunden durch die Art und Weise, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, missbraucht.“

 

Von Dr. Jörn Krieger


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