DAUN, 03.04.2018 - 13:38 Uhr
Digitale Welt

ARD/ZDF beenden Kabelstreit und zahlen Einspeiseentgelte

Neue Sender, Mediatheken und Abruffunktionen

Die ARD und die beiden großen Kabelgesellschaften Vodafone (ehemals Kabel Deutschland) und Unitymedia haben ihren Streit um die Zahlung von Einspeiseentgelten für die Kabelverbreitung der öffentlich-rechtlichen Sender beigelegt. Das ZDF erzielte eine entsprechende Einigung mit Vodafone, nicht aber mit Unitymedia. Im Rahmen der Vereinbarungen schlossen die Beteiligten neue, langjährige Partnerschaften für die Kabelverbreitung, die die Einspeisung weiterer HD-Sender und der Mediatheken-Inhalte der öffentlich-rechtlichen Anbieter umfasst. ARD und ZDF zahlen für die Kabelverbreitung ihrer regulären, linearen Sender als Teil der Vereinbarungen mit dem Unternehmen Einspeiseentgelte, wie eine Vodafone-Sprecherin gegenüber InfoDigital bestätigte.

In den seit 1992 laufenden Gerichtsverfahren ging es um die strittige Frage, ob ARD und ZDF als verpflichtend einzuspeisende Sender ("Must Carry") für die Kabelverbreitung einen Vertrag benötigen und den Kabelnetzbetreibern eine Vergütung zahlen müssen. 2011 kündigten ARD und ZDF ihre Einspeiseverträge mit den großen Kabelnetzbetreibern zum Jahresende und stellten die Zahlungen ein. Es sei nicht mehr zu rechtfertigen, dass Gebühren an Unternehmen gezahlt werden, die mit der Vermarktung der öffentlich-rechtlichen Programme gutes Geld verdienten, sagte ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut damals zur Begründung. Zuletzt hatten ARD und ZDF einen Rückschlag in der Auseinandersetzung erlitten: Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied im Juli 2017 (InfoDigital berichtete), dass die Sender zur Zahlung von Einspeiseentgelten verpflichtet seien.

Die Einigung von Vodafone mit der ARD sieht vor, dass in Kürze die Sender ARD-alpha HD, Tagessschau24 HD, One HD und SR Fernsehen HD in den Kabelnetzen aufgeschaltet werden. Mit dem ZDF hat Vodafone vereinbart, dass in Kürze ZDFinfo HD ins Angebot aufgenommen wird. Außerdem sollen den Kunden - neben den über HbbTV zugänglichen Angeboten (Red Button) - auch über die Vodafone-Unterhaltungsplattform GigaTV viele Sendungen der Mediatheken von ARD und ZDF direkt nach TV-Ausstrahlung auf der Set-Top-Box, dem Smartphone oder Tablet zum Abruf bereitgestellt werden. Laut Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter sind die neuen Partnerschaften mit ARD und ZDF ein großer Schritt nach vorne: "Gemeinsam konzentrieren wir uns darauf, den Zuschauern ein einzigartiges Fernseherlebnis mit hochwertigen TV-Angeboten zu bieten, die jederzeit und überall abrufbar sind. Mit mehr Fernseh-Vielfalt und -Komfort durch künftig noch mehr HD-Qualität, Mediatheken und zahlreiche neue digitale Features auf GigaTV."

Die Einigung von Unitymedia mit der ARD sieht vor, dass die TV-Kunden von Unitymedia ab 24. April 2018 das gesamte TV- und Radio-Angebot aller ARD-Landesrundfunkanstalten empfangen können. Dazu werden sechs neue TV-Sender eingespeist: RBB Fernsehen Berlin HD, SR Fernsehen SD und HD, MDR Fernsehen Thüringen HD, tagesschau24 HD und Radio Bremen TV. Neu ins Radioangebot kommen NDR Blue, NDR Plus, Antenne Saar, Unser Ding SR, WDR2 Ruhrgebiet, WDR2 Rhein & Ruhr, BR Heimat und Bremen Next. In Kürze sollen außerdem über die TV- und Multimedia-Plattform Horizon von Unitymedia die ARD-Mediathek sowie die Tagesschau- und KiKa-App nutzbar sein. Die Kunden können über Horizon bald auch die non-linearen Funktionen wie Replay (Sendungen können bis zu sieben Tage zurück abgerufen werden) oder Instant Restart (Zurückspringen an den Anfang einer laufenden Sendung) nutzen. "Es ist unser Anspruch, unseren Kunden die besten Inhalte – ob klassisch, auf Abruf, zeitversetzt oder über App – auf unserer TV-Plattform Horizon bereitzustellen. Dazu gehört zweifellos das umfangreiche Angebot der ARD. Wir freuen uns sehr über die erzielte langfristige Einigung", sagte Lutz Schüler, CEO von Unitymedia.

Ein Unitymedia-Sprecher bestätigte gegenüber InfoDigital, dass die ARD-Anstalten im Rahmen der Vereinbarung eine Vergütungsleistung entrichten, "die im übergeordneten Gesamtkontext der umfassenden und langfristigen Zusammenarbeit steht". Zwischen Unitymedia und dem ZDF gebe es hingegen noch keine vertragliche Vereinbarung, weshalb die anhängenden Gerichtsverfahren weiter betrieben werden. "Wir hoffen, dass die Vereinbarung mit der ARD einen für beide Seiten gangbaren Weg aufgezeigt hat, der in den noch ausstehenden Verhandlungen Orientierung bietet", sagte der Sprecher.

 

Von Dr. Jörn Krieger

 


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