DAUN, 07.12.2018 - 12:25 Uhr
Digitale Welt

InfoDigital aktuell: Der WDR in virtuellen Welten

Vom Kölner Dom bis zum Bergwerk

Virtuelle Realität – kurz VR – ist immer mehr Leuten ein Begriff und längst nicht mehr nur den „Technik-Nerds“ vorbehalten. Auch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nehmen die neue Technologie vermehrt in ihre Sendeformate auf. Vor allem der WDR macht hierbei mit seinen VR-Projekten immer öfter von sich reden. InfoDigital hat mit David Ohrndorf vom WDR gesprochen, der als Realisator viele VR-Projekte des Westdeutschen Rundfunks betreut hat. Im Gespräch geht es um aktuelle und zukünftige Projekte des WDR, aber auch um die speziellen Produktionsbedingungen, die VR-Inhalte mit sich bringen.  

Herr Ohrndorf, Sie haben bereits mehrere VR-Projekte des WDR als Realisator umgesetzt: Was fasziniert Sie persönlich am meisten an den Möglichkeiten, die VR bietet?

Was ich bei VR sensationell finde, ist die Möglichkeit, Leute in eine Geschichte reinzuziehen. Die Fachleute nennen das „Immersion“. Das will ich eigentlich gar nicht so hochtrabend als Fachwort anführen - aber es ist halt dieses „reinziehen in Geschichten“, das so faszinierend ist. Ich habe früher beim Radio und Fernsehen gearbeitet und auch Texte geschrieben. Dabei ist allen Medien gemein, dass man immer das Ziel hat – gerade bei Reportagen -, mit einer guten Szene einzusteigen. Beim Radio versucht man zum Beispiel oft die Leute in die Geschichte reinzuziehen, indem man eine Atmo drunter legt – beim Fernsehen gibt es ähnliche Mittel.  Mit Aufkommen der GoPro gibt es zum Beispiel ganz viele Aufnahmen, die einen First-Person-View haben, wo die Kamera den Blickwinkel des Zuschauers einnimmt. Das sind alles so Mittel, mit denen man versucht, die Leute in eine Geschichte reinzuziehen. Das sind aber bei den bisher genannten Medien eher Hilfsmittel. Bei VR funktioniert das viel direkter, man kann die Zuschauer in eine Situation hineinversetzen und es sie selbst erleben lassen.  Man hat ja als Journalist auch immer das Problem, dass das schreiben einer Reportage, aus einem subjektiven Standpunkt erfolgt. Doch durch VR haben die Leute tatsächlich auch die Möglichkeit, sich selber einen Eindruck von einer Szene zu machen. Und dieses „selber Sehen“ und ein eigenes Erlebnis haben, das finde ich bei VR besonders spannend.

Ist VR einfach der nächste unvermeidbare Schritt zum Wunsch hin, über Bewegtbild in andere Welten einzutauchen? Ist VR die logische Evolution des Bewegtbildes?

Ja, das würde ich so sagen. Jedenfalls, wenn es darum geht, Reportagen umzusetzen, bei denen man auch was erleben kann. Ob Nachrichten in VR einen Mehrwehrt hätten, da bin ich mir nicht so sicher. VR ist toll, wenn es darum geht, Leute an andere Orte zu bringen, wo sie so ohne weiteres sonst nicht hinkommen. Das kann sein, weil sie dafür 10 Stunden fliegen müssten oder weil der Ort generell nicht zugänglich ist. Wenn man das jetzt auf das VR Bergwerk bezieht, ist es halt so, dass die letzte Zeche jetzt im Dezember geschlossen wird und da eigentlich keiner mehr reinkommt. Wir haben das Bergwerk im Prinzip jetzt archiviert, mit den Mitteln, die uns gegenwärtig zur Verfügung stehen, um erfahrbar zu machen, wie sich das da unten anfühlt. Und das geht mit Fernsehen oder mit Audio – da sind die Kollegen bestimmt böse, wenn sie das lesen -, nicht so richtig gut. Beim Radio heißt es immer, das ist „Kino im Kopf“. Und ein guter Reporter kann natürlich ganz viel beschreiben, aber ich glaube, im Endeffekt, wenn man einen Großteil unserer Zuschauer oder Zuhörer vor die Wahl stellen würde, ob sie von einem Reporter geschildert haben wollen, wie es im Bergwerk aussieht oder, ob sie mal selber drin sein wollen – da glaube ich, wollen die allermeisten Mal selber drin sein. Es ist auch erheblich einfacher in das virtuelle Bergwerk einzusteigen als in das echte. 

Sehen Sie auch spezielle Gefahren bei VR? Beispielsweise Suchtgefahr?

Ich glaube tendenziell, dass jedes Medium, das so stark und eindrucksvoll ist, wahrscheinlich auch immer eine Sucht hervorrufen kann. Bei dem Thema geht es ja ganz viel um Emotionen. Und wenn man einmal erlebt hat, wie man in so einer Umgebung drin ist und wie toll und wirklichkeitsgetreu dieses Erlebnis dann ist, kann ich mir schon vorstellen, dass Menschen, die anfällig sind für Süchte, dann auch vielleicht VR-süchtig werden. Ich glaube jetzt aber nicht, dass das im Moment ein großes Thema ist. Und man muss auch festhalten, dass die Brille nach einer halben Stunde auf der Nase total unbequem wird. Dann ist der Druck auf der Nase irgendwann so groß, dass man die dann auch irgendwann abziehen muss –  dann kann man auch nicht mehr weitergucken.

Der WDR hat ja bereits einige Projekte – vor allem historischer Natur – in VR realisiert, wie zum Beispiel das Virtuelle Bergwerk, oder die Zeitkapsel, in der man unter anderem eine Reise an Bord eines Passagierflugzeuges in den 60ern erleben kann.  Sind weitere Projekte dieser Art geplant?

Prinzipiell finden wir den Bereich, Kulturerbe und historische Szenarien neu erfahrbar zu machen, ganz gut. Wir sind im Moment auf der Suche nach einer Location, die wir als nächstes umsetzen könnten. Das ist aber nicht so einfach. Wir wollen halt schon, dass da immer auch ein gewisser Mehrwert dabei ist. Das bei allen kulturhistorischen Sachen auf einem angemessenen Niveau zu machen, ist nicht so einfach. Wir diskutieren dann auch mit Leuten, die das für uns recherchieren und da geht es ganz schnell um die Frage: „Wie würde das denn aussehen?“ Und wir kommen dann manchmal an den Punkt, wo wir feststellen, dass es gar keine Bilder gibt oder, dass man das gar nicht mit Sicherheit rekonstruieren kann. Da kommt man ganz schnell in Bereiche, in denen man dann diskutieren muss, ob das okay ist, wenn man etwas so rekonstruiert, wie es eben hätte sein können. Aber ja, wir haben schon einige Sachen, über die wir nachdenken. Was ich persönlich ganz spannend finde, was aber tatsächlich noch nicht weit fortgeschritten ist, wäre, was Fiktionales in VR zu machen. Wie zum Beispiel eine kleine Detektivgeschichte, in der man in zehn Minuten einen Fall lösen muss. Ich denke, das könnten wir machen. Das ist auch so ein klassischer Bereich, in dem der WDR auch stark ist. Wir hätten da schon Leute, die sich auch mit solchen Stoffen auskennen. Das haben wir im Moment aber noch nicht so weit vorangetrieben, dass wir das jetzt machen können.

 

Das vollständige Interview kann in der aktuellen Dezember-Ausgabe der InfoDigital gelesen werden. Die neue InfoDigital 12/2018 (Nr. 369) ist seit Freitag, den 30. November im Zeitschriftenhandel oder als E-Paper für iPad sowie als Digital-Ausgabe (PDF-Datei) erhältlich.


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/digitale-welt/infodigital-aktuell-der-wdr-virtuellen-welten

Aktuelle Ausgabe 12/2018

Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.