DAUN, 03.03.2014 - 08:38 Uhr
Internet - Digitale Welt

Bundesbank zweifelt an Zukunft des Bitcoin

(dpa) - Das Vertrauen in die Digital-Währung Bitcoin ist nach Auffassung der Bundesbank wegen der jüngsten Turbulenzen nachhaltig beschädigt. Nach dem Insolvenzantrag der einst größten Handelsplattform Mt.Gox sieht sich die Notenbank in ihren Warnungen vor Risiken bestätigt. „Die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit Mt.Gox haben das Vertrauen in Bitcoin geschwächt”, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der „Neuen Osnabrücker Zeitung” (Ausgabe vom 1. März). „Vertrauen ist aber, neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, zusammen mit Stabilität und Sicherheit einer der wichtigsten Bausteine einer Währung.” Thiele zieht auch den dauerhaften Bestand der Online-Währung in Zweifel.    

Krise durch Insolvenzantrag verschärft

Die auch als „Hacker-Währung” bezeichneten Bitcoins gibt es seit 2009. Sie werden in komplizierten Rechenprozessen auf den Computern der Nutzer erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Mit dem Insolvenzantrag von Mt.Gox hatte sich die Krise der Digital-Währung verschärft. Die Plattform habe Schulden von rund 6,5 Milliarden Yen (46,6 Millionen Euro), hieß es am 28. Februar auf einer Pressekonferenz in Tokio. Mt.Gox-Chef Mark Karpeles räumte demnach auch ein, dass Anfang Februar bei einen Online-Angriff von Unbekannten möglicherweise Bitcoins entwendet worden seien. Laut Online-Berichten könnten so gut wie alle dort eingelagerten Bitcoins verschwunden sein.    

Verlust der Geldanlage nicht auszuschließen

Die Bitcoin-Börse hatte am 25. Februar den Betrieb eingestellt. Anleger kommen nicht mehr an ihre dort gespeicherten Einlagen. Bundesbank-Vorstand Thiele zufolge ist nicht auszuschließen, „dass es für viele, die auf den Kauf von Bitcoins als Spekulationsobjekt gesetzt haben und diese bei Mt.Gox eingelagert haben, zum Verlust der Geldanlage kommt”. Die Bundesbank habe immer wieder betont, dass mit dieser Währung extreme Anlegerrisiken verbunden seien. „Dass Bitcoins ein hochspekulatives Finanzinstrument sind, wird durch die Insolvenz von Mt.Gox leider eindrücklich unter Beweis gestellt.”    

Nischenphänomen

Der Zentralbank-Vorstand betonte, Deutschland habe Bitcoins nicht als Währung anerkannt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht habe sie lediglich als Recheneinheit beziehungsweise Finanzinstrument qualifiziert. Trotz des großen Interesses an ihnen seien sie auf den Finanzmärkten und als Währungsalternative ein Nischenphänomen. In Japan wurden bereits Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von Mt.Gox eingeleitet. Laut „Wall Street Journal” untersuchen auch US-Behörden den Fall. US-Bundesanwälte in New York sollen Dokumente von der Firma angefordert haben.  

Hintergrund Bitcoin - Umstrittenes Digitalgeld aus dem Netz

Der Bitcoin ist eine digitale Währung, die im Internet entstand. Nutzer können Bitcoins selbst erstellen, indem am Computer mit hoher Rechnerleistung hochkomplexe mathematische Formeln gelöst werden. Das Verfahren heißt im Fachjargon „Mining” (Schürfen). Bitcoins sind virtuelle Geldeinheiten, deren Wert an keine andere Währung gekoppelt ist. Sie können aber auf Handelsplattformen im Netz mit „echtem” Geld wie Euro oder Dollar gekauft werden. Die Idee dahinter ist ein Zahlungsverkehr, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Den Bitcoin gibt es seit 2009. Als Urheber des Konzepts gilt eine Figur namens Satoshi Nakamoto - eine Art Phantom. Wer sich genau dahinter verbirgt, ist ein Mysterium. Die Produktion soll 2033 bei 21 Millionen Bitcoins eingestellt werden. Bis jetzt wurden etwas mehr als zwölf Millionen erstellt. Die gezielte Verknappung der Geldmenge ist vom früheren Goldstandard inspiriert und soll vor Inflation schützen. Im vergangenen Jahr schoss der Kurs auf Online-Handelsplattformen zeitweise auf über 1000 Dollar pro Bitcoin hoch, zuletzt war er in etwa halb so hoch. Der Zusammenbruch der einst größten Bitcoin-Börse Mt.Gox scheint die Experten-Warnungen vor Sicherheitslücken zu bestätigen. Der Handelsplattform sollen bei einem Online-Angriff von Unbekannten so gut wie alle Bitcoins entwendet worden sein.  

 www.mtgox.com  

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