DAUN, 16.01.2014 - 14:36 Uhr
Internet - Digitale Welt

Postfach in der Hosentasche – Das können alternative Mail-Apps

(dpa) – Ein Smartphone ohne E-Mail ist undenkbar. Alle gängigen Betriebssysteme bringen eine entsprechende Funktion mit. Der Nutzer muss nur seine Daten eingeben, und schon kann es losgehen. Dennoch finden sich in den App-Stores reichlich Alternativen. Gerade Einsteiger können darauf aber meistens verzichten: „Bei normaler mobiler E-Mail-Nutzung reichen die integrierten Anwendungen voll aus“, sagt Jo Bager, der für die Computerzeitschrift „c't“ verschiedene Mail-Apps getestet hat. Auch Athanassios Kaliudis von der Zeitschrift „Connect“ hält die vorinstallierten Lösungen für ausreichend. „Die integrierten Apps haben den Vorteil, dass sie optimal an das Betriebssystem angepasst sind und sich in Sachen Bedienung und Benutzerführung nahtlos einfügen“, erklärt er. Verschiedene Konten ließen sich meist problemlos einbinden. Besonders gut sei dies beim sogenannten Hub in der aktuellen Version des Blackberry-Betriebssystems gelöst, sagt der Redakteur: Auf einen Blick sind hier Mails, Nachrichten oder Kalendereinträge sichtbar. Hinzu komme der gute Ruf des sicheren Systems. „Wenn der Nutzer mit heiklen Daten hantiert, sind seine Mails dort am sichersten aufgehoben“, sagt Kaliudis. Ähnlich komfortabel ist Windows Phone. Das Microsoft-Betriebssystem integriert mehrere Konten, auch von sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook. „Der Nutzer sieht auf einen Blick Mails oder Statusberichte, ohne sich durch mehrere Apps klicken zu müssen“, sagt Kaliudis. Nicht ganz so viele Funktionen und Verknüpfungsmöglichkeiten bieten die Mail-Apps von Android und iOS – gute Arbeit leisten sie nach Ansicht der Experten aber trotzdem. Auch Friederike Wagner von der Verbraucherzentrale Sachsen sieht die Vorteile der vorinstallierten Apps: „Der Verbraucher kann ohne weitere Downloads und damit einhergehende Recherchen und möglicherweise Kosten mit dem neuen Smartphone loslegen“, sagt sie. Allerdings weist die Verbraucherschützerin auch auf die Nachteile hin: Weil sich die Apps nicht oder nur schwer löschen lassen, verbrauchen sie zum Beispiel Speicherplatz. „Noch erheblicher ist, dass der Verbraucher nicht weiß, nach welchen Kriterien sie ausgewählt wurden, welche Sicherheitsstandards und internen Einstellungen gelten.“ Er habe keine Kontrolle über die Funktionen und welche Informationen eventuell weitergeleitet werden, etwa zu Werbepartnern der Entwickler.

Große Auswahl an Alternativen

Anwender, denen der Umfang der mitgelieferten Apps nicht reicht, haben bei Android und iOS eine große Auswahl an alternativen Programmen. Windows-Phone-Nutzer müssten dagegen laut „c't“-Redakteur Bager mit der integrierten Mail-Software auskommen – hier gibt es noch keine Alternativen. Für iOS schlägt Bager beispielsweise das umfangreiche AltaMail vor, mit dem sich Mails sortieren oder Filterregeln und Vorlagen erstellen lassen. Allerdings leide die Anwenderfreundlichkeit unter dem großen Funktionsumfang, warnt der Redakteur. Knapp fünf Euro werden für das Programm fällig. Eine weitere Alternative ist das kostenlose Molto, das für iPads und Android-Tablets verfügbar ist. Das Programm geht bei der Darstellung neue Wege: „Optisch werden die Mails sehr schön präsentiert“, sagt Bager. Neben dem Text gibt es Bildausschnitte, was der App ein fast magazinartiges Layout verleiht. Android-Nutzer können sich außerdem unter anderem das Gratis-Programm MailDroid ansehen. Die App arbeitet laut Bager sehr gut mit Webservern zusammen und ist so vor allem für den professionellen Einsatz geeignet. Ordner-Hierarchien zeigt sie übersichtlich als Baumstruktur an, für einzelne Ordner lassen sich sogar Lesezeichen anlegen. Für den Unternehmenseinsatz eigne sich außerdem die kostenlos für iOs und Android erhältliche App TouchDown. „Das Programm ist ein Spezialist für Webserver“, sagt Bager. Zwar beherrsche es im Gegensatz zu den meisten Mailprogrammen nur das Exchange-Format. Dafür biete es durch die Möglichkeit zur Verschlüsselung mehr Sicherheit.

„An leistungsfähige PC-Programme kommen mobile Apps nicht heran“

Verschlüsseln lassen sich E-Mails außerdem mit den Android-Apps K-9 Mail und Kaiten Mail, dafür muss das Smartphone allerdings auch die Software APG an Bord haben. K-9 und APG sind kostenlos verfügbar, Kaiten kostet knapp vier Euro. Allerdings ließen sich die Programme im „c't“-Test über eine sogenannte Man-in-the-Middle-Attacke einen falschen Server unterjubeln – eine potenzielle Sicherheitslücke. Neben den unabhängigen Mail-Apps bieten auch Webdienste wie Outlook, Yahoo, GMX oder Web.de eigene Programme für Android und iOS. „Diese Programme stechen aber nicht besonders hervor“, sagt Bager. Und auch Kaliudis merkt an, dass sie sich nicht sehr voneinander unterscheiden. „An leistungsfähige Mailprogramme auf dem PC kommen die mobilen Apps alle nicht heran“, dämpft Bager allzu hohe Erwartungen. „Hier gibt es nicht dasselbe Sicherheitslevel.“ Ein Vorteil der alternativen Apps ist aber, dass Nutzer Zugriffsrechte aufs System vor der Installation kontrollieren können. Bei der Standardsoftware gibt es diese Funktion nicht. „Bei vorinstallierten Apps sollte geprüft werden, welche Einstellungen diese vorgenommen haben, und diese sollten gegebenenfalls angepasst werden“, rät Verbraucherschützerin Wagner daher.

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