DAUN, 08.11.2019 - 12:10 Uhr
Digitale Welt

Medienvielfaltsmonitor: Relevanz der klassischen Fernsehanbieter nimmt ab

Die Ergebnisse des aktuellen Medienvielfaltsmonitors der Medienanstalten bestätigen den Trend: Die Relevanz der klassischen Fernsehanbieter für die Meinungsbildung nimmt ab, während die Bedeutung von Online-Angeboten weiter steigt. Erstmals ist mit Netflix ein Unternehmen mit nur einem einzigen eigenen Bewegtbildangebot unter den Top-10-Medienkonzernen im Meinungsmarkt der 14- bis 29-Jährigen, wie die Medienanstalten heute mitteilten.

Mit ARD, Bertelsmann, ZDF, Springer und ProSiebenSat.1 nehmen die Top-5-Konzerne weiterhin gut 55 Prozent des Meinungsbildungsmarkts in Deutschland ein. Auf die Top 5 folgt eine große Anbietervielfalt: 31,3 Prozent verteilen sich auf weitere 25 Medienhäuser, die restlichen 21 Prozent entfallen auf eine sehr viel größere Zahl von Medienunternehmen.

Das lineare Fernsehen hat mit 32,2 Prozent in der Gesamtbevölkerung nach wie vor das höchste Gewicht für die Meinungsbildung, dennoch nimmt dieses ab. Das Internet rückt auf und liegt mit 28,7 Prozent in seiner Meinungsbildungsrelevanz auf Platz 2 und setzt sich immer deutlicher vom Radio (18,7 Prozent) ab. Der potenzielle Einfluss auf die Meinungsbildung der Tageszeitungen sinkt hingegen weiter leicht auf 18 Prozent. Mit großem Abstand folgen schließlich die Zeitschriften (2,4 Prozent). Im Längsschnitt ist die Relevanz des Internets für die Meinungsbildung in der Gesamtbevölkerung seit 2015 um 39 Prozent gestiegen, während das potenzielle Meinungsbildungsgewicht von Tageszeitungen – in ähnlichem Ausmaß auch von Zeitschriften – um 14 Prozent und das des Fernsehens um 10 Prozent gesunken ist. Einzig das Radio hat sich stabil halten können.

Stärker als in der Gesamtbevölkerung verliert das Fernsehen bei den 14- bis 29-Jährigen an Bedeutung. Seine potenzielle Meinungsbildungsrelevanz hat sich in den letzten vier Jahren nahezu halbiert (von 25,8 auf 13,7 Prozent) und liegt in dieser Altersgruppe unter der des Radios (16,2 Prozent). Mit einem 2/3 Meinungsbildungsgewicht von 58,2 Prozent ist das Internet bei den Jüngeren längst an die Stelle der klassischen Medien getreten. Mit Netflix hat es in dieser Altersgruppe erstmals ein Unternehmen mit nur einem einzigen Bewegtbildangebot in die Top 10 der Anbieter geschafft.

Nicht nur der Siegeszug von Netflix zeigt die Relevanz von Video-on-Demand- und anderen Internetangeboten laut den Medienanstalten für die Meinungsbildung. Auch Intermediäre werden als Gatekeeper für die Meinungsbildung immer wichtiger. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung informiert sich täglich über Intermediäre, wobei vor allem Suchmaschinen und Soziale Netzwerke genutzt werden. Gerade die Jüngeren nutzen auch Bewegtbildangebote wie YouTube und Instagram, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren.

„In Zeiten der Verlagerung von Meinungsmacht ins Internet und zur Verhinderung der Machtkonzentration müssen sämtliche Angebote, die Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben, den gleichen Regelungen unterliegen. Wir brauchen eine moderne Regulierung mit fairen Regeln für alle Player“, betont die DLM-Vorsitzende Cornelia Holsten.

Mit dem Medienvielfaltsmonitor untersuchen die Medienanstalten die Entwicklung der Rundfunk- und Medienlandschaft in Deutschland und beobachten die Entwicklung des konvergenten Medien- und Meinungsmarkts empirisch. Der Medienvielfaltsmonitor kombiniert dafür die Reichweiten der Medienangebote mit ihren Inhabern und Beteiligungsverhältnissen und gewichtet auf Grundlage des empirisch erhobenen Meinungsbildungsgewichts der einzelnen Mediengattungen. Auf dieser Grundlage wird der Anteil einzelner Konzerne am Meinungsbildungsmarkt in Deutschland bestimmt.

Die Detailergebnisse des Medienvielfaltsmonitors I/2019 können in neuem und interaktivem Design unter www.medienvielfaltsmonitor.de abgerufen werden.


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Aktuelle Ausgabe 11/2019

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