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DAUN, 22.06.2021 - 11:51 Uhr
Digitale Welt - Heimvernetzung

Smart Speaker und Privatsphäre

Standardeinstellungen oft unzureichend

Laut einer Umfrage des Virtual private Network-Anbieters NordVPN, verfügt rund ein Viertel der Deutschen über einen Smart Speaker. Dabei weiß fast die Hälfte der Nutzer nicht, dass ihre Aufnahmen teils dauerhaft gespeichert werden – und trifft daher auch keine Gegenmaßnahmen.

“Smart Speaker zeichnen all unsere Anfragen und Suchen auf. Und so erstellen wir ein ziemlich genaues Porträt von uns selbst für die Unternehmen, die diese Geräte herstellen. Die gesammelten Daten werden dauerhaft gespeichert und helfen Unternehmen dabei, noch mehr Produkte zu verkaufen; oder sie helfen anderen Vermarktern, ihre Zielgruppen anzusprechen. Deshalb ist der wahre Preis, den wir für Smart Speaker zahlen, unsere Privatsphäre und Sicherheit“, sagt der Experte für digitale Privatsphäre Daniel Markuson.

Laut der Umfrage durch NordVPN werden Smart Speaker von 25% der Deutschen genutzt. Dabei nutzen Frauen Smart Speaker fast genauso häufig wie Männer. Das kann auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass Smart Speaker in der Regel mit anderen Familienmitgliedern geteilt werden und so gleichermaßen von der ganzen Familie genutzt werden. Smart Speaker stehen am Häufigsten in Haushalten jüngerer Menschen mit höherem Einkommen (25-34 und 35-44), weil diese meist mehr Vertrauen in neue Technologie haben und über das nötige Budget verfügen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Smart Speaker in ihrer Standardeinstellung alle an sie gestellten Anfragen aufzeichnen. Die Aufzeichnungen werden üblicherweise auf dem Gerät gespeichert und dann zur Verarbeitung an die Cloud-Server des Herstellers oder Sprachdiensteanbieters weitergeleitet. Weil viele Nutzer die Standardeinstellungen nicht ändern, behalten die Hersteller die volle Kontrolle über die Aufnahmen und können sie vielfältig einsetzen – zum Beispiel um die Qualität des Dienstes zu verbessern, die KI-Technologie weiterzuentwickeln oder auch, um personalisierte Werbeprofile der Nutzer zu erstellen, und diese an Vermarkter weiterzuvermitteln. Das Erstellen solch hochdetaillierter Kundenprofile kann die Privatsphäre des Nutzers allerdings in Frage stellen.

Das permanent aktivierte Mikrofon der Smart Speaker macht die Nutzer zusätzlich verwundbar. Denn obwohl die Sprachassistenten beim Passiven Zuhören vor allem auf Aktivierungsphrasen lauschen, führen Missverständnisse leicht und oft zu versehentlichen Aufnahmen. So werden Worte häufig fälschlicherweise als Startsignal missverstanden wie z. B. "OK gut" statt "OK Google".

Über die Nutzung in Werbe und Marketingnetzwerken hinaus sind die erhobenen Daten auch für Cyberkriminelle wertvoll. Immer wieder sickern Nutzerdaten auch in unsichere Kanäle. 2019 meldete Google den Leak von 1.000 Aufnahmen von Smart Speakern. 153 davon waren „Aufnahmen, die niemals hätten aufgezeichnet werden dürfen“, weil die Aktivierungsphrase „OK Google“ nicht genannt wurde.

Die größte Verwundbarkeit von Smart Speakern besteht darin, dass sie normalerweise mit vielen Geräten verbunden sind, um verschiedene Bereiche des Haushalts über gesprochene Befehle zu steuern. Dies gefährdet alle verbundenen Geräte, sobald eines davon gehackt wird. “Einen Smart Speaker zu hacken ist nicht so einfach, da er hauptsächlich per Stimme gesteuert wird. Der Hacker müsste sich daher physisch in der Nähe des Speakers befinden, um ihn zu hacken“, erklärt Daniel Markuson, der Experte für digitale Privatsphäre bei NordVPN.

Jedoch hätten Cyberkriminelle eine spezielle Malware entwickelt, über die sie Speaker mithilfe des Smartphones hacken könnten, mit dem sie verbunden seien. „Sobald die Malware durch eine infizierte App auf dem Smartphone installiert ist, können die Kriminellen auch auf aufgezeichnete Stimmbefehle zugreifen und so den Smart Speaker hacken. Da die Speaker normalerweise mit vielen Geräten im Heimnetzwerk verbunden sind, gefährdet das die Sicherheit im ganzen Haushalt, einschließlich z. B. Sicherheitskameras und Internetaktivität“, erläutert Markuson.

Viele Menschen unternehmen nichts, da sie nicht gut genug informiert sind. „Erst das Bewusstsein für mögliche Bedrohungen, bringt die Leute dazu, Verantwortung für ihre eigene Privatsphäre zu übernehmen“, konstatiert der Sicherheitsexperte. Mit einigen Tipps lassen sich aber auch Smart Speaker sicherer einsetzen. Zunächst ist es sinnvoll die Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen des Smart Speakers zu überprüfen und die Aufzeichnung von Befehlen zu und deaktivieren. Wer nicht gehört werden möchte sollte das Mikrophon des Smart Speakers ggf. kurzzeitig ausschalten. Dies ist bei vielen Geräten über einen einfachen Tastendruck möglich. Sinnvoll ist auch den gespeicherten Verlauf der verzeichneten Spracheingaben regelmäßig zu löschen. Private Informationen wie z. B. Passwörter, Bankdaten, oder Ähnliches sollte man in der Nähe eines des Smart Speakers möglichst nicht laut aussprechen.

Natürlich empfiehlt sich auch die Beachtung allgemeingültiger Sicherheitsregeln im Netzwerk. So sollten alle mit dem Heimnetz verbundenen Geräte und Dienste mit einzigartigen und komplexen Passwörtern geschützt sein. Passwortmanager helfen, um dabei den Überblick zu behalten. Auf allen Geräten, die mit einem Smart Speaker verbunden sind, sollte überdies eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert werden. Auch ein VPN hilft durch die Verschlüsselung des persönlichen Datenverkehrs dabei zu verhindern, dass Dritte auf Daten und Geräte zugreifen können.


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