DAUN, 07.12.2017 - 11:33 Uhr
Digitale Welt

Verbraucherschützer für mehr Transparenz bei Algorithmen

(dpa) - Verbraucherschützer mahnen mehr Transparenz bei automatisierten Entscheidungen an und wollen dafür eine breite gesellschaftliche Diskussion anstoßen. Kernforderung ist eine stärkere Kontrolle seitens der Politik. „Wenn ich heute einen Kredit beantragen würde, würde wahrscheinlich ein Algorithmus über meine Kreditwürdigkeit entscheiden“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), am Donnerstag in Berlin. Daten würden ausgewertet, aber oft sei unklar, welche. „Es geht um präventiven Verbraucherschutz.“

Immer mehr Entscheidungen würden im alltäglichen Leben heute durch Algorithmen vorbereitet oder automatisch getroffen - ob im Gesundheitswesen, bei Prototypen selbstfahrender Autos, vernetzten Haushaltsgeräten oder bei Einkaufsempfehlungen. Sie könnten das Leben erleichtern, aber auch zu falschen Entscheidungen führen oder Verbraucher diskriminieren, sagte Müller. Der vzbv fordert deshalb auch eine Regulierung und Kontrolle seitens der Politik. Es gehe darum, die Autonomie und Selbstbestimmung der Verbraucher zu schützen.

Bereits heute entscheiden Algorithmen nicht nur darüber, welche Route wir fahren und welche Werbung wir im Netz sehen. In Frankreich würden nach diesem Verfahren Studienplätze vergeben, sagte Müller. Es wäre „naiv und dumm“, berechtigte Sorgen nicht ernstzunehmen.

Denn unklar sei oft, anhand welcher Kriterien solche Entscheidungen getroffen und wie die einzelnen Aspekte gewichtet würden. Algorithmen fielen allerdings häufig unter das Geschäftsgeheimnis von Unternehmen. Der vzbv fordert deshalb, dass die nächste Bundesregierung sich des Themas aus Sicht des Verbraucherschutzes annimmt. „Relevante algorithmenbasierte Entscheidungsprozesse müssen durch eine unabhängige, staatlich legitimierte Institution kontrolliert werden können“, sagte Müller.

Bei der Auswertung großer Datenmengen (Big Data) liege in der öffentlichen Diskussion oft der Fokus auf Google oder Facebook, sagte Judith Simon, Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Uni Hamburg. Dabei werde aber vergessen, dass eine ganze Reihe von Unternehmen sich schon seit langer Zeit etwa in der Konsumforschung mit Prognosen aus der Analyse großer Mengen von Nutzerdaten beschäftige. Für eine Einschätzung müssten die Qualität der Datenquellen, die Angemessenheit der Algorithmen sowie die Methoden der Analyse beurteilt werden.

Nach Einschätzung von Sebastian Stiller, Mathematik-Professor an der TU Braunschweig, ist neben mehr Transparenz aber vor allem auch eine bessere Allgemeinbildung der Verbraucher nötig. Dabei gehe es nicht um dezidierte mathematische Kenntnisse. Man müsse auch kein Ökotrophologe sein, um sich etwas mit Ernährung auszukennen. Und was ein Hybrid-Auto ist, wüssten auch schon viele Verbraucher. „Aber wenn es um Algorithmen geht, hat offenbar niemand das Grundwissen, darüber zu entscheiden.“ Dabei seien nur relativ wenige Kenntnisse dafür erforderlich.

 


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