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DAUN, 18.04.2017 - 17:05 Uhr
Digitale Welt - Smartphones

Viel Leistung, kleine Schwächen: Das Samsung Galaxy S8 im Test

(dpa/tmn) - Manche Gegenstände schaffen es, dass bis zu ihrem Erscheinen modern wirkende Objekte plötzlich ziemlich alt aussehen. Samsungs Galaxy S8 ist so ein Gerät. Wer das schwarze Objekt aus Glas und Metall zum ersten Mal anschaltet, findet viele andere Smartphones plötzlich klobig und veraltet. Der große Bildschirm bedeckt fast die ganze Vorderseite, an den Seiten verschwindet er randlos ins Nichts. Kein Knopf unterbricht die glatte Oberfläche. Puristischer geht es kaum.

Nach dem Debakel um brennende Akkus im Samsung Note 7 haben sich die Südkoreaner Zeit gelassen. Mit leichter Verspätung kommen das Galaxy S8 und das größere S8+ am 28. April in den Handel. Vorbei ist es mit der Aufteilung in Edge und Nicht-Edge, beide Geräte haben abgerundete Displayränder. Der Home-Button liegt als berührungsempfindliche Fläche unten im Display, der Fingerabdrucksensor ist auf die Rückseite des Geräts gewandert - neben die Kamera.

Im Vergleich zum Vorgänger S7 wurde der Bildschirm nach oben verlängert. Bei gleicher Breite sorgt das für eine schlanke Form. Statt des 16:9-Formats gibt es nun 18,5:9 mit 2960 zu 1440 Pixel auf 5,8 Zoll beim S8 sowie auf 6,2 Zoll beim S8+. Nur LGs G6 bringt aktuell so viel Bildschirm auf so wenig Smartphone-Oberfläche unter, wirkt dabei aber weniger filigran.

Im Inneren des Galaxy S8 stecken jeweils Achtkernprozessoren, 64 Gigabyte (GB) Speicher und 4 GB Arbeitsspeicher. Mehr Speicher gibt es per Micro-SD-Karte, schnellen Datenfunk mit LTE Cat.16, außerdem Dual-Band-WLAN neuester Art. Strom wird per USB-C-Kabel oder drahtlos per Qi-Standard nachgeladen.

Doch wie bedient sich das S8 im Alltag?

Der erste Eindruck ist gut: Das Display strahlt hell und klar, der Einrichtungsprozess gelingt leicht. Mittlerweile gibt es verständliche Datenschutzhinweise, auch wenn ärgerlicherweise ab Werk schonmal alle Häkchen gesetzt sind - auch die für Werbung.

Die Einrichtung der Gerätesperre per Fingerabdruck ist dagegen weniger angenehm. Der Sensor ist ungünstig an der Rückseite platziert und vergleichsweise bockig beim Erkennen von Fingern. Alternativ bietet das S8 einen Iris-Scanner - der gut funktioniert, außer bei Sonnenlicht - sowie eine Gesichtserkennung. Diese lässt sich aber leicht mit Fotos überlisten und ist deswegen nicht empfehlenswert.

Durch das neue Design müssen sich Nutzer umgewöhnen. Home-, Zurück- und App-Switcher-Button sitzen nicht mehr im unteren Rand, sondern werden unten im Display eingeblendet. Auch an der Nutzeroberfläche hat Samsung gearbeitet. Statt des bunten, unübersichtlichen TouchWiz gibt es nun eine aufgeräumte Oberfläche namens Samsung Experience. Alle Einstellungen sind maximal drei Fingertipper entfernt.

Richtig Spaß macht die Kamera. Entgegen dem Trend bei LG oder Huawei setzt Samsung nicht auf eine doppelte Ausführung. Mit dem 12-Megapixel-Sensor, großer Blende von F1.7 und dem sehr schnellen Autofokus gelingen Bilder auf hohem Niveau. Wer es mag, kann sie gleich mit zahlreichen Filtern, Effekten und Stickern verschönern.

Die Kamera-App ist sehr gut auch mit einer Hand zu bedienen, im Pro-Modus kommt fast Systemkameragefühl auf. Und eine gute Nachricht für Selfie-Freunde: Die Frontkamera ist auf 8 Megapixel aufgerüstet worden und hat nun einen Autofokus. Videos filmt das Galaxy S8 auf Wunsch in UHD-Auflösung (3840 zu 2160 Pixel). Bis Full-HD-Auflösung (1920 zu 1080 Pixel) stehen ein Verfolgungs-Autofokus und HDR-Modus für erweiterte Farb- und Kontrastdarstellung bereit.

Wer seinen Alltag durch digitale Assistenten organisieren lassen möchte, hat auf dem S8 und dem S8+ gleich zwei Möglichkeiten: den Google Assistant oder Samsungs Bixby, der sich über einen eigenen Knopf an der linken Seite des Geräts starten lässt. Beide verlangen weitgehenden Zugriff auf persönliche Daten und das Nutzungsverhalten, liefern Informationen, erinnern an Termine oder beantworten Fragen.

Samsungs Bixby hat außerdem die Funktion Bixby Vision. Hier werden über die Kamera Objekte erkannt und passende Einkaufsangebote im Netz gesucht. Von der Serienreife ist Bixby allerdings noch einige Monate entfernt. Sprachkommandos auf Deutsch soll er erst gegen Jahresende verstehen, Bixby Vision funktioniert auch nur sporadisch.

Bei aller Schönheit des Designs: In Sachen Ergonomie haben sich die Samsung-Designer zwei Schnitzer erlaubt. Ganz unpraktisch ist der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite des Geräts. Ständig packt man aus Versehen auf die Kamera, und häufig werden die Fingerabdrücke nicht beim ersten Anlauf erkannt. Beim Galaxy S8+ ist der Sensor für Menschen mit kleinen Händen außerdem kaum zu erreichen.

Auch der Bixby-Knopf an der linken Geräteseite liegt eher ungünstig: Beim Sperren oder Aktivieren des Telefons wird schnell ungewollt der Assistent gestartet. Denn der Schalter liegt genau dort, wo Rechtshänder für einen bequemen Griff den Zeigefinger ablegen würden.

Damit bei all der Leistung und angesichts der Displaygröße der Akku nicht zu schnell schlapp macht, arbeitet Samsung mit diversen Sparoptionen. Etwa beim Display, das in der Standardeinstellung mit reduzierter Auflösung arbeitet. Im Akkumanager können Stromsparmodi gewählt werden, die den Prozessor bremsen, die Verbindungen im Hintergrund reduzieren oder die Displayauflösung herunterfahren. Doch selbst ohne die Helfer kommt das S8 meist mühelos über den Tag.

Was Microsoft mit Windows Continuum schon länger anbietet, steckt mit Samsung Dex nun auch im Galaxy S8: Per Displaydock lässt sich das Smartphone mit einem Bildschirm verbinden und mit Maus und Tastatur verwenden. In einem ersten Test funktionierte das mit Browser und Office-Apps weitgehend flüssig und ohne große Umgewöhnung. Wer viel mit Texten in Online-Umgebungen arbeitet, könnte mit dem S8 einen Reiseersatz für den PC finden.

Fazit

Kaum ein Anbieter ist aktuell in Sachen Design und Einsatzspektrum so weit vorne wie Samsung mit dem Galaxy S8. Das Riesen-Display, die flotte Kamera, die neue Bediensoftware und der Dex-Modus sind gelungene Innovationen. Und dann sieht es auch noch gut aus. Damit es so bleibt, sollte man das S8 aber in eine schützende Hülle stecken - mit Auswirkungen auf das Design. Punktabzüge gibt es für Fingerabdrucksensor und Bixby-Knopf: Sie sind einfach zu ungünstig platziert. Das Galaxy S8 ist vom 28. April an für rund 800 Euro im Handel, das größere S8+ kostet etwa 900 Euro.

Von Till Simon Nagel, dpa


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