- © Foto: ESA ATG Media Lab -
DAUN, 14.09.2021 - 08:00 Uhr
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Bericht: ESA verspricht kosmische Müllabfuhr

Expertenforum des SR und Deutschlandradio

Bei den Raumkapseln zur ISS kann die europäische Raumfahrt nicht mithalten. Ganz anders sieht es beim Thema Daten aus dem All aus. So soll es bald weitere Grundlagen für eine faktenbasierte Klimapolitik geben – und die ESA will Vorreiter beim Thema Raumfahrtschrott werden.

In der bemannten Raumfahrt ist Europa nur zweitklassig: Matthias Maurer, Alexander Gerst und Co müssen in russische oder amerikanische Kapseln steigen, um zur ISS zu fliegen. Aber in einem Punkt liegt Europa weit vor der Konkurrenz: bei der wissenschaftlichen Beobachtung der Erde, berichtet der Deutschlandfunk am 10. September.

Rund zwei Dutzend europäische Satelliten in der Umlaufbahn beobachten präzise, was auf unserem Planeten vor sich geht. Selbst die Fachleute der NASA blicken voller Neid auf diesen Datenstrom der europäischen Satellitenflotte. Und es soll noch mehr werden, auch um eine faktenbasiertere Klimapolitik zu ermöglichen.

Was jetzt schon alles gemessen wird, erklärte ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher auf einem digitalen Expertenforum von Saarländischem Rundfunk und Deutschlandradio am 9. September. Anlass war die Verleihung des Großen Deutsch-Französischen Medienpreises – an die Europäische Weltraumorganisation ESA sowie den französischen Astronauten Thomas Pesquet und seinen deutschen Kollegen Matthias Maurer. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Deutsch-Französischen Journalistenpreises organisiert.

Aschbacher beschreibt den Datenstrom durch das Copernicus-Programm: „Es gibt verschiedene Sensoren. Radarsensoren zum Beispiel. Sie gehen durch die Wolken durch und machen Aufnahmen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Optische Sensoren, Spektrometer, messen die Gaskonzentration in der Atmosphäre, CO2, Methan und andere Gase, aber auch zum Beispiel die Eisbedeckung, das Abschmelzen der Eisdecken, Meeresspiegelanstieg.“

Klimadaten gratis für die ganze Welt

Bei Copernicus arbeiten ESA und Europäische Kommission eng zusammen. Erdbeobachtung ist längst viel mehr als „nur“ der Wolkenfilm im Wetterbericht. Der globale Klimawandel, zu dem allerdings auch ESA, NASA, SpaceX und Co mit dem Schadstoffausstoß ihrer Raketen beitragen, lässt sich am besten aus dem All erfassen. Das betont Matthias Petschke, der Direktor für Raumfahrt der Europäischen Kommission, auf dem Expertenforum.

Petschke verweist auch auf den Satelliten CO2M, der in einigen Jahren starten soll, als gemeinsame EU-ESA-Mission. Dabei gehe es um die Erfassung des von Menschen verursachten CO2. „Hier gibt es für uns eine Verpflichtung aus dem Pariser Klimaabkommen, diese CO2-Mengen zu erfassen. Faktenbasierte Politik ist absolut wichtig. Deshalb haben wir mit Copernicus eine Politik, wo wir Daten generieren, aber eben auch global kostenlos zur Verfügung stellen.“ Denn: Beim Klimawandel soll weltweit niemand sagen können, er oder sie habe es nicht gewusst. Die Satellitenaufnahmen etwa vom gerodeten Regenwald, sich ausdehnenden Wüsten oder schmelzenden Eispanzern zeigen eindringlich, wie es um die Erde bestellt ist.

Millionen von Schrottteilen in der Umlaufbahn

Doch so sehr sich die Raumfahrt heute um die irdische Umwelt bemüht, so sorglos war sie lange Zeit, was die himmlischen Zustände angeht – auch die ESA hat sich bis vor wenigen Jahren nicht darum gekümmert, was mit ausgebrannten Raketenstufen und ausgefallenen Satelliten passiert. Nach gut 60 Jahren Raumfahrt wimmelt es in den Umlaufbahnen nur so von Weltraummüll, bedauert ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher: „Im Größenbereich von einem Millimeter bis ein Zentimeter gibt es Millionen von Teilchen, die herumfliegen. Und die sind wirklich wie Geschosse, wie eine Pistolenkugel, und die können starken Schaden anrichten.“

Aschbacher fordert ein System, das die eigenen europäischen Satelliten schützt: „Wir müssen wissen, wo sind solche Teilchen, damit wir auch unsere eigene autonome Information haben und nicht nur von Amerika abhängig sind, so wie wir es heute sind.“ Künftig will die ESA selber erkennen können, wann und wo ihren Satelliten im All Gefahr droht und den Schrottteilen gezielt ausweichen. Zudem plant man eine Art kosmische Müllabfuhr, die eigene defekte Satelliten einfangen und zum Verglühen in der Atmosphäre bringen soll. Während auf der Erde penibel geregelt ist, wie wir Müll trennen und vermeiden, gibt es im Weltall bisher keinerlei Vorschriften.

Müllvermeidung bald auch im All?

Der ESA-Generaldirektor plant das zumindest für Europa zu verändern: „Wir wollen uns verpflichten, dass wir im Jahr 2030 mit jedem Objekt, das wir in den Weltraum geben – das heißt jeder Satellit, der gestartet wird – ein Objekt herausnehmen“. Zwar sei noch nicht abzusehen, dass andere das genauso machen. „Aber man muss wie immer mit gutem Beispiel vorangehen, wie in der Umweltpolitik, damit andere nachfolgen.“

Das Problem allerdings: Bisher gab es von Europas Raumfahrtpolitik nur sehr zögerlich die nötigen Finanzmittel, wenn es um Müllvermeidung im Erdorbit ging – anders als etwa für Missionen von Astronauten zur ISS. Ob sie wirklich klimaschonend und nachhaltig Raumfahrt betreiben können, müssen die 22 Mitgliedsstaaten der ESA also erst noch unter Beweis stellen.

Der komplette Beitrag kann hier in der Dlf Audiothek verfolgt angehört werden.


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