DAUN, 10.07.2018 - 14:55 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Change Media Tasting: „Awareness für Produkte anstatt Quoten schaffen“

Kollaborationen und Allianzen als Antwort auf den Change

Die dynamische Digitalisierung verändert jeden Lebensbereich und damit auch die culture immer schneller. Innovationen, Kreativität, Virtual Reality, neue Konzepte und Lösungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sind notwendig, wenn die deutschen Medienunternehmen im Wettbewerb gegen Google, Amazon, Netflix und Co. bestehen wollen. Dabei stehen die Player künftig vor der entscheidenden Frage, ob sie branchenübergreifend Kollaborationen und Allianzen mit nationalen Wettbewerbern eingehen oder einen eigenen Weg einschlagen wollen. Deutlich wurde zudem, dass lineares TV kein Auslaufmodell ist, sondern in Kombination mit auch für den On-Demand-Bereich nutzbaren Inhalten weiterhin sehr gute Chancen besitzt. Dies verdeutlichten Vorträge und Diskussionen im Rahmen von Deutschlands Medien- und Innovationskongress „Media Tasting 2018“ in Stuttgart. Die Veranstaltung stand unter dem Leitthema „Change becomes Culture“.

Virtual Reality ist für Keynote-Speaker Michael Neidhöfer von der Digital Devotion Group die technische Innovation, die in den Startlöchern steht und vieles verändern wird. In der Industrie spielen VR-Anwendungen bereits heute schon eine wichtige Rolle. Virtual Reality und die jüngste Erscheinungsform Mixed Reality werden, so Neidlingers Einschätzung, im Zuge besserer Technologien sowie sinkender Hardware- und Einstiegskosten immer mehr auch in unseren Alltag einziehen. Für ihn besitzt Virtual Reality viele Potentiale, deren Entwicklung erst am Anfang stehen. Stories können in VR neu und anders erzählt werden und das von der Werbung, über die Produkterklärung bis hin zum Infotainment: „Wer heute bereits mit mobilen Apps arbeitet, wird bald auch virtuelle Apps anbieten.“

Rundfunkrat für Facebook

Thema auf dem Media Tasting auch immer das Thema Regulierung. So würde Thomas Laufersweiler von ARD.de Facebook gerne einen Rundfunkrat gönnen. Cornelia Holsten, Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Medienanstalten prangerte vor allem auch Abmahn-Vereine an, die jetzt bei YouTubern wegen scheinbar fehlender Werbekennzeichnung schnelles Geld machen wollten. Dazu käme auch manchmal bei Gerichten die Unkenntnis über das Web. Holsten, früher selbst Richterin, brachte es auf den Punkt: „Ich würde so gerne einmal einem Gericht das Internet erklären.“ 

Inwieweit das Kartellamt seine strikte Haltung im Bezug auf deutsche Zusammenarbeit im Plattform-Bereich überdenkt, wird sich schon in nächster Zeit zeigen. Anlass ist das Konzept eines senderübergreifenden kommerziellen deutschen Streamingportals von Discovery mit der Sendergruppe ProSiebenSat1, das Susanne Aigner-Drews (Eurosport, DMAX und Discovery) vorstellte. Die „Super-Mediathek“ will Sport-Liveevents und attraktive lineare TV-Inhalte nutzen, um einen starken OTT-Brand in Deutschland zu schaffen. Die Online-Plattform ist bewusst offen für alle angelegt und entsprechende Einladungen erfolgten bereits an ARD, ZDF und RTL. Im Gegensatz zu früheren Plattform-Plänen, wie „Amazonas“ und „Germany‘s Gold“, die an Einwänden des Kartellamtes scheiterten, wurden beim Media Tasting diesmal einem deutsches Netflix angesichts der veränderten Marktbedingungen und der offenen Ausrichtung deutlich bessere Chancen eingeräumt.

Kartellamt muss neu denken

Durchaus Sympathien für die neue Plattform hegt Thomas Laufersweiler von ARD.de und verweist mit Blick auf das Kartellamt auf „viel vertane Zeit und blutige Nasen“ beim Aufbau einer entsprechenden Plattform. Für die ARD müssten allerdings vor einer möglichen Zusammenarbeit einige grundlegende Fragen geklärt werden, wie etwa das Verhältnis von Pay-Angeboten und mit Rundfunkgebühren finanzierten Inhalten oder der Umgang mit Empfehlungen.  

Mut zur Zusammenarbeit

Stephan Zech von der Funke Mediengruppe forderte alle Marktteilnehmer mit Blick auf Netflix auf, viel selbstbewusster aufzutreten. Eine Plattform alleine müsste nicht unbedingt die richtige Antwort sein. Plattformen sollten jedoch grundsätzlich überall nutzbar sein. Die große Herausforderung liegt für ihn im Wandel des Denkens: „Wir müssen Awareness für Produkte schaffen, anstatt auf Quoten zu schauen.“ Zudem müsse der Aufbau übergreifender Plattformen als Kollaboration beginnen und sollte sich erst im zweiten Schritt mit den gesellschaftsrechtlichen Beteiligungsfragen befassen. Dabei seien typische Fehler bei Kollaborationen unbedingt zu vermeiden, rät Ester Petri von der MFG Baden-Württemberg, mit Fokus auf die Kreativwirtschaft. „Nicht allein die Größe von Agenturen ist entscheidend.“ Es gelte, sich noch besser zu vernetzen, um adäquate Partner im Markt zu finden. „ Man muss sich vor allem persönlich kennenlernen“, so Petri.

Gute Inhalte werden der Schlüssel sein, um gegen Netflix und Co. zu bestehen. Dazu gehört unbedingt auch das lineare Fernsehen mit Live-Events wie Sport und Shows. Für Zech ist dabei eine gute Programmplanung elementar, die sich an interessanten Inhalten und nicht am Verwerten von TV-Konserven orientiert. Petri bestätigte, das bei jungen Leuten gute Inhalte, ob Dokumentationen oder Serien, egal über welche Plattform, immer gefragt seien. Dies steht auch für Laufersweiler außer Frage, der sich den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Empfehlungen und On Demand Planungen durchaus vorstellen kann. Hier stünden die Sender allerdings erst am Anfang.


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