DAUN, 13.07.2017 - 12:07 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Change Media Tasting: Die Zukunft liegt in strategischen Allianzen

Umdenken, Brücken schlagen, Innovationen gemeinsam entwickeln und nutzen, strategische Allianzen und Konzentration auf das tatsächlich Machbare. Diese Erfolgsrezepte für die potentielle Bewältigung des rasant verlaufenden digitalen Wandels in der deutschen Medienbranche standen im Fokus des 2. Innovationskongresses Change Media Tasting in Stuttgart. Fast 250 Fachbesucher aus dem gesamten Bundesgebiet diskutierten über die Nutzung der Chancen und Herausforderungen durch die Digitalisierung. Neue Diskussionsformate, Zeitbegrenzungen auf zwölf Minuten und ein generationsübergreifender Mix aus erfahrenen Medienschaffenden und „jungen Wilden“, Influencern der YouTube-Generation und Vertreter innovativer Start-ups. sorgten für ein spannungsgeladenes und kreatives Umfeld. Frische Akzente setzten auch die beiden Moderatorinnen Alina Schröder und Svenja Heber.

Marktplatz der Ideen

„Der noch junge Innovationskongress Change Media Tasting hat die hohen Erwartungen nach dem vielversprechenden Start im Vorjahr hinsichtlich der hochkarätigen Referenten und Themen mehr als erfüllt. Wir entwickeln uns zum zentralen Marktplatz der Ideen und Player für den digitalen Wandel in der deutschen Medienbranche“, sieht Veranstalter Frank Apfel die von Unitymedia und der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) geförderte Veranstaltung auf dem Erfolgsweg. Die Change Media Tasting ist Nachfolge-Kongress der TV Komm..

Beherrschendes Thema Collaboration

Die branchenübergreifende Collaboration entwickelt sich zum Erfolgsfaktor und Muss in der Medienbranche. Das war der fast einhellige Tenor der Fachbesucher. Dabei bedeutet Collaboration neben der Professionalisierung auch den festen Willen zur Zusammenarbeit zu haben, je nach Situation auf Herrschaftswissen zu verzichten und Knowhow zu teilen. Zudem seien gemeinsame Projekte ohne aktive Mitnahme der beteiligten Mitarbeiter zum Scheitern verurteilt. „Letztlich befinden wir uns in einem Wechselspiel. Jeder kann mitmachen. Aber letztlich ist eine professionelle Produktion gefragt, die jeden mitnimmt und alle Beteiligten eint“, beschrieb Wolf Osthaus von Unitymedia die wichtigsten Voraussetzungen.

Wie Collaboration mit Leben gefüllt wird, zeigten der Privatsender RTL2 und der Pay-Sender FOX am Beispiel der erfolgreichen gemeinsamen Kampagne für die neue Staffel der Serie „The Walking Dead“. Marketing- Chef Carlos Zamorano von RTL2 präsentierte, wie YouTube-Influencer und Facebook-Nutzer durch ein Live-Game intelligent auf den Staffelstart hin emotionalisiert werden konnten. Die Kampagne, die alle Kanäle von linear TV bis hin zu den sozialen Medien nutzte, heimste viele internationale Preise ein. Dabei kann sich Collaboration auch auf Aktivitäten wie Storytelling über die verschiedenen Bereiche eines Medienkonzerns hinweg erstrecken, wie Silke Marx, Geschäftsleiterin von Motor Presse TV, erläuterte. Ihre Learnings aus strategische Partnerschaften in der disruptiven Welt stellten auch Ulrich Müller-Armack, und Dominik Steidle, beide Head of Commercial Distribution bei SKY vor.

Zusammenarbeit schreiben auch Matthias Hahn, Director Commercial Distribution bei SKY und Dr. Jens Weissenfels, Senior Manager Content bei der Deutschen Telekom, bei StreamOn groß. Der Dienst, der gerade im Fokus der Bundesnetzagentur ist ermöglicht es, Video- und MusikStreams ohne Anrechnung des Datenverbrauchs zu nutzen. Neben SKY kooperiert die Telekom dabei mit vielen anderen Anbietern von Streaming-Diensten jeder Größe bis hin zu kleinen Radiosendern.

Collaboration bedeutet auch Lernen voneinander. Dies erläuterte Anna Pust-Petters, Referentin der Programmgeschäftsführung von funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF anhand von Beispielen aus den Nutzungsszenarien der Generation Z. Collaboration auch mit Influencern, was ist deren Erfolgsgen? Für Social Media Experte Bertram Gugel steht fest, dass es Authentizität bei den YouTube-Stars nicht mehr gibt. Ihr Erfolg beruht auf der Rolle, die spielen und konsequent und professionell vermarkten.

Traditionsverlag auf allen Kanälen

Welche Auswirkungen eine disruptive Welt auf ein Traditionsunternehmen hat und wie dieses den Wandel erfolgreich gestaltet hat, zeigte eindrucksvoll in einem vielbeachteten Beitrag Gerrit Klein, CEO des Ebner Verlags. Der hochspezialisierte Verlag hat die Verschwendung wertvoller journalistischer Ressourcen durch Konzentration auf die seine heterogenen Zielgruppen wirklich interessierenden Themen und konsequentes Bespielen der Print- und aller Onlinekanäle bis hin zu den sozialen Medien deutlich reduziert.

Organisationsentwicklung für den Change

Wie durch einen veränderten Workflow Innovation in den Medienhäusern gestaltet werden kann, stand nicht nur bei Gerrit Klein im Mittelpunkt, sondern auch bei Change-Experten Prof. Harald Eichsteller von der Hochschule der Medien. Wie ein roter Faden zog sich die Organisationentwicklung durch den Kongress. Prof. Dr. Fritz Schubert, Direktor des gleichnamigen Instituts für Persönlichkeitsentwicklung setzt bei den Führungsstrategien an, die für mehr Wohlbefinden bei den Mitarbeitern und damit auch für neuen Drive im Unternehmen sorgen.

„Man muss den Mitarbeitern Freiräume für Kreativität geben“, so Stephan Zech, Verlagsleiter für Programmzeitschriften der FUNKE Mediengruppe. Wie setzt man Prozesse in erfolgreiche Innovationen um und welche wichtige Rolle spielt die Unternehmenskultur dabei? Im Face2Face Interview stellten sich Zech und Michael Jaschke, Geschäftsführer von Pro7Sat.1 Digital den Fragen von Alina Schröder, Programmchefin der SWR-Jugendwelle DASDING. Jaschke verantwortet auch die neue Plattform glomex, die Publisher und Content-Produzenten zusammenbringt.

Neue Ideen und die Cloud

Neue Technologien für die Optimierung des täglichen kreativen Arbeitsflusses zeigte Firmengründer und Geschäftsführer Niklas Dorn von Filestage. Next Generation Storytelling stellte Mirco Völker von fischerAppelt vor. „Es gilt jetzt, gemeinsam relevante Use Cases für Virtual- und Augmented Reality zu entwickeln“, so Völker, der eine neue VR-AR-Unit von fischerAppelt leitet. Die sechs Stufen für erfolgreiches Storytelling von Unternehmensinhalten präsentierte Christof Kessemeier, Director Digital Branding, Unitymedia. Unter dem Stichwort Innovation Telling zeigte die Dr. Marie Elisabeth Müller, Professorin an der Hochschule der Medien in Stuttgart, innovative Content Strategien auf.

Wie Anbieter Daten optimal für ihre Geschäftsmodelle tracken können, verdeutlichte Helen Wohlfahrt, Vertriebsleiterin Cloud von IBM Deutschland auf. „Ich werde mich noch stärker mit dem QR-Code beschäftigen“, so das Kongress-Resümee von Tomma Profke, Kommunikationsexpertin von bwcon. Sie hatte besonders die Präsentation zu WeChat von Stefan Justl, Director storymaker beeindruckt, der aufzeigte, wie konsequent in China der Medienbruch von realer zu virtueller Welt mit Hilfe des QR-Codes und -Scanners überwunden wird und neue Geschäftsmodelle und Kommunikation ermöglicht.

Künstliche Intelligenz zwingt zum Nachdenken

Dr. Angela Frank, stellvertretende Präsidentin der LFK, plädierte in der Schlussrunde dafür, den Menschen mitzunehmen und diesen die Angst vor dem Wandel zu nehmen. Dabei gilt es, vorab sehr wichtige Fragen zu beantworten: „Was bedeutet es, wenn Medienunternehmen den Wandel umsetzen? Was bedeutet Innovation für die Menschen? Führt der Roboterjournalismus zu einer Konzentration auf den investigativen Journalismus? Zwingt Künstliche Intelligenz uns noch mehr zum Nachdenken?“


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/entertainment/change-media-tasting-die-zukunft-liegt-strategischen-allianzen

Aktuelle Ausgabe 10/2017

Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.