DAUN, 07.06.2019 - 15:26 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Deutschlandradio-Hörfunkrat diskutiert Hörfunkgutachten

Am 6. Juni 2019 kam der Deutschlandradio-Hörfunkrat zu seiner dritten Sitzung im Jahr 2019 im Funkhaus in Köln zusammen. Prof. Bernd Holznagel (Universität Münster) stellte zentrale Ergebnisse seiner Untersuchung „Deutschlandradio – sein bundesweiter Auftrag. Ausgestaltung, Leistung und Herausforderung“ (Leipzig 2019) vor und betonte die Alleinstellungsmerkmale von Deutschlandradio als bundesweitem Radiosender: „Der klare Integrationsauftrag von Deutschlandradio für Gesamtdeutschland ist aktueller denn je.“ Holznagel führte aus, dass das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung im Juli 2018 die Rolle der öffentlich-rechtlichen Sender als „mediale Infrastruktur der Demokratie“ explizit betont habe. Daraus ergebe sich der Auftrag, im Sinne einer gesellschaftlichen Kontrolle wahr und umfassend zu berichten, ebenso wie das Gebot der gesellschaftlichen Finanzierung.

Der Staatsrechtler forderte die öffentlich-rechtlichen Sender auf, noch stärker eigenständige audiovisuelle Inhalte online zu verbreiten, die eigenen Angebote miteinander zu vernetzen und die Verlinkung mit Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen zu stärken. Insgesamt bedeute dies eine deutliche Schwerpunktverlagerung in den Onlinebereich. In der Diskussion betonte der Hörfunkratsvorsitzende Frank Schildt: „Das Gutachten ist Rückenwind für die Konvergenzbestrebungen von Deutschlandradio. Der Sender muss die Chancen und Gestaltungsspielräume, die der 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrag im Onlinebereich bietet, konsequent weiter nutzen.“ Intendant Stefan Raue machte deutlich, dass Deutschlandradio neben den Anstrengungen im digitalen Bereich bei weiter wachsenden Hörerzahlen auch im Linearen die klassischen Radiohörer nicht vernachlässigen dürfe. „Klassisches Radio hat eine Zukunft. Unser Ziel ist, die linearen und nicht-linearen Angebote auf Augenhöhe zu bringen.“ Anschließend stellte Programmdirektor Andreas-Peter Weber den Abschluss der ersten Phase der Konvergenzstrategie und den Sachstand der Umsetzung des Telemedienauftrags nach dem 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrag vor: „Es geht um nichts weniger als unsere Zukunft. Wir müssen Hörerinnen und Hörer da erreichen, wo sie sind, unsere Angebote stärker personalisieren und unsere Inhalte auf die neuen Verbreitungswege zuschneiden.“

Der Hörfunkrat informierte sich über die Planungen der Deutschlandradio-Programme zum 30. Jubiläum der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR, die über das gesamte Jahr 2019 einen Schwerpunkt der drei Programme bilden. Programmdirektor Andreas-Peter Weber hob hervor, dass Deutschlandradio auch ein Sonderprojekt bei der KEF beantragt habe, um die Inhalte seines einzigartigen deutsch-deutschen Archivs einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In seinem Bericht nahm Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue Stellung zum Täuschungsverdacht gegen eine freie Autorin Stellung, die in Deutschlandfunk Nova und anderen Medien über den Aufbau einer Klinik zu Sexualberatung in Indien berichtet habe. Nach Recherchen des Spiegels sind wesentliche Angaben des Berichts unwahr. Der Fall wurde in den Redaktionen intensiv diskutiert und im Programm behandelt. Zusätzlich ergänzt derzeit eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien das „Journalistische Leitbild“ mit dem Ziel, die redaktionellen Prüfverfahren weiter zu schärfen. Anschließend informierte Stefan Raue die Mitglieder des Hörfunkrats über ausgewählte Aktivitäten der Deutschlandradio-Denkfabrik, die sich den Themen „Klimawandel“ und „70 Jahre Grundgesetz“ widmen. Die Abstimmung und Themenauswahl für die zweite Runde 2020 wird gerade direktionsübergreifend vorbereitet und soll im Juli 2019 starten.

Die Gleichstellungsbeauftragten Antje Kosubek und Ulrike Stengel stellten die Ergebnisse des Gleichstellungsberichtes 2018 vor, nachdem der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 26% liegt und Deutschlandradio damit das Schlusslicht unter den öffentlich-rechtlichen Sendern bildet (Funkhaus Köln 39%, Funkhaus Berlin 5%). In der Diskussion betonte Intendant Stefan Raue, dass das Haus mit den Zahlen nicht zufrieden sein könne und man die Zahlen nicht beschönigen dürfe. Trotzdem gehöre es auch zur Wahrheit, dass beispielsweise mit der Deutschlandfunk-Chefredaktion oder der Leitung der Hauptabteilung Intendanz zentrale Positionen im Haus mit Frauen besetzt sind. In den strategischen Zielen, die derzeit in der Geschäftsleitung formuliert werden, spielt die Stärkung des Frauenanteils in Führungspositionen eine wichtige Rolle. Intendant Raue: „Wir werden bei jeder frei werdenden Führungsaufgabe gezielt Kolleginnen ansprechen.“ Der Hörfunkrat machte klar, dass für ihn die Situation nicht befriedigend sei. Er erwarte von der Geschäftsleitung, dass sie sich diesem Problem weiter intensiv widme.

Die Vorsitzende des Programmausschusses Helga Diener berichtete von der Sitzung des Vortrags, in dem unter anderem die Online-Strategie der drei Programme und der neue Kakadu-Podcast behandelt wurde.


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