DAUN, 19.09.2018 - 16:09 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

FRK-Vorsitzender Labonte: Nicht jammern - Chancen des Breitbands nutzen

FRK-Breitbandkongress vermittelte neue Perspektiven

Der Breitbandkongress des FRK (Fachverband Rundfunk und BreitbandKommunikation) gehört zu den festen Größen im Veranstaltungskalender der Kabelbranche. Auch in diesem Jahr trafen sich die mittelständischen und lokalen Infrastrukturbetreiber, Inhalteanbieter, Technologiehersteller, die Wohnungswirtschaft und Dienstleister um die aktuellen Marktereignisse und besonderen Herausforderungen zu diskutieren. Diese reichten von der Analogabschaltung im Kabel, über die mögliche Übernahme der Unitymedia durch Vodafone bis hin zur Aufrüstung der bestehenden Netzinfrastrukturen und deren Finanzierung in Richtung Gigabit-Gesellschaft. Daneben nutzten Breitbandverantwortliche, Vertreter des Partnerverbandes VATM sowie anderer relevanter Telekommunikations- und TV-Verbände sowie Finanzexperten, die Möglichkeiten des Meinungs- und Informationsaustauschs über den Tellerrand hinweg.

„Einfach machen und nichts zerreden. Wenn es so nicht geht, versucht es anders.“ Diesen Rat gab Ari Huczkowski den Teilnehmern des FRK-Breitbandkongresses abschließend.  Der CEO von Lumintel Ltd beschrieb das Erfolgsmodell, das zumindest für die rund 5,5 Millionen Finnen gut funktioniert. Sicherlich auch auf Deutschland übertragbar: Breitband ist seit 2007 Teil der gesetzlichen vorgeschriebenen Daseinsvorsorge.  Deutschland und die EU-Mitgliedsstaaten lud er zur Zusammenarbeit mit Finnland bei Infrastrukturen, Ideen, KI und Digitalisierung ein, es gleich zu tun: „Wir dürfen nicht zulassen, dass uns in nicht allzu ferner Zukunft bei diesen Themen die Chinesen oder Amerikaner schon zum Frühstück verspeisen.“

Dass sein Rat in der Praxis gegen Widerstände und Bürokratieerfahrung umsetzbar ist, unterstrich Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Mecklenburg-Vorpommern. Bei der bundesweiten Breitbandförderung konnte sich Mecklenburg-Vorpommern als eines der schwächsten Bundesländer fast ein Viertel der gesamten Förderung für die „Grauen Flecken“ bei der Breitbandversorgung sichern. "Dabei haben wir alle Haken und Ösen ausgenutzt und für alle 93 beantragten Projektgebiete den Zuschlag erhalten. Unser Land hat dann eine halbe Milliarde draufgelegt, so dass die Gemeinden nichts draufzahlen müssen", berichtete er. Im Ergebnis sollen damit in Zukunft praktisch alle Haushalte außerhalb der großen Städte mit Glasfaser versorgt werden. Von den bisher 31 erteilten Aufträgen gingen dabei 22 an Mittelständler, wie etwa Stadtwerke und Energieversorger.

In diesem Zusammenhang wurde während des Breitbandkongresses das Breitbandbüro des Bundes gelobt, dessen Arbeit die atene KOM GmbH im Jahr 2010 übernahm. „Tim Brauckmüller und sein Team machen aus Sicht der FRK-Mitglieder einen ausgezeichneten Job. Warum jetzt ausgerechnet in dieser für unser Land wichtigen Phase der Betrieb des Breitbandbüros des Bundes neu ausgeschrieben werden soll und eventuell ein anderer Dienstleister wie etwa der TÜV Rheinland übernehmen soll, erschließt sich uns überhaupt nicht. Das Erstellen des vom TÜV wesentlich betreuten Breitbandatlas in den letzten Jahren war meines Erachtens nicht unbedingt eine Empfehlung für Verfahrens-Beschleunigung,“ zeigte sich der FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte mehr als erstaunt über Lobbygeflüster zur Möglichkeit, mitten im inzwischen gut eingespielten Verfahren die Pferde im Strom wechseln zu wollen. Dies provoziere eine manchen Lobbyisten genehme „Verfahrens-Entschleunigung“.

Eigeninitiativen für den Glasfaserausbau in den Häusern treiben immer mehr Unternehmen der Wohnungswirtschaft voran, wie Dr. Claus Wedemeier, Referatsleiter Digitalisierung des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, berichtete. Dabei machen der Wohnungswirtschaft allerdings bürokratische Hemmnisse wie das DigiNetz-Gesetz das Leben schwer. Dieses bestrafe Wohnungsbauunternehmen oder Netzbetreiber, die bereits gute Infrastrukturen hätten und diese weiter ausbauten. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf eine gängige Praxis der Telekom, die in den Beständen oft nur eine Faser verlege, um eine Mitnutzung durch Wettbewerber unmöglich zu machen. Auf Mythen, falsche Interpretationen und negative Praxisbeispiele beim DigiNetz Gesetz wies auch Dr. Frederic Ufer vom FRK-Partnerverband VATM hin.

„Nicht Bange machen.“ Diesen Rat schrieb Dietmar Schickel, Geschäftsführer DSC GmbH & Co.KG, den mittelständischen Netzbetreibern angesichts der bevorstehenden Fusion Unitymedia-Vodafone ins Stammbuch. Er empfiehlt, selbst die Innovationen zu treiben und auf Zukunftstechnologien wie die Glasfaser zu setzen, denn die Telekom werde die nächsten Jahre sicherlich nicht so massiv ausbauen, dass auch die Fläche bedient und Landflucht verhindert werde. Das Geschäftsmodell TV werde sich angesichts von Netflix, Amazon und Co. in den kommenden Jahren massiv wandeln. Netzbetreiber sollten daher auch alleine Internetdienste anbieten und den Generationswechsel in der Wohnungswirtschaft aktiv nutzen, um die jüngeren Manager von der Glasfaser in den Häusern zu überzeugen. Insofern lohne es sich für die mittelständischen Netzbetreiber noch stärker auf den Service zu setzen. „Mangelhafte Serviceleistungen der Telekom und von Vodafone werden von den Kunden immer weniger akzeptiert“, sagte FRK-Mitglied Schickel abschließend.    


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