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DAUN, 14.03.2018 - 10:50 Uhr
Entertainment - People

Genie und ein bisschen Popstar: Astrophysiker Stephen Hawking tot

(dpa) -  Bis zum Schluss scheint Stephen Hawking das Ernste mit einem Augenzwinkern zu kommentieren: Der britische Astrophysiker starb am frühen Mittwochmorgen (14. März) mit 76 Jahren - und damit nicht nur im gleichen Alter, sondern auch am Jahrestag der Geburt von Physik-Genie Albert Einstein (14. März 1879). Sein Todestag fällt zudem auf den inoffiziellen Pi-Tag zu Ehren einer mathematischen Konstante. In aller Welt rühmten Kollegen, Freunde, Politiker und Weggefährten die Lebensleistung des fast zeitlebens schwerkranken Wissenschaftlers - und seinen Witz.

„Einen Sinn für Humor so weit wie das Universum“, schrieb etwa Al Jean, Autor für die Zeichentrickserie „Simpsons“, bei der Hawking als gelbes Zeichentrick-Männchen gleich mehrfach auftauchte. „Ich werde unsere gemeinsamen Margaritas vermissen“, sagte der britische Schauspieler Benedict Cumberbatch der britischen Nachrichtenagentur PA. Er hatte den Physiker im Film „Hawking - Die Suche nach dem Anfang der Zeit“ verkörpert.

„Er war ein großer Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Mann, dessen Arbeit und Vermächtnis noch viele Jahre weiterleben werden“, erklärten Hawkings Kinder Lucy, Robert und Tim. „Wir werden ihn für immer vermissen.“ Geboren wurde Hawking am 8. Januar 1942 in Oxford - und auch dieses Datum scheint rückblickend bereits ein Fingerzeig auf sein kommendes Leben zu sein: Es ist der 300. Todestag des großen Universalgelehrten Galileo Galilei.

Bruce Allen, Physikprofessor in Hannover, trauerte um seinen Doktorvater. „Stephen war ein interessanter und wunderbarer Mensch“, sagte er. „Er war selten schlecht gelaunt. Er war ein starker Mensch, der das Beste aus allem machte und stets das Positive sah.“ Hawkings wissenschaftlicher Nachlass sei legendär, so Allen. „Seine frühen Arbeiten zur Kosmologie sind die Grundlage für unser heutiges detailliertes Verständnis darüber, wie das Universum entstanden ist und sich entwickelt hat.“

Die renommierte Universität Cambridge, an der Hawking jahrzehntelang forschte, bezeichnete Hawking als „eine Inspiration für Millionen“. Peter Altmaier, Wirtschaftsminister in der neuen Großen Koalition, twitterte: „Stephen Hawking ist nicht gestorben, sondern nur in ein Paralleluniversum entflohen.“ Die britische Premierministerin Theresa May hob den Mut des Forschers und seinen Sinn für Späße hervor.

Der britische Esa-Astronaut Timothy Peake schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, Hawking habe Generationen dazu angeregt, „hinter unseren eigenen Blauen Planeten zu schauen und unser Verständnis vom Universum zu erweitern“. Die US-Weltraumbehörde Nasa würdigte ihn als „Botschafter der Wissenschaft“. Wie viele andere wies Fabiola Gianotti, Direktorin des Kernforschungszentrum Cern bei Genf, auf den außergewöhnlichen Umgang des Physikers mit seiner Erkrankung hin. „Er war ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man einer Krankheit mit Mut begegnet. Er war ein Krieger.“

Hawking litt seit mehr als einem halben Jahrhundert an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Er saß seit 1968 im Rollstuhl und war fast völlig bewegungsunfähig. Schon lange konnte er sich nur noch mit Hilfe eines Computers verständigen. Als jungem Mann hatten die Ärzte ihm nur noch wenige Jahre Lebenszeit voraus gesagt. Doch die Krankheit schritt bei ihm sehr langsam voran und konnte seinen Aufstieg in der Wissenschaft nicht aufhalten: 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge, über 30 Jahre lang hatte er dort den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne - und stand damit in der Nachfolge von Isaac Newton.

Die Fachwelt schätzte Hawking wegen seiner Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern. „Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen“, sagte er einmal. „Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert.“ Neue Theorien entwickelte Hawking zu Schwarzen Löchern und zum Urknall: Die monströsen Schwarzen Löcher im All sind demnach keine Endstationen.

Zwar saugen sie durch ihre enorme Schwerkraft alles ein, was ihnen zu nahe kommt, und lassen nicht einmal das Licht entkommen. Hawking konnte aber in der Theorie zeigen, dass Schwarze Löcher langsam verdampfen - eine Folge der Quantenphysik.

Das Verdampfen dauert extrem lange. Die dabei entstehende Hawking-Strahlung ließ sich daher bisher nicht nachweisen.

Andernfalls hätte er womöglich längst einen Nobelpreis erhalten. Ulf Danielsson, Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die den Nobelpreis vergibt, wollte entsprechende Überlegungen auch zum Tod des Physikers nicht kommentieren. Aber unabhängig davon: „Die Entdeckungen, zu denen er beigetragen hat, werden großartige Entdeckungen in der Zukunft ermöglichen, kein Zweifel“, sagte Danielsson dem schwedischen Rundfunk.

Bereits als Doktorand hatte Hawking 1965 zusammen mit dem Briten Roger Penrose einen wichtigen mathematischen Beleg für die Urknalltheorie geliefert. Die Idee vom Urknall war damals noch umstritten, unter anderem weil in dieser mathematischen „Singularität“ die Naturgesetze nicht mehr gelten und so eine Art Schöpfungsakt notwendig zu werden schien. Er beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie einen Anfang des Universums voraussagte - „ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm“, wie Hawking in seiner Autobiografie „Meine kurze Geschichte“ (Rowohlt, 2013) schrieb.

Später zeigte er jedoch, dass der Anfang des Universums nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss.

Außerdem versuchte Hawking über Jahrzehnte, die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und auf diese Weise eine Art „Weltformel“ zu finden - in der Sprache der Physiker eine „Große Vereinheitlichte Theorie“, die alle Bereiche des Universums beschreiben kann, vom Mikro- bis zum Makrokosmos.

Sein 1988 erschienenes Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ machte ihn auch bei Laien populär. Er wurde zu einer Art Popstar der Wissenschaft und schreckte auch nicht davor zurück, zu populären Ideen wie Zeitreisen und Außerirdischen Stellung zu nehmen. Außer bei den „Simpsons“ hatte er auch Auftritte bei „Raumschiff Enterprise“ und „The Big Bang Theory“.

Trotz seiner Karriere kam auch das Privatleben nicht zu kurz. Hawking war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. In seinen letzten Jahren trat Hawking immer wieder als Mahner auf. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, warnte er. Seine Botschaft: Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen, falls es zu einer hausgemachten Katastrophe kommen sollte. „Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen.“

Stephen Hawking wird fehlen - das klingt in den meisten Reaktionen auf seinen Tod an. „Wir haben einen kolossalen Verstand und einen wundervollen Geist verloren“, schrieb etwa Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, auf Twitter.


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