DAUN, 31.03.2014 - 14:44 Uhr
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Interview - Romain Bausch: Der Visionär, der nach den Sternen griff

Romain Bausch gilt als Visionär und Pionier der Satellitenkommunikation. Die Erfolgsgeschichte der SES ist maßgeblich von seiner Handschrift geprägt. Internationale Diversifizierung und neue Produkte waren die beiden strategischen Richtungen, die er vorgab und die aus der SES mit Sitz in Betzdorf einen globalen Satellitenbetreiber machten. Im Juli wird Romain Bausch 61. Am 3. April tritt er offiziell in den Ruhestand.

Wie schwer fällt es denn, aufzuhören, loszulassen?

Nicht so schwer, wie man vielleicht annehmen könnte. Das mag auch daran liegen, dass es ein seit zwei Jahren eingeleiteter und somit geordneter Abgang ist.

Wie sieht denn Ihre Bilanz nach 19 Jahren an der Spitze der SES aus?

Es war eine schöne Zeit. Es ist uns als Team gelungen, 1995 mit 170 Beschäftigten, heute mit fast 1.400, aus einer Nische heraus, mit vier Satelliten im Jahre 1995, einen weltweit funktionierenden Konzern aufzubauen, der heute über 56 Satelliten verfügt. Wir haben es auch fertiggebracht, aus der SES, die 1995 in verschiedenen Ländern Westeuropas „nur“ Fernsehprogramme via Satellit ausstrahlte, heute eine der großen Satellitenbetreibergesellschaften weltweit zu machen, die weit übers Fernsehen hinaus in vielen Sparten aktiv ist. Ganz wichtig ist mir persönlich auch, dass die SES immer noch ganz stark in Luxemburg verankert ist.

Woran erinnern Sie sich denn besonders gerne?

Aus den vielen positiven Erinnerungen eine Auswahl zu treffen, ist schwer. Was aber sicherlich zu den bedeutsameren Ereignissen zählt, ist der Erwerb zweier Gesellschaften, der Americom im Jahre 2001 und der New Skies im Jahre 2006. Ein ganz wichtiger Schritt für die Gesellschaft war der Börsengang 1998, durch den die SES transparenter und somit auch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Die diversen Starts der Satelliten, einige konnte ich vor Ort miterleben, gehören natürlich auch zu den markanteren Erlebnissen. Was noch bei mir hängen geblieben ist, das ist das große Engagement und die Begeisterung der Mitarbeiter, die sich mit dem Betrieb identifizieren.

Im Satellitenkommunikationsgeschäft mussten Sie und die SES wie Pioniere einen Weg finden und experimentieren. In einem Interview sagten Sie mal, die SES habe sich auf diesem Weg im Neuland die eine oder andere blutige Nase geholt, sich aber nie ein Bein gebrochen. Was hat denn nicht so hingehauen?

Da unser Weg in der Tat durch Neuland führte, sind Schwierigkeiten nichts Außergewöhnliches oder Dramatisches. Wir haben beim Start einen Satelliten verloren und zwei andere mussten wir aufgeben, weil sie ihre Position nicht erreichten. Das SES-Multimediaprojekt (Breitband via Satellit) 1996/1997 lief nicht so, wie wir uns das vorstellten, was aber weniger an unserer Idee lag als an der Tatsache, dass die Satellitentechnik damals einfach noch nicht reif für solche Projekte war.

Wo werden die Menschen die Satelliten in Zukunft wahrnehmen, wo werden sie ihr Leben beeinflussen?

Für den Konsumenten werden Satelliten immer noch am stärksten mit der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen identifiziert werden. Rund 291 Millionen Menschen weltweit empfangen via die SES-Satelliten ihre Programme. In zwei Jahren, wenn die Olympischen Spiele in Rio sind und die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich, werden diese Programme in Ultra-HD-Auflösung gesendet werden. In den Schwellenländern werden die Satelliten immer bessere Kommunikationsanbindungen bringen, was zum Beispiel im Falle von Katastrophen sehr wichtig ist, wenn die terrestrische Kommunikation zusammenbricht. Internet wird es in den entlegensten Gegenden der Erde geben. Dann werden Satelliten in der Medizin eine größere Rolle spielen, indem Patienten und Ärzte beziehungsweise die Krankenhäuser anders miteinander verbunden sein werden, Stichwort Ferndiagnosen.

In dieser Woche übernimmt Karim Michel Sabbagh definitiv die Geschäfte der SES. Was sagt seine Nominierung über den zukünftigen Kurs der Gesellschaft aus?

Karim Michel Sabbagh ist ein sehr vielseitiger Mensch, der in vielen Bereichen der Kommunikation und der Satellitenbranche in verantwortlicher Position gearbeitet und Erfahrungen gesammelt hat. Er kennt die SES, da er seit zweieinhalb Jahren im Verwaltungsrat sitzt, er ist also kein Newcomer, der den Betrieb jetzt erst entdeckt. Er ist bestens mit den Märkten der Schwellenländer vertraut und kennt alle relevanten Entscheidungsträger. Somit bringt er alles mit, was für die Zukunft des Betriebs und des Satelliten in der Kommunikationswelt wichtig ist.

In welche Richtung wird es denn in Zukunft bei der SES gehen?

Das solide Fundament, das wir in den letzten Jahren geschaffen haben, hauptsächlich in unserem Kerngeschäft dem Fernseh-Direkt-Empfang via Satellit, wird in den nächsten Jahren noch ausgebaut werden können. Das Knowhow, das wir uns über Jahre angeeignet haben, wird uns auch helfen, uns auf neuen Märkten in den Schwellenländern zu behaupten, wo der Direktempfang erst noch entwickelt wird. An Wachstumspotenzial für die SES fehlt es sicher nicht; beispielsweise in Indien, Brasilien oder Indonesien. Wo wir bislang noch nicht Fuß fassen konnten, ist China. Satellitenfernsehen ist dort noch suspekt und wird wenn überhaupt nur von den chinesischen Autoritäten selbst angeboten

Vor Ihrer Zeit bei der SES waren Sie hoher Beamter im Finanzministerium. Wie sehen Sie denn heute die wirtschaftliche Entwicklung des Landes?

Wir werden uns damit abfinden müssen, dass es immer schwieriger wird, uns in Bereichen, in denen wir bisher stark waren, uns von anderen Ländern zu unterscheiden: Die Unterschiede werden geringer. Wichtig ist, dass wir in Luxemburger verschiedene Bereiche der Wirtschaft gezielt entwickeln. Dazu gehören ganz sicher die Telekommunikation und der ganze ICT-Bereich, die Logistik, die Biomedizin und selbstverständlich verschiedene Sparten in der Finanzwelt. Persönlich bin ich nicht pessimistisch was die Zukunft des Landes angeht. Voraussetzung ist aber, dass wir verstehen, dass wir vielleicht ein wenig zurückschrauben müssen, um uns langfristig so entwickeln zu können, wie wir uns das alle erhoffen.

Im Rahmen der Suche nach dem vermissten malaysischen Flugzeug kam immer wieder die Frage auf, wieso Satelliten keinen Aufschluss über die Position der Boeing 777 geben konnten? Was ist Ihre Einschätzung?

Ich bin überzeugt, dass Satelliten Bilder des vermissten Flugzeugs gemacht haben, aber Daten militärisch genutzter Satelliten werden nicht so gerne offengelegt. Die SES ist dabei, an einem System mitzuarbeiten, das es in Zukunft erlauben wird, die Flugdaten, die bislang nur auf einer Blackbox gespeichert werden, in Echtzeit via Satellit an eine Bodenstation zu senden. So wird man bei einem Problem sofort wissen, was los ist und wie es zu dem Unglück kommen konnte. Situationen wie jetzt wird es dann nicht mehr geben.

Diese Woche werden Sie in den Ruhestand treten. Was kommt dann?

Es wird nicht mehr eine dominante Aktivität wie bisher geben, sondern mein Leben wird vielfältiger sein. Diese Vielfalt setzt sich aus drei zentralen Feldern zusammen: Das Privatleben mit mehr Zeit für die Familie und Freunde, für Sport, wie Fahrrad fahren und andere Sportarten. Zweitens wird es noch einige berufliche Aktivitäten geben, ich bleibe zum Beispiel noch im Verwaltungsrat der SES und in anderen Verwaltungsräten, die nichts mit Satelliten zu tun haben. Drittens werde ich mich sozial stärker einbringen. Meine Frau und ich haben eine Stiftung gegründet mit dem Ziel, bedürftigen Kindern zu helfen. Und dann sind bereits einige Organisationen mit der Bitte an mich herangetreten, bei ihnen aktiv zu werden.

Am 3. April übernimmt Karim Michel Sabbagh, 50, definitiv den Chefsessel bei der SES. Er ist kanadischer und libanesischer Staatsbürger, verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Seit 2011 ist er Mitglied des Verwaltungsrats von SES. Er ist ein anerkannter Experte in der Branche und ist mit den Märkten der Schwellenländer bestens vertraut. Dank seiner internationalen Erfahrung und seiner Führungsfähigkeiten soll das Wachstumspotenzial des Unternehmens weiter verwirklicht werden. (Quelle: SES)

Quelle: „Luxemburger Wort“, Ausgabe vom 29. März 2014. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des „Luxemburger Wort“.

www.ses.com


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