DAUN, 12.08.2014 - 08:40 Uhr
Entertainment

Möglicher Blind-Kauf durch Spiele-Vorbestellung

Das Vorbestellen eines ersehnten Spiels wird immer populärer und verlockender

(dpa/tmn) „Jetzt vorbestellen!“ - Auf der Gamescom in Köln (Publikumstage: 14. bis 17. August) wird diese Aufforderung auf unzähligen Plakaten und am Ende vieler Spiele-Trailer stehen. Teilweise sollen die Kunden schon Monate vor Erscheinen eines Titels Geldbeutel oder Kreditkarte zücken. Als Belohnung gibt es Extras, etwa bessere Ausrüstung oder zusätzliche Level im Spiel.

Welche absurden Ausmaße das annehmen kann, zeigt zum Beispiel das Ende Mai erschienene Hacker-Actionspiel „Watch Dogs“: Hier bot Hersteller Ubisoft so viele Vorbesteller-Boni und Sonderausgaben an, dass selbst eingefleischte Fans sie nur mit Hilfe einer Tabelle noch auseinanderhalten konnten. Das Ergebnis gibt es noch im englischsprachigen Wikipedia-Artikel zum Spiel zu bewundern.

Vorbestellung als Indikator für möglichen Erfolg des Spiels

Und „Watch Dogs“ ist kein Einzelfall. Ob Activision mit „Call of Duty“ oder Electronic Arts mit dem neuen „Dragon Age“: Kaum ein Hersteller kündigt heute noch einen Blockbuster an, ohne gleichzeitig auf Vorbestell-Möglichkeiten hinzuweisen. „Vorbestellungen sind ein guter Indikator, ob ein Spiel wirklich erfolgreich wird“, erklärt Jörg Müller-Lietzkow, Professor für Medienorganisation und -systeme an der Universität Paderborn. Unter anderem können die Hersteller so das Marketingbudget besser kalkulieren.

Exklusivität zieht Kunden an

Die Palette an Zusatzinhalten, die es für eine Vorbestellung gibt, reicht von kosmetischen Änderungen wie Kostümen für die Spielfigur über neue Waffen bis zu zusätzlichen Missionen. Entscheidend für den Spielspaß ist das alles nicht. „Natürlich ist das ein bisschen Augenwischerei, aber es funktioniert“, sagt Müller-Lietzkow. „Das Versprechen, etwas exklusiv zu bekommen, zieht einfach.“

Attraktiver für eingefleischte Fans als für Gelegenheitsspieler

Ähnlich sieht das auch Heiko Klinge, Chefredakteur bei der Spielezeitschrift „Gamepro“: „Gelegenheitsspielern kann das eigentlich egal sein“, sagt er. Viele Spiele seien auch ohne Zusatzinhalte so umfangreich, dass man für sein Geld jede Menge Gameplay bekomme. Etwas anders ist der Fall bei eingefleischten Fans eines Titels, die sich monatelang damit beschäftigen wollen, so der Experte.

Sich vor dem Kauf intensiv informieren

Das bedeutet allerdings auch, dass sich diese Fans vor dem Kauf intensiver informieren müssen. Denn teilweise gibt es sogar je nach Händler, bei dem man ein Spiel kauft, unterschiedliche Zusatzinhalte. Noch komplizierter wird es, wenn man sich für Limited oder Special Editions interessiert. Die kosten mehr als das reguläre Spiel, dafür gibt es neben digitalen Boni aber auch physikalische Beigaben. Das können zum Beispiel ein T-Shirt oder der Soundtrack auf CD sein.

Qualitätsunterschiede

Für Fans kann sich die Anschaffung solcher Pakete lohnen, sagt Klinge - allerdings nicht immer. „Da gibt es große Qualitätsunterschiede“, warnt der Redakteur. Manchmal erhalten Käufer für Preise um 100 Euro nur Billigware, andere Hersteller bieten hochwertige Beigaben. Und manche Sonderausgaben werden tatsächlich in so begrenzter Stückzahl produziert, dass sie sich Jahre später teuer an Sammler weiterverkaufen lassen - allerdings nur ungeöffnet. „Für eine Limited Edition von „World of Warcraft“ im Originalzustand würden Sie heute richtig viel Geld bekommen“, nennt Klinge ein Beispiel.

Noch nicht veröffentlichte Testberichte

Ob limitiert oder nicht: Ein wesentliches Problem der Vorbestellung ist, dass der Kunde die sprichwörtliche Katze im Sack kauft. Das gilt nicht nur für die Qualität der Zusatzinhalte und Beigaben, sondern auch für das Spiel an sich. Denn Testberichte in der Fachpresse werden meistens erst am Erscheinungstag oder kurz vorher veröffentlicht.

Widerrufsrechte

Erweist sich ein groß angekündigtes Spiel dann als Flop, kommt der Kunde möglicherweise nicht mehr aus seiner Vorbestellung raus - zumindest im stationären Handel. „Da kann es sein, dass mit der Vorbestellung ein Vertrag zustande kommt“, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Beim Onlinekauf gilt dagegen auch bei vorbestellter Ware das Widerrufsrecht. Bei Software, darunter auch Spiele, erlischt es allerdings, wenn das Siegel an der Hülle gebrochen wird.

Vertragsbedingungen durchlesen

Im Laden muss der Kunde meistens eine Anzahlung leisten und erhält dafür einen Coupon oder eine sogenannte Preorder-Box. Ob man das Geld im Zweifelsfall wiederbekommt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, sagt Gollner: „Ich würde mir da die Vertragsbedingungen genau anschauen.“ Einerseits könne es passieren, dass der Verbraucher mit der Vorbestellung schon zur Abnahme der Ware verpflichtet ist - andererseits kann der Händler dem Kunden auch ein Rücktrittsrecht von der Vorbestellung einräumen, inklusive Erstattung der Anzahlung. Verpflichtet ist er dazu aber nicht.

Vorteile der Vorbestellung

Vorbestellungen können aber neben den zweifelhaften Boni auch echte Vorteile haben: „Ich habe damit die Garantie, dass ich das Spiel am Erscheinungstag bekomme, auch wenn es ausverkauft ist“, sagt Gollner. Andererseits gibt es fast alle Spiele inzwischen auch als Download. Weil man hier nur Daten kauft, gibt es logischerweise keine Knappheit. Selbst auf den Download-Plattformen lassen sich Spiele aber inzwischen vorbestellen. Das lohnt sich aber eigentlich nur, wenn der Betreiber das sogenannte Preload anbietet. Damit werden die Titel schon vor dem Erscheinungstermin heruntergeladen - am Starttag können Ungeduldige dann ohne Wartezeit direkt loszocken.


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